Detailinformationen

Autor

Wolf-Dieter Rühl

Geschäftsführender Redakteur

Korruptionsverdacht / Telekom / VW

Alles richtig gemacht?

Die Deutsche Telekom trennte sich Ende November 2010 wegen Korruptionsverdachts von einem Manager. Im Februar hob die Süddeutsche Zeitung die Geschichte auf die Titelseite. Obwohl der Konzern auch nach Ansicht von Journalisten gut mit der Affäre umging, bleibt das böse Wort Korruption an ihm hängen. Alternativen gibt es für Unternehmen in vergleichbaren Situationen indes kaum. Interviews mit Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung, dem PR-Chef der Telekom Philipp Schindera und dem MAN-Kommunikationsleiter Andreas Lampersbach.

Die Zentrale der Telekom in Bonn. (Foto: ddp)

Philipp Schindera

„So was hat immer negative Folgen“

Philipp Schindera

Telekom-Kommunkationschef Philipp Schindera zum schwierigen Spagat zwischen offener Kommunikation und Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben sowie zum Medienecho anlässlich des Korruptionsverdachts.

prmagazin: Wie und wann haben Sie selbst von dem Fall erfahren?
Schindera: Die Kommunikation war von Anfang an eingebunden, also schon im November 2010. Wir haben empfohlen, den Vorgang zu kommunizieren und auch zu sagen, warum wir uns von den betreffenden Mitarbeitern trennen.

Erst nach den Hausdurchsuchungen im Februar brachte die Süddeutsche Zeitung die Geschichte auf der Titelseite. Woher hatten die Reporter ihre Informationen?
Jedenfalls nicht von uns. Anderseits war es klar, dass der gesamte Vorgang irgendwann öffentlich wird, aber wir haben die Geschichte nicht aktiv gespielt.

Könnte auch die Staatsanwaltschaft Informationen geliefert haben?
An solchen Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen.

Vereinzelt wurden Stimmen laut, erst die Staatsanwaltschaft und die Süddeutsche müssten Monate später die Transparenz herstellen, die die Telekom nicht leiste …
Wir haben Ende November die Medien darüber informiert, dass wir uns vom Vertriebschef der T-Systems getrennt haben, dass es um Verstöße gegen Compliance-Regeln des Hauses im Rahmen eines Sponsoring-Engagements ging, dass gegen drei weitere Mitarbeiter ermittelt wird und dass wir der Staatsanwaltschaft unsere Unterlagen zur Prüfung übergeben haben – kurz gesagt, wir haben umfänglich informiert. Von daher kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.

Wie groß war das Medieninteresse nach der Story der Süddeutschen?
Das war schon sehr groß, wenn man sich vor Augen führt, dass wir nur in Anführungszeichen über das einmalige fragwürdige Verhalten einzelner Mitarbeiter sprechen und dass es durch unser konsequentes Einschreiten beim Versuch geblieben ist. Wir haben rund 30 Anfragen überregionaler Medien erhalten, die die T-Systems-Kollegen Harald Lindlar und Stefan König bedient haben. Wir hatten durch die frühe Kommunikation Ende November Zeit genug, uns auf etwaige Anfragen vorzubereiten.

Muss man Überschriften wie „Korruption bei Telekom und VW“ und „Korruptionsverdacht bei Volkswagen und Telekom“ also einfach hinnehmen?
Ich habe damit leben gelernt. Dass die Überschriften in diese Richtung gehen, war klar.

Wie beurteilen Sie das Medienecho? Die Rolle der Telekom wurde ja durchaus auch gelobt?
Die Berichterstattung war fair. Es wurde von vielen Journalisten lobend erwähnt, dass die Telekom beim Thema Compliance deutlich dazugelernt habe. Wir haben das Thema sauber abgearbeitet.

Hat der Fall nun positive oder negative Folgen fürs Image?
So was hat immer negative Folgen. Es geht darum, den Grad der Negativität so gering wie möglich zu halten. Ich bin insofern zufrieden, als dass wir für unseren Umgang mit diesem Fall auch gelobt wurden. Trotzdem ist eine solche Medienlage natürlich extrem ärgerlich.

