Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

08.08.2017

im Heft

08/2017

Schlagworte

Hintergrund

„Überlegt, sachorientiert, zugewandt“: Journalisten arbeiten gern mit BASF-Kommunikationschefin Anke Schmidt zusammen.

BASF

Formel "Ratio"

Anke Schmidt ist ein BASF-Gewächs. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet sie für den Chemiekonzern, vor einem Jahr wurde sie Kommunikationschefin. Wie bei BASF üblich, agiert Schmidt extrem besonnen und sachlich. In der modernen Social-Media-Welt stößt sie damit bisweilen an Grenzen. Jetzt will sie behutsam nachsteuern – und zieht damit auch die Konsequenzen aus dem schweren Unfall im Ludwigshafener Stammwerk, bei dem im Herbst 2016 vier Menschen starben.

Am 17. Oktober 2016 gegen 11:20 Uhr schneidet ein Arbeiter im BASF-Werk Ludwigshafen in die falsche Rohrleitung. Nicht in das abgestellte, leere Rohr, das er reparieren soll, sondern in das daneben, das mit sogenanntem Raffinade gefüllt ist – so der Stand der Ermittlungen. Die Leitung fängt Feuer, es kommt zu einer gewaltigen Explosion im Herzen des größten Produktionsstandorts von BASF, in einer Rohrleitungstrasse.

Als alles hochgeht, fliegt gerade ein Hobby-Pilot mit seinem Sportflugzeug über das Werk. Er filmt die schwarze Rauchsäule, die meterhohen Flammen. Tagelang übernehmen Redaktionen seine Bilder. Anke Schmidt ist zu diesem Zeitpunkt gerade in Frankfurt beim Verband der Chemischen Industrie (VCI). Sie ist damals erst seit gut drei Monaten Kommunikationschefin von BASF und will sich vorstellen. Nach zehn Minuten kommt der Anruf. Schmidt fährt sofort zurück nach Ludwigshafen.  

An diesem Unfall im Stammwerk, bei dem vier Menschen sterben und 29 verletzt werden, lässt sich vieles ablesen, das Anke Schmidts Job ausmacht – und manches, was sie langfristig ändern will. Die Krisenkommunikation bewältigt Schmidt nach übereinstimmendem Urteil von Journalisten gut. Sofort greifen eingeübte Notfallpläne, die Standortkommunikatoren richten ein Bürgertelefon ein, informieren via Twitter und Facebook über Neuigkeiten.

Um die interne und externe Öffentlichkeit rund um die Uhr auf dem Laufenden zu halten, bekommen sie Unterstützung von Kollegen aus anderen Regionen. Nach 25 Minuten ist die erste Pressemitteilung draußen. Werksleiter Uwe Liebelt und Standortleiterin Margret Suckale beantworten Fragen von Journalisten.

Das Drehbuch scheint perfekt zu funktionieren  – und doch laufen Schmidt und ihre Kollegen den Geschehnissen auch immer wieder ein Stück weit hinterher. Während sie sich noch einen Überblick verschaffen und Fakten sammeln, sehen Mitarbeiter und Anwohner die spektakulären Bilder der Explosion in sozialen Medien. Spekulationen schießen ins Kraut, Fragen bleiben unbeantwortet. Viele werden es BASF-Chef Kurt Bock zudem später als Kaltschnäuzigkeit auslegen, dass er sich erst einmal nicht öffentlich äußert.

Ein Dreivierteljahr später hat Anke Schmidt die BASF-Kommunikation an einigen Stellen umgebaut, und wenn sie davon erzählt, nimmt sie immer wieder Bezug auf den Unfall vom 17. Oktober. Mitarbeiter sollen Beobachtern zufolge geklagt haben, sie seien zu spät informiert worden. Schmidt arbeitet mit ihren Kollegen nun an neuen Konzepten, um die Belegschaft in Krisen schneller zu erreichen. 

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Ausschnitt aus der August-Titelgeschichte des prmagazins. Zum E-Paper.

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