Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

13.10.2017

Schlagworte

Meldungen

„Die beste Kommunikationswirkung erzielt man, wenn man dort ansetzt, wo Geschäftsentscheidungen gefällt werden“: Herbert Heitmann will boldT an der Schnittstelle von Geschäfts- und Kommunikationsberatung positionieren.

boldT

Herbert Heitmann ist zurück

Seinen Schreibtisch bei Bayer räumte er Ende April 2016, jetzt gründet Herbert Heitmann mit zwei Partnern die europäische Kommunikationsberatung boldT. Sie treten an, um einen neuen Typ von Beratungsfirma zu schaffen.

Der ehemalige Bayer-Kommunikationschef Herbert Heitmann meldet sich als Gründer zurück. Zusammen mit zwei Partnern, mit denen er in früheren Stationen mehrfach eng zusammengearbeitet hat, geht er mit der Beratungsfirma boldT an den Start: Jeremy Galbraith als Managing Partner und Michiel van Hulten als Gründungspartner. Heitmann selbst fungiert als Vorsitzender.

Der Brite Jeremy Galbraith war in den vergangenen zehn Jahren CEO für Europa, den Mittleren Osten und Afrika beim Agenturnetzwerk Burson-Marsteller in Brüssel und bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Beratung hochrangiger Entscheider in Politik und Wirtschaft mit.

Michiel van Hulten wird die Politik- und Regierungsberatung leiten. Er war unter anderem Mitglied des Europäischen Parlaments und Generalsekretär der Niederländischen Partei der Arbeit. Heute betreibt er eine Kommunikationsberatung in Brüssel, die zunächst auch als rechtliche Hülle für boldT dient. Die künftige Rechtsform der neuen Firma steht noch nicht fest.

Gleiches gilt für den Hauptsitz. Die Agentur wird zu Beginn Büros in Brüssel und Köln haben. Anfang 2018 wollen die Gründer den Partnerkreis ausbauen. Damit sollen weitere Standorte und Mitarbeiter in Europa dazukommen. Die Gespräche mit potenziellen Partnern und weiteren Investoren laufen noch. Die Website www.boldt.partners wurde am 13. Oktober freigeschaltet.

Mit boldT wollen Heitmann und seine Partner nicht weniger als einen neuen Typ von europäischer Beratungsfirma schaffen. Sie sehen sich weder als Konkurrenten für PR-Agenturen wie Burson-Marsteller noch für Kommunikationsberatungen vom Typ Brunswick. „Die beste Kommunikationswirkung erzielt man, wenn man dort ansetzt, wo Geschäftsentscheidungen gefällt werden“, sagte Heitmann dem prmagazin. „Große Unternehmensberatungen wie McKinsey, Boston Consulting und Bain haben alle Zugang zum Vorstand.“

Analog dazu wollen will boldT seine Dienste an der Schnittstelle von Geschäfts- und Kommunikationsberatung anbieten. Die großen Unternehmensberatungen stünden darüber hinaus für unterschiedliche Beratungsmethoden, so Heitmann: „Ihre Ansätze sind gereift. In der Kommunikationsberatung fehlt das bisher. Dort hängt es primär von der Person des Beraters ab, seinem Hintergrund und seiner Erfahrung, welche Methode er oder sie verfolgt.“

Heitmann und seine Partner wollen eine einheitliche Methodik entwickeln, mit der auch jeder neue Partner und Mitarbeiter an Kundenprobleme herangehen soll. Beschreiben lässt sie sich mit dem Ziel, Firmenstrategie, Markenversprechen und Reputation in Einklang zu bringen. „Es geht um Glaubwürdigkeit“, so Heitmann. „Wir fragen deshalb: Deckt sich die Geschäftsstrategie mit dem, was die Unternehmens-, Produkt- oder Personenmarke verspricht, und mit dem, was die Stakeholder erfahren? Wenn man das schon in der Konzeptionsphase der Geschäftsstrategie abstimmt, sind das 80 Prozent der Miete. Der Rest ist Abwicklung.“ Umgekehrt seien Abweichungen der Nährboden für schlechte Reputation und schlimmstenfalls für Krisen.

Startkunden hat boldT noch nicht, mit Ausnahme der Klienten, die Michiel van Hulten aus seiner bisherigen Beratungstätigkeit einbringt. Die Partner haben sich keine konkreten Umsatzziele gesetzt, sondern wollen mit den Kunden wachsen.

Dass Heitmann als Gründer auf die Bildfläche zurückkehrt, ist eine Überraschung. Nach zwölf Jahren als Kommunikationschef beim Software-Konzern SAP, dann beim Energieriesen Shell in Den Haag und zuletzt beim Pharmakonzern Bayer sahen ihn viele eher wieder an der Kommunikationsspitze eines großen, internationalen Unternehmens. Rund um seinen Abschied bei Bayer galt der 55-Jährige als heißer Kandidat für die Nachfolge von Siemens-Kommunikationschef Stephan Heimbach.

Auf die Frage, ob er keinen Unternehmensjob mehr wollte oder ob es schlicht kein passendes Angebot gab, sagte Heitmann: „Es war eine Mischung. Nach drei tollen Firmen, in denen ich gute Erfahrungen gemacht habe, lag meine persönliche Messlatte hoch. Solche Positionen liegen nicht auf der Straße. Auch das Verhältnis zum CEO muss passen. Außerdem hatte ich Lust, etwas Neues zu machen, und mir ist klar geworden, dass das nächste Unternehmen zwangsläufig in vielen Bereichen eine Wiederholung wäre.“

Für Heitmann ist es nicht der erste Seitenwechsel. Bevor er seine Unternehmenskarriere begann, arbeitete der Verfahrenstechniker als Ingenieur bei Procter & Gamble, danach im Kernforschungszentrum Jülich und als Berater im Bundestag und im Bundesforschungsministerium.

Seine Auszeit nutzte der sechsfache Familienvater, der vor sechs Monaten noch einmal Nachwuchs bekommen hat, unter anderem, um seine Nachfolge als Präsident der European Association of Communication Directors (EACD) vorzubereiten. Den Kommunikationsverband hatte Heitmann 2006 gegründet. Zudem hat der Hobby-Gleitschirmflieger begonnen, den Motorflugschein zu machen – auf dem Flugplatz eines früheren Bayer-Luftsportvereins in Zehn-Minuten-Distanz zu seinem Wohnort in Leverkusen. 

Das prmagazin abonnieren, Probeabo abschließen oder Einzelhefte kaufen

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.