Solarbranche
Chinesen wehren sich gegen deutsche Kritik
Im Konflikt mit europäischen Solarfirmen um angebliches Preisdumping und mögliche Strafzölle wehrt sich der chinesische Weltmarktführer Suntech gegen Kritik an der Kommunikation.
Die Financial Times Deutschland (FTD) hatte Ende Juli einen namentlich nicht genannten Chef eines deutschen Solarunternehmens zu der Auseinandersetzung wie folgt zitiert: „Da wird jetzt kräftig mit Dreck geworfen. Und bei uns hat niemand mehr Geld, um denen PR-mäßig etwas entgegenzusetzen.“ Björn Emde, Europa-Sprecher von Suntech im schweizerischen Schaffhausen, weist den Vorwurf zurück: „Wir werfen nicht mit Dreck. Mit einer offenen und faktenbasierten Kommunikation können wir uns sogar positiv abheben. Die deutsche Solarindustrie hatte durch massive Investitionen in Marketing und starke kommunikative Präsenz jahrelang die Deutungshoheit. Jetzt wurde es für Suntech notwendig, selbst die Agenda zu setzen und manche Dinge nicht länger unkommentiert zu lassen.“
Frank Asbeck, Chef des größten deutschen Solarmodulbauers Solarworld, klagt vor der EU gegen seine chinesischen Konkurrenten wegen Preisdumpings. Er zielt damit wohl auf Strafzölle für die Rivalen aus dem Reich der Mitte. Europa ist der größte Solarmarkt. „Wenn sich Asbeck durchsetzt, bricht für viele Hersteller die Hälfte des Weltmarkts weg“, sagt Suntech-Sprecher Emde. „Als börsennotiertes Unternehmen verteidigen wir selbstverständlich unsere ,licence to operate‘.“
Die FTD schrieb, die Chinesen hätten „quasi alle großen Krisen-PR-Firmen engagiert“, darunter Hering Schuppener. Fakt ist: Die Berater unterstützen Suntech und sind europäische Leadagentur der Allianz für Bezahlbare Solarenergie (AFASE), die im März gegründet wurde, um „sich für offene Märkte und freien Handel in der europäischen Solarindustrie einzusetzen“. Dem Verband gehören chinesische Konzerne, aber auch deutsche Unternehmen wie Heraeus an. Fürsprecher haben die Chinesen etwa im Rohstofflieferanten Wacker Chemie gefunden.
Laut Emde, früher selbst bei Hering Schuppener Consulting, geht es bei dem Etat vor allem um Medienarbeit, die Beziehungen zu Verbänden, europäischen Institutionen und EU-Mitgliedsstaaten. Als AFASE-Sprecherinnen fungieren Annabell Feith und Andrea Maibaum aus dem Team von Partner Folker Dries. Die politische Kommunikation hat Martin Bury übernommen, Partner bei Hering Schuppener Corporate Affairs. Die Agentur koordiniert die europäische Kommunikation, Partner sind Euro RSCG in Frankreich und Cattaneo Zanetto in Italien. GPlus kümmert sich um Public Affairs in Brüssel. Ob und welche Dienstleister für andere große chinesische Solarunternehmen wie Trina und Yingli in der Angelegenheit tätig sind, blieb mangels Rückmeldung von deren Europa-Sprechern unklar.
Solarworld und 20 andere europäische Solarunternehmen gründeten Ende Juli die Initiative EU Prosun. Milan Nitzschke, Kommunikationschef der Bonner und Präsident von EU Prosun, war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.



