Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

06.08.2019

im Heft

08/2019

Schlagworte

Litigation-PR, Holger Thorsten Schubart, Blog, Neutrinos

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Ausgabe 08/2019

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Litigation-PR

Der Mann mit den zwei Geschichten


Neutrino-Entdecker Holger Thorsten Schubart hat sich für eine reine Online-Strategie entschieden – viele Jahre nach seinem Prozess.


Holger Thorsten Schubart saß mehrere Jahre wegen Betrugs im Gefängnis. Ein Blog versucht den „Neutrino-Entdecker“ nun reinzuwaschen – und stellt alles als großes Missverständnis dar. Was steckt dahinter?

Wer etwas über den umstrittenen Unternehmer Holger Thorsten Schubart erfahren will, der stößt im Internet auf knapp 38.000 Google-Treffer, zahlreiche illustre Fotos – und auf zwei sehr unterschiedliche Geschichten.

Die erste ist die von einem Paradiesvogel, von einem schillernden Geschäftsmann, der sich mühelos auf dem Berliner Parkett bewegte und sich gern im Kreise höchster Prominenz zeigte. In dieser Geschichte ist Holger Thorsten Schubart ein Visionär, der es geschafft hat, eine vermeintlich unerschöpflich zur Verfügung stehende Energiequelle zu erschließen: die Neutrinos. Doch dann kam der Fall: Schubart wird aufgrund „eines Missverständnisses“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und verliert alles, was er hat, obwohl er völlig unschuldig ist. 

Die zweite Geschichte ist die von Holger Thorsten Schubart als verurteiltem Verbrecher. Von einem Mann, der bis heute mit einem Produkt wirbt, das physikalisch höchst umstritten ist. Der wegen besonders schweren Betrugs zu einer sechsjährigen Haftstrafe verdonnert wurde. Beide Story stehen nebeneinander. Diejenige, die Schubart als