Detailinformationen

Autor

Klaus Weise

Geschäftsführer Serviceplan Public Relations & Content

verfasst am

28.11.2017

Schlagworte

Kommentar

Klaus Weise

Gastkommentar

Im Helene-Rausch

Deutschlands Sauberfrau Helene Fischer serviert homöopathische Promille-Skandälchen – und zeigt so, wie gute PR mit wenig Aufwand funktioniert, schreibt Klaus Weise, Geschäftsführer von Serviceplan Public Relations & Content.

Kürzlich erwachte ich schweißnass aus einen Traum. Ich hatte auf einer Ü-30-Party mit einer Polizistin in Uniform Discofox zu „Atemlos“ von Helene Fischer getanzt. Das war ein echter Alptraum. Zu Helene Fischer zu tanzen, schließe ich für mich komplett aus – selbst nach ausgiebigem Alkoholgenuss.

Damit wären wir beim Thema Helene Fischer und der Alkohol. Das Thema bewegt die Massenmedien. Vor Kurzem trank die blonde Sängerin in einem goldenen Minikleid unter dem tosenden Applaus von 15.000 Fans auf der Bühne eine Maß Bier auf ex – innerhalb von weniger als 30 Sekunden. Eine bemerkenswerte Performance für die 1,58 Meter kleine Künstlerin, die – wenn man der einschlägigen Fachpresse glaubt – gerade mal 50 Kilo wiegt.

Laut Alkoholrechner.de hatte die Künstlerin damit einen Alkoholpegel von 1,1 Promille mit Folgen wie Verwirrtheit, Sprachstörungen, gesteigerter Enthemmung und maßloser Selbstüberschätzung. Laut Augen- und Ohrenzeugen aber setzte Helene Fischer das Konzert nach einer kurzen Umziehpause unverändert fort.

Kurz darauf postete die Schlagersängerin auf ihrem Instagram-Account ein Foto von ihrem Frühstückstisch – Bierflasche inklusive. Ihr Kommentar: „Frühstück, die wichtigste Mahlzeit des Tages“. Hat die Sängerin etwa ein Alkoholproblem? Schließlich ist sie in Sibirien geboren. Eine Gegend, in der man einen anderen Umgang mit Alkohol pflegt und Bier – ohne zugesetzten Wodka – eher als rausgeschmissenes Geld versteht, nicht als potenzielles Suchtmittel.

Eine andere Interpretation erklärt Helene Fischers Hang zum Bier mit einem möglicherweise angestrebten Imagewandel. Wenn das so einfach wäre mit dem Image. Denn wer sich wie Helene Fischer die Krone der Volksmusik verleihen lässt, am Schlagermarathon teilnimmt und für das ZDF „Die Biene Maja“ neu einsingt – dessen Image ist mit ein paar öffentlichen Bierchen nicht korrigiert.

Der wahre Grund für den demonstrativen Durst der gelernten Musical-Darstellerin ist ein anderer: Sie möchte Schlagzeilen machen. Und das gelang ihr mit minimalem Aufwand spektakulär gut. Bild, Bunte, stern, die regionalen Tageszeitungen und die Morning-Shows der Radiostationen: Alle griffen die Steilvorlage der Blondine dankbar auf. Comedian

Luke gab auf Sat.1 zum Besten, Helene saufe sich ihre Musik schön, und sammelte damit allein auf YouTube beinahe eine Million Views. Die Süddeutsche lästerte, zuerst versaue Helene Fischer die Jugend mit ihrer Musik, dann fördere sie noch den Alkoholmissbrauch. Das blaue Kreuz mahnte, die Satiriker vom Postillion reagierten und produzierten gewohnt schnell eine aktualisierte Version von Helenes größtem Hit – mit integrierten Rülpsern.

Man kann Helene Fischers PR-Aktion trashig finden. Ich finde sie großartig. In einer alkoholintensiven Branche – der Durst von Schlagergrößen wie Rex Gildo, Roy Black oder Tony Marshall gilt als legendär – schafft die Sauberfrau mit einer Maß vermutlich alkoholfreiem Bier maximale Aufmerksamkeit. Denn sie hat die Reflexe der Medien perfekt bedient. Sie hat (ein klein wenig) provoziert, sie hat Spielraum für Spekulation gelassen, medientaugliche Bilder produziert und die Social-Media-Kanäle perfekt bespielt. Das ist eine Meisterleistung, die zu überbieten schwierig ist.

Deshalb lade ich jeden ein, der eine Idee hat, wie man für einen Prominenten, über den alles gesagt und geschrieben ist, mit noch weniger Aufwand so viel Publizität produziert. Auf eine Maß Bier oder gern auch eine gute Flasche Rotwein – aber bitte nicht auf ex. 

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