Detailinformationen

Autor

Wolf-Dieter Rühl

Geschäftsführender Redakteur

verfasst am

13.04.2011

im Heft

4/2011

Schlagworte

Meldungen

Media Tenor

Analysen und Urteil in der Kritik

Der Medienauswerter Media Tenor sorgt auch nach seinem Umzug von Deutschland in die Schweiz für Schlagzeilen in eigener Sache. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender SRF wehrt sich gegen Vorwürfe der Weltwoche, nicht ausgewogen über die verschiedenen Kantone zu berichten, es gebe eine deutliche Bevorzugung einzelner Gebiete.

Ein entsprechender Artikel stützt sich auf eine Untersuchung von Media Tenor. SRF-Chefredakteur Diego Yanez wies die Behauptung in einem Interview zurück und zweifelte die Ergebnisse an. Ihm sei schleierhaft, warum die Analyse die Sendungen „Eco“ und „SF Börse“ berücksichtigte, „10vor10“, „Schweiz aktuell“ und „Arena“ aber nicht: „Wie kann man Aussagen über die Vertretung der Kantone im Programm machen, ohne ,Schweiz aktuell‘‚ unser Regionalmagazin, mit einzubeziehen?“ Media-Tenor-Chef Roland Schatz erwiderte, sein Institut lege immer Basis und Methode offen, Yanez habe den Methodenteil bei vergangenen Analysen nie beanstandet.

In Deutschland hatte sich Schatz in der Vergangenheit wiederholt Scharmützel mit öffentlich-rechtlichen Sendern geliefert. So warf er ARD und ZDF während des Libanon-Kriegs 2006 vor, nicht ausgewogen zu berichten. Zuvor hatte er gute Einschaltquoten von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ mit der Behauptung relativiert, diese seien in der Halbzeitpause von Fußballspielen gelaufen, in denen viele Zuschauer gar nicht die Nachrichten verfolgten, sondern die Toilette aufsuchten, wie Statistiken von Wasserwerken bewiesen. Entsprechende Statistiken konnte er auf Nachfrage des NDR aber nicht präsentieren.

Gläubiger und ehemalige Mitarbeiter der beiden deutschen Vorgängergesellschaften, die in die Insolvenz gingen, wollen sich aktuell nicht mit einem aus ihrer Sicht zu milden Urteil gegen Roland Schatz abfinden. Das Landgericht Bonn hatte den Media-Tenor-Chef im Juni 2010 wegen Untreue zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Ein früherer Angestellter wandte sich Ende 2010 an NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und regte eine Untersuchung an, warum die Staatsanwaltschaft Bonn gravierende Vorwürfe wie Kreditbetrug, Buchhaltungsmanipulationen und Insolvenzverschleppung nicht weiter verfolgt habe. Obwohl sich eine Reihe von Zeugen, darunter der ehemalige Geschäftsführer Wolfgang Stock, teilweise sogar mit Unterlagen an die untersuchende Behörde gewandt hätten, seien diese in sachdienlicher Form weder von der Staatsanwaltschaft noch vom Gericht gehört worden.

„Das war ein für mich sehr erstaunliches Verfahren. Vor allem, weil ich mich jahrelang als Zeuge angeboten habe und erst dreieinhalb Jahre nach der Insolvenz vernommen wurde – und dann nicht einmal zu allen Punkten. Eine vereinbarte Fortsetzung meiner Vernehmung war von der Staatsanwaltschaft Bonn nicht gewollt“, sagte Stock dem prmagazin.

Das Landesjustizministerium forderte inzwischen einen Bericht von der Staatsanwaltschaft und dem Bonner Landgericht an. Die Generalstaatsanwaltschaft Köln prüft auch anhand dieses Reports der zeit, ob die Bonner Kollegen angemessen ermittelten. Die Staatsanwaltschaft Bonn wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

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