 

Hans Leyendecker

„Das kleinere Übel“

Hans Leyendecker

Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung meint, die Deutsche Telekom habe anlässlich des jüngsten Korruptionsverdachts richtig gehandelt und kommuniziert.

prmagazin: Was war der Ausgangspunkt für Ihre Geschichte „Korruptionsverdacht bei Volkswagen und Telekom“?
Leyendecker: Die Telekom hatte im November 2010 mitgeteilt, dass sie sich von dem betreffenden Manager wegen eines Verstoßes gegen interne Vorschriften im Zusammenhang mit dem Sponsoring trennt, die Einzelheiten aber offen gelassen. Wir haben dann recherchiert, ob sich daraus ein Verfahren der Staatsanwaltschaft erwächst, und erfahren, dass tatsächlich ermittelt wird. Das war also eigentlich nichts besonderes, sondern schlicht journalistisches Handwerk.

Die Telekom ist also nicht aktiv auf Sie zugegangen?
Nein. Was die Sprecher uns mitteilen konnten, haben sie uns nach unseren Anfragen aber gesagt. Das Unternehmen ist bei staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ja nicht frei in seiner Kommunikation, hat aber einen normalen Service geboten.

Von einigen Beteiligten wird die Vermutung geäußert, die Staatsanwaltschaft habe Sie gezielt über die Hausdurchsuchungen bei Telekom und VW informiert. War das so?
Über Quellen redet man nicht, aber diese Spekulation ist Quatsch.

Welche Folgen hat die Öffentlichmachung für das Image der Telekom?
Das ist schwierig zu beurteilen. Die Telekom hat ja alles richtig gemacht, trotzdem bleibt beim Normalbürger wohl nur das Stichwort „Korruption“ hängen. Dieser Schlag fürs Image ist aber das kleinere Übel, wenn man die Alternative bedenkt. Wäre der Konzern dabei erwischt worden, wie er die Sache unter den Teppich kehren will, sähe der Imageschaden noch ganz anders aus.

 


Andreas Lampersbach

„Eine Gratwanderung“

Andreas Lampersbach

Der Kommunikationschef von MAN, Andreas Lampersbach, spricht im Interview über die Möglichkeiten und Grenzen offener Unternehmens-PR, wenn der Staatsanwalt ermittelt.

prmagazin: Wie kommuniziert man den Verstoß einzelner Mitarbeiter gegen den konzerneigenen Verhaltenskodex?
Lampersbach:
Es ist richtig, in so einem Fall die zuständigen Behörden zu informieren, aber nicht mit Einzelheiten an die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist im konkreten Fall kein PR-fähiges Thema. Einerseits gilt die Unschuldsvermutung und andererseits hat das Unternehmen auch eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter.

Das heißt ein Unternehmen muss darauf warten, dass Journalisten es mit den Vorwürfen konfrontieren?
Ja, so sieht die Rollenverteilung aus. Natürlich müssen Sie sich als Kommunikator aber darauf vorbereiten. Sie können das Thema „gute Unternehmensführung“ nicht im Einzelfall, sondern nur generell aktiv kommunizieren. Also: Wie handhabt der Konzern die Korruptionsbekämpfung? Wie sieht das interne anonyme Meldesystem auf? Das ist aber eine Gratwanderung, weil es auch sauer aufstoßen kann, wenn ein Unternehmen von sich selbst behauptet, vom Saulus zum Paulus aufgestiegen zu sein.

Für das Unternehmensimage sind von Journalisten ausgegrabene Korruptionsvorwürfe erst einmal abträglich ….
Das müssen Sie aushalten, wenn Sie das Thema Compliance ernst nehmen. Langfristig kann ein Unternehmen seine Reputation aber steigern, wenn es als ernsthafter Kämpfer gegen Korruption in den eigenen Reihen wahrgenommen wird.

 

Eine Analyse zur Kommunikation der Telekom anlässlich des jüngsten Korruptionsverdachts können Sie in der März-Ausgabe des prmagazins lesen.

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