Detailinformationen

Autor

Daniel Neuen

Redakteur

verfasst am

12.09.2011

im Heft

9/2011

Schlagworte

Interview

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Andreas Meurer

Online-Journalismus

„Alles wird anonymer“

„Die machen nix als im Internet surfen und sich da irgendwas zurechtzuzimmern“ – mit Sätzen wie diesem richtete Andreas Meurer, PR-Chef von VW Nutzfahrzeuge, bei einer Veranstaltung der PR-Studierenden Hannover (PRSH) über Online-Journalisten.

prmagazin: In der PRSH-Diskussion haben Sie empört gefragt, warum Online-Journalisten sich anmaßen, wie richtige Journalisten zu agieren. Sind Ihre Erfahrungen so schlecht?
Meurer:
Ja, leider. Ein großes Problem ist der Zeitdruck, unter dem Online-Journalisten stehen. Das führt dazu, dass die Recherche nicht direkt vor Ort und am „lebenden Objekt“, auf Pressekonferenzen, Messen und anderen Veranstaltungen stattfindet, sondern in der Redaktion am Bildschirm. Auf unsere Presseaussendungen hin kommen so gut wie nie Nachfragen, wie sie von Redakteuren bei Nachrichtenagenturen und Zeitungen üblich sind. Das betrifft übrigens auch große Portale etablierter Printmedien. Recherche kostet eben Manpower und damit Geld.

Was ist die Folge davon?
Alles wird anonymer. Ich kenne die meisten maßgeblichen Printredakteure, die die deutsche Autoindustrie betreuen, aber so gut wie keinen Online-Journalisten. Zumal diese Mädchen für alles sind, es gibt kaum Spezialisierung wie in Printredaktionen. Mal berichtet der eine über die Autoindustrie, dann wieder der andere. Dadurch passieren Fehler. Da fehlt oft das Verständnis für grundlegende Zusammenhänge und Rahmenbedingungen. Ich weiß aber nicht, wen ich anrufen muss, um auf Fehler hinzuweisen. Das ist fast so wie ein Anruf im Callcenter.

Klingt ein wenig, als ob früher alles besser war und Sie nicht so richtig wissen, wie Sie auf die wachsende Bedeutung von Online-Medien und die Veränderungen dadurch reagieren sollen.
Wir arbeiten in erster Linie noch mit klassischen Medien, die sind nach wie vor am wichtigsten für uns. Aber es stimmt, wir Kommunikatoren müssen Mittel und Wege finden, wie wir uns auf die sich verändernde Medienwelt einstellen. Das ist ein ganz großes Thema – genau wie die Frage, welche Information hier eigentlich valide ist und wem man im Web vertrauen kann.

Für 5.000 Euro könne man über spezielle Dienstleister seine Botschaften weltweit in die großen Online-Portale wie Yahoo, MSN und bekannte Autoportale drücken, haben Sie in Hannover gesagt.
Um das klarzustellen: Wir machen so etwas nicht. Und 5.000 Euro habe ich in den Raum geworfen, um den Teilnehmern des Kongresses zu verdeutlichen, wie billig und einfach es im Web ist, den Journalisten als wichtigen Filter von Information zu umgehen. Klassische Pressearbeit ist deutlich teurer, und ich muss dabei auch noch mit guter, glaubwürdiger Information überzeugen.


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