Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

08.08.2017

im Heft

08/2017

Schlagworte

Interview

Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Verbands textil + mode.

textil + mode

"Das Imagethema treibt mich um"

Uwe Mazura ist Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie. Im Interview erklärt er, wieso die meisten Menschen die deutsche Textilbranche mit Billigfabriken in Asien assoziieren und weshalb kaum jemand weiß, dass die Industrie hierzulande längst vor allem technische Textilien herstellt.

prmagazin: Herr Mazura, im Juli ist der sogenannte „Bangladesh Accord“ verlängert worden, ausgehandelt unter Beteiligung Ihrer Branche. In Bangladesch gelten demnach ab 2018 noch strengere Arbeitsschutzregeln für Näherinnen. Das dürfte eine gute Nachricht für Sie sein, oder?

Uwe Mazura: Insgesamt läuft es in Sachen Arbeitsschutz in Entwicklungsländern deutlich besser als noch vor drei oder vier Jahren, und zwar weil sich tatsächlich etwas zum Besseren verändert hat. Ich behaupte, alle in Deutschland ansässigen Unternehmen, die sich mit Textilien beschäftigen, haben ein echtes und nachhaltiges Interesse daran, dass sich an der Lebens- und Arbeitssituation der Menschen in den Produktionsländern etwas verbessert. Es ist ja auch absurd zu unterstellen, sie hätten es nicht.

Warum haben Sie sich dann 2014 mit Händen und Füßen gegen das „Textilbündnis“ von Entwicklungsminister Gerd Müller gewehrt? Damit hätten Sie der Öffentlichkeit viel früher bewiesen, dass Sie etwas verbessern wollen.

Im ersten Aktionsplan 2014, bei dem wir uns enthalten haben, gab es drei, vier Punkte, die überhaupt nicht gingen. Zum Beispiel war vorgesehen, dass deutsche Unternehmen dafür haften, dass weltweit überall existenzsichernde Löhne gezahlt werden.

Was spricht dagegen?

Natürlich klingt das erst mal gut. Nur: Wir können schon in Deutschland generell keine existenzsichernden Löhne garantieren – hier stocken etliche Menschen mit Hartz IV auf. Wie sollen wir das dann in Südindien oder Vietnam garantieren? Rund 80 Prozent der hier ansässigen Bekleider machen weniger als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die können nicht jeden Lieferanten in Asien en Detail kontrollieren. Überhaupt herrscht in der Politik manchmal der Irrglaube, ein einzelnes Unternehmen könnte alle Probleme der Welt lösen, von Umweltschutz bis Arbeitsbedingungen – und gleichzeitig noch profitabel arbeiten.

Antje von Dewitz, Chefin des Outdoor-Herstellers Vaude, sagt, sie verdiene mit nachhaltiger Mode Geld. Oder kommuniziert sie das Thema nur besser?

Klar gibt es solche Beispiele. Das sind aber Unternehmen, die keine Massenware produzieren und die ihre Nischen gefunden haben oder im Premiumsegment angesiedelt sind.

Also ist der Konsument das Problem, der Pullis für 8,99 Euro haben will? Sicher keine Botschaft, mit der Sie sich positionieren wollen, oder?

Das ist in der Tat eine schwierige Debatte. Lassen Sie es mich so sagen: Viele Unternehmen versuchen so ähnlich zu produzieren wie Vaude, etwa mit sogenannter nachhaltiger, ökologischer Baumwolle, fairen Arbeitsbedingungen und Rückverfolgbarkeit. Das kostet dann entsprechend mehr. Und was passiert? Der Verbraucher nimmt es nicht oder kaum an.

Inzwischen ist der Verband textil + mode dem Textilbündnis beigetreten und macht auch Werbung dafür. Was hat sich geändert?

Wir haben wirtschaftsseitig zusammen mit der Zivilgesellschaft ein neues Bündnis geschmiedet. Dem sind fünf Monate sehr mühselige Verhandlungen vorausgegangen. Am Ende stand ein Aktionsplan, der sehr anspruchsvoll ist, den wir aber guten Gewissens empfehlen konnten.

Die beste Presse haben Sie immer noch nicht. Laut Kritikern ist das Textilbündnis quasi gescheitert, weil nur 50 Prozent des deutschen Markts dabei sind. Das Ziel für Ende 2018 waren 75 Prozent.

Ja, das ist eindeutig noch viel zu wenig. Aber wir haben allen Unternehmen empfohlen, sich an den von textil + mode entwickelten Code of Conduct zu halten, auch wenn sie nicht Mitglied des Textilbündnisses sind. Den Code gibt es in 15 Sprachen – auch in Chinesisch und Vietnamesisch –, weil die Unternehmen ihn ihren Zulieferern geben sollen. Dieser Service wird sehr gut angenommen.

Die Unternehmen geben das Regelwerk ihren Zulieferern und lassen es sich unterschreiben?

Ja, durchaus. Es soll aber kein Greenwashing sein, sondern Compliance. Ganz viele Lieferantenverträge haben inzwischen Bestandteile, die Unternehmen aus unserem Code of Conduct übernommen haben. Etwa zum Thema Auftragsweitervergabe.

Sie setzen also trotz des medialen Gegenwinds weiter voll auf Selbstverpflichtung?

Ganz richtig. Das ist ja auch erfolgreich. Beispiel Umweltschutz: Die Initiative ZDHC (Zero Diacharge of Hazardous Chemicals) arbeitet seit Jahren daran, problematische Chemikalien in der textilen Kette zu vermeiden und zu ersetzen. Der weit überwiegende Teil der Bekleidungshersteller hält sich an die dort erarbeiteten Empfehlungen – und das nicht zuletzt, weil die Verbände die ZDHC-MRSL als Grundlage für das Textilbündnis genommen haben.

Renate Künast von den Grünen hat gerade erst in einem Interview gesagt, dass in asiatischen Textilfabriken immer noch „horrende Zustände“ herrschen und Selbstverpflichtung nicht funktioniert.

Ach ja, es ist eben auch Wahlkampf (...)

Das komplette Interview lesen Sie in der August-Ausgabe des prmagazins.
Zum E-Paper.

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