Detailinformationen

Autor

Redaktion

verfasst am

14.04.2020

Schlagworte

Coronavirus, Covid-19, Umfrage, Bundesregierung, Kekst CNC

Das aktuelle Heft
Ausgabe 04/2020

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Covid-19

Deutsche nehmen Jobverluste und Rezession in Kauf


Prozentzahl der britischen, amerikanischen, deutschen und schwedischen Öffentlichkeit, die sagt: "Die Regierung soll die Ausbreitung des Virus begrenzen" versus "Die Regierung soll die Wirtschaft schützen". (Grafik: Kekst CNC)


Die überwiegende Mehrheit der deutschen Öffentlichkeit fordert, dass die Bundesregierung vorrangig die Verbreitung des Coronavirus eindämmen und Leben retten sollte – selbst um den Preis schwerwiegender wirtschaftlicher Folgen. Das zeigt die erste internationale Covid-19-Umfrage der Kommunikationsberatung Kekst CNC, die heute vorgestellt wurde.
 


Die vor den Ostertagen erstellte repräsentative Umfrage liefert Antworten
auf einige der aktuellsten Fragestellungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Durch das internationale Setup mit Fokus auf Deutschland, Schweden, die USA und Großbritannien macht die Studie länderspezifische Unterschiede beim Umgang mit der Krise, die Erwartungshaltung der Bevölkerung an Politik und Unternehmen sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends sichtbar. 

So sagen 54 Prozent der Befragten in Deutschland, dass die Bundesregierung die Ausbreitung des Virus begrenzen sollte, ungeachtet möglicher Folgen wie einer Rezession oder möglicher Arbeitsplatzverluste. Lediglich 26 Prozent messen der Unterstützung der Wirtschaft mehr Bedeutung bei. 

Gleichzeitig sagt eine überwältigende Mehrheit der Deutschen, dass es zentrale Aufgabe des Staates sei, Unternehmen, die in finanzielle Not geraten sind, mit Rettungsaktionen oder geeigneten Kreditprogrammen zu unterstützen: So sind sich 67 Prozent der Deutschen einig, dass die Regierung die wichtigsten Unternehmen retten sollte, wenn diese aufgrund der Folgen der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. 76 Prozent geben sogar an, dass jedes Unternehmen gerettet werden sollte, welches aufgrund der Krise in eine Schieflage geraten ist. 

Diese Forderung spiegelt laut Kekst CNC die große Besorgnis von mehr als zwei Dritteln aller Deutschen wider, dass die Auswirkungen des Virus auf Wirtschaft und Unternehmen deutlich größer sind, als die Auswirkungen auf die eigene Person oder Familie. In angelsächsisch geprägten Wirtschaftsräumen ist der Ruf nach staatlichen Interventionen deutlich geringer ausgeprägt.  

64 Prozent der Deutschen unterstützen der Studie zufolge die aktive Rolle, die die deutsche Bundesregierung während der Coronavirus-Krise spielt. So hat die Regierung in den ersten Wochen der Krise mit ihrem starken Fokus auf den Gesundheitsschutz der Bevölkerung dazu beigetragen, das Vertrauen in sie zu stärken. Entsprechend gaben 44 Prozent der Befragten an, das Verhalten der Regierung habe ihr Vertrauen in sie gestärkt. Lediglich 21 Prozent gaben an, ihr Vertrauen in die Bundesregierung sei gesunken. 

Für Regierungen, deren Handeln weniger entschlossen wahrgenommen wurde, ergibt sich hingegen ein gegenteiliges Bild. So nahm das Vertrauen in die US-Regierung bei 35 Prozent der Befragten ab und nur bei 29 Prozent zu.  

