Detailinformationen

Autor

Daniel Neuen

Redakteur

verfasst am

12.10.2012

im Heft

10/2012

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Allianz / Munich Re

Krisenversicherung

Die Allianz und die Munich Re haben Reputation als Vermögenswert erkannt und bieten deshalb Versicherungen für Kommunikationskrisen an. Die Produkte sind völlig unterschiedlich.

Joachim Albers, Allianz

Der Münchner Rückversicherer deckt Gewinneinbußen von bis zu 50 Millionen Euro ab, in einzelnen Fällen auch bis zu 150 Millionen Euro, die bei schweren Reputationskrisen beispielsweise nach Rückrufen, Verunreinigungen von Produkten, Datenpannen oder Fehlverhalten entstehen. Dabei werden nach einem definierten Umsatzeinbruch Reputationsschäden durch eine eigens entwickelte repräsentative Umfrage bei Kunden und potenziellen Kunden ermittelt, sagte Munich-Re-Sprecher Michael Able. Die Assekuranz richtet sich mit ihrer Police an große Unternehmen, etwa aus der Lebensmittel- und Touristikbranche.

Ein anderes Modell verfolgt die Allianz. Sie versichert die Ausgaben für die Unterstützung durch PR-Agenturen und Kommunikationsmaßnahmen. „Es ist schwierig, Reputationsschäden und deren geschäftliche Auswirkungen genau zu messen“, sagte Joachim Albers, Leiter Produktentwicklung Financial Lines bei der Industrieversicherungssparte der Allianz. „Zudem ist es besser, bei Krisen den Imageschaden gar nicht erst entstehen zulassen beziehungsweise ihn möglichst gering zu halten.“

Dafür sollen die Agenturen Brunswick, CNC und Hill +Knowlton (H+K) sorgen. Sie stehen als feste Partner im Krisenfall bereit. Die Auswahlmöglichkeit soll verhindern, dass Kundenkonflikte und Kapazitätsengpässe einem schnellen Eingreifen der Dienstleister im Weg stehen. Die Beratungen wurden in einem Pitch ausgesucht und haben sich Albers zufolge wegen ihrer internationalen Reichweite und Kompetenz durchgesetzt. Zudem analysiert der Auswerter Media Tenor bei Vertragsabschluss die Imagesituation des Kunden. Es soll aber auch möglich sein, auf speziellen Wunsch des Versicherungsnehmers dessen bevorzugte Agenturen mit in die Police aufzunehmen.

Diese greift automatisch, wenn ein durch eine andere Versicherung abgedecktes Ereignis wie eine Explosion, ein Unfall oder ein Umweltschaden eintritt. Die maximale Deckungssumme liegt bei zehn Millionen Euro. Die Police kostet jährlich einen fünfstelligen Betrag, abhängig von der Branche, dem Risiko sowie der Vorbereitung auf potenzielle Krisen. Die Dienstleister erhoffen sich von der Zusammenarbeit neue Kunden und eine bessere Auslastung ihrer Krisenprofis. Die Allianz richtet sich an Unternehmen, die keine große PR-Abteilung haben. „Darauf hat der Markt gewartet, das Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen von Reputationsschäden steigt“, erkärte Ernst Primosch, Deutschland-Chef von Hill + Knowlton. Sein Kollege Thomas Knipp von Brunswick sagte: „Häufig scheuen Mittelständler die Ausgaben für eine professionelle Krisenprävention. Für solche Unternehmen könnte das Produkt eine Alternative sein.“

Ob sich die Versicherungen für die Anbieter und die beteiligten Partner lohnen, muss sich zeigen. Die Munich Re bietet ihr Modell seit Sommer 2012 an, die Allianz seit diesem Monat. Sie folgen damit internationalen Wettbewerbern, die ähnliche Produkte im vergangenen Jahr entwickelt haben.

 

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