Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

07.11.2017

im Heft

11/2017

Schlagworte

Hintergrund

Karin Schlautmann orchestriert die Kommunikation im Bertelsmann-Reich.

Bertelsmann

Die Choreografin

Karin Schlautmann leitet seit gut sechs Jahren die Kommunikation von Bertelsmann. Die frühere Society-Journalistin, der ein enges Verhältnis zu Firmenmatriarchin Liz Mohn nachgesagt wird, tut das auf ihre sehr eigene Art – und kommt offenbar gut zurecht. Aktuell versucht sie, den Konzern aus der ostwestfälischen Provinz als besonders digital, innovativ und international zu positionieren.

Die Geschichte von der Chinesischen Mauer erzählen Bertelsmann-Kommunikatoren gern. Zuerst höre ich sie von Konzernsprecher Andreas Grafemeyer, der mich zwei Tage vor dem Treffen mit Karin Schlautmann in einem langen Telefonat auf das Gespräch einschwören will. Dann höre ich sie noch mal von seiner Chefin – beim Interview in der noblen Konzernrepräsentanz Unter den Linden 1 in Berlin-Mitte.

Sie geht so: 2012 war Bertelsmann dabei, seine internationalen Verlagsgeschäfte Random House mit dem Verlag Penguin des britischen Unternehmens Pearson zu verschmelzen. Die Verhandlungs-Teams in New York, London und Gütersloh informierten den Vorstand, dass der Deal ausverhandelt sei. Weil Pearson als börsennotiertes Unternehmen Ad-hoc-Pflichten unterliegt, entstand plötzlich neuer Handlungsdruck. Zudem gab es ein Leck, die Financial Times berichtete vorab über die Pläne.

Doch so gut wie alle Führungskräfte machten gerade einen Ausflug auf die große Mauer – Anlass: das jährliche „China Meeting“ für alle Bertelsmann-Entscheider. „Jeder guckte auf einmal ständig auf sein Handy“, erzählt Schlautmann amüsiert. Man habe sich dann „über alle Zeitzonen hinweg“ mit der Transaktion und Kommunikation befasst. Sie illustriert damit, wie international Bertelsmann aufgestellt ist. Beobachter erkennen darin eine typische Strategie der Gütersloher: „Die bauen sich gern Leitmotive und stricken an Legenden, die ein bestimmtes Bild transportieren sollen“, sagt ein Wirtschaftsjournalist, der den Konzern seit Langem begleitet.

Wer Schlautmann kennt, sagt ihr ein besonderes Gespür für Storytelling nach. Die Kommunikationschefin ist bei Boulevard- und Society-Medien groß geworden, bevor man sie 2007 überraschend zur Chefsprecherin der mächtigen Bertelsmann-Stiftung berief. Inhaltlich sei das ein Riesenschritt für sie gewesen, sagt sie, und scherzt: „sozusagen von George Clooney zur frühkindlichen Bildung“.

Manch ein Beobachter wertete die Personalentscheidung als typisch Bertelsmannschen Klüngel. Das manager magazin hält die Ex-Journalistin für eine der „engsten Vertrauten“ von Liz Mohn. Fakt ist: Schlautmann hat die Witwe des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn in ihrer Zeit als Chefredakteurin regelmäßig auf Bertelsmann-Partys und Rosenbällen zugunsten der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe getroffen.

Noch kurz vor ihrem Wechsel zur Stiftung führte sie in Gütersloh ein Interview mit Mohn und verfasste anschließend für die Zeitschrift Frau im Spiegel ein Porträt über sie. Ob sie wirklich mit Mohn befreundet ist, dazu schweigt sie sich aus. „Ich schätze Frau Mohn persönlich sehr“, erklärt Schlautmann. „Insbesondere ihr großes gesellschaftliches Engagement. Und ich freue mich, dass mein Team und ich sie dabei unterstützen können.“

Dass Schlautmann auf den Bertelsmann-Posten rückte, hätte auch ohne Freundschaft eine Logik. „In der Stiftung wie im Konzern hat Liz Mohn das letzte Wort“, sagt Thomas Schuler, Autor mehrerer Bücher über Bertelsmann. „Für Liz Mohn ist offensichtlich wichtig, wie sie von Magazinen wie Gala, Bunte oder Frau im Spiegel wahrgenommen wird. Sie wollte vermutlich jemanden, der sich da auskennt und über gute Kontakte dorthin verfügt.“

Dass die beiden Frauen auf Veranstaltungen eng und vertraut miteinander umgehen, hat nach Schlautmanns Worten einfach damit zu tun, dass Liz Mohn als Aufsichtsratsmitglied und Gesellschafterin eine bedeutende Repräsentantin des Hauses Bertelsmann ist: „Bei den wichtigen Red-Carpet-Events sind Liz Mohn und CEO Thomas Rabe auch gemeinsam Gastgeber.“

Offenbar bewährte sich die 52-Jährige bei der Stiftung. Als 2011 klar war, dass Hartmut Ostrowski als CEO von Thomas Rabe abgelöst werden würde, ging auch Kommunikationschef Thorsten Strauß. Schlautmann wurde seine Nachfolgerin. Gut sechs Jahre später dirigiert sie ein mehr als 40 Mitarbeiter großes, internationales Team – und hat einen tiefgreifenden Konzernumbau hinter sich.

Schlautmann findet, es sei „immer ein Geschenk, wenn man seinen beruflichen Horizont erweitern kann. Ich durfte ganz viele Dinge neu lernen“. Als Chefredakteurin eines der auflagenstärksten Titel von Gruner + Jahr habe sie zuvor vielfältige Management-Erfahrung sammeln können. Und: Vier Jahre als Leiterin der strategischen Kommunikation der Stiftung hätten sie bestens auf die Aufgabe im Konzern vorbereitet.

Statt lauter neue Leute in ihr Team zu holen, verließ sie sich ganz pragmatisch auf die erfahrenen Kollegen. Markus Harbaum etwa leitet weiter die interne Kommunikation, Katrin Gaertner das Public-Affairs-Büro in Berlin, Helen Müller die Abteilung Corporate History. Pressechef Andreas Grafemeyer, gelernter Finanz- und Wirtschaftsjournalist, kümmert sich bis heute um die operative Kommunikation. „Er macht das sehr professionell“, findet der frühere Handelsblatt-Chefredakteur und Bertelsmann-Kenner Hans-Jürgen Jakobs. „Bei Journalisten ist er hochgeschätzt.“

Wichtiger war Schlautmann, die Mannschaft für die neue Strategie zu begeistern. Thomas Rabe will Bertelsmann internationaler, digitaler und wachstumsstärker ausrichten. (...)

Dieser Text ist ein Auszug aus unserer November-Titelgeschichte. 

Ausgabe kaufen oder Abo/Probeabo abschließen

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.