Eine deutliche Mehrheit der Befragten erwartet, dass sich auch Unternehmen an der Bewältigung der Krise beteiligen und ihre soziale Verantwortung verstärkt wahrnehmen sollten. Mehr als 70 Prozent der Deutschen fordern, dass Unternehmen während der Krise auf hohe Gewinnspannen verzichten und sich vor allem darauf konzentrieren sollten, einen positiven Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten. 44 Prozent führen an, dass sie eine aktive Beteiligung von Unternehmen an der Krisenbewältigung auch bei späteren Kaufentscheidungen berücksichtigen und diese Unternehmen verstärkt in ihrem Konsumverhalten auch nach der Krise zu bevorzugen.  

„Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen stand noch nie so im Mittelpunkt wie jetzt. Solidarität heute entscheidet über die Umsätze von morgen“, kommentiert Bernhard Meising, Co-CEO und Partner von Kekst CNC, die Umfrageergebnisse. „Unternehmen sollten diese Verantwortung nicht nur annehmen, sondern diese auch als Chance für eine positive und nachhaltige Kommunikation begreifen.“  

Trotz des überwiegenden Fokus auf die Eindämmung der gesundheitlichen Folgen machen sich die Arbeitnehmer hierzulande große Sorgen um mögliche Auswirkungen der Krise auf den eigenen Arbeitsplatz. Über ein Drittel der Deutschen befürchtet, dass ihr Arbeitgeber in der aktuellen Situation in eine finanzielle Schieflage geraten könnte. 18 Prozent der Befragten gehen davon aus, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und weitere 8 Prozent geben an, ihren Arbeitsplatz Aufgrund der Krise bereits verloren zu haben. 

Verunsicherung herrscht auch über die Ausgestaltung des Arbeitsalltags während der Krise. Während viele Arbeitnehmer zu neuen Arbeitsmustern übergehen, sagen 29 Prozent der Deutschen, dass sie aktuell nicht wissen, wie sie ihre Arbeit erledigen sollen, und geben an, sich dabei mehr Unterstützung durch ihre Unternehmen zu wünschen. 31 Prozent der Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten, sagen, dass ihre Produktivität während der Homeoffice-Phase gesunken sei.  

„Die Krise legt Schwächen von Unternehmenskulturen gnadenlos offen“, so Bernhard Meising. „Führungsmodelle werden neu definiert, das Mikromanagement ist am Ende, und die Eigenverantwortung der Mitarbeiter muss gestärkt werden. Nur intensive und transparente Kommunikation kann Ängste vor Pleiten und Arbeitsplatzverlust nehmen.“ 

Für die Zeit nach der Krise geht die deutsche Öffentlichkeit von einer langfristigen Veränderung des Konsumentenverhaltens aus. So sagt fast ein Viertel der befragten Deutschen, dass sie nach der Krise weniger ins Ausland verreisen (minus 23 Prozent), weniger mit dem Flugzeug fliegen (minus 28 Prozent), weniger öffentliche Veranstaltungen besuchen (minus 23 Prozent) und weniger in Restaurants gehen (minus 14 Prozent) werden. Auch bei Lieferdiensten wird mit minus 8 Prozent langfristig ein rücklaufender Trend erwartet. Freizeitaktivitäten an der frischen Luft verzeichnen mit plus 26 Prozent hingegen den größten Anstieg.  

Die repräsentative Umfrage wurde im Zeitraum vom 30. März bis 3. April 2020 unter jeweils 1.000 Erwachsenen in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den USA durchgeführt. Die maximale Abweichung der Stichprobenergebnisse von den realen Werten in der Grundgesamtheit (Fehlergrenze/ Margin of Error) beträgt +/- 3,3%. Das Auswahlverfahren erfolgte nach Quoten und Gewichtung von Geschlecht, Alter und Region in jedem Land.

Alle Ergebnisse gibt's hier.

Die prmagazin-Ausgabe 04/2020 – darin unter anderem:

"Wie ein Flugzeug, das nicht landen kann": Holger Wormer von der TU Dortmund über Medien und Kommunikation in der Corona-Krise.

Bilanzpressekonferenzen 2020: Ab März verlegten Unternehmen ihre Jahres-PKs reihenweise ins Netz. Eine Blaupause für die Zeit nach der Krise?

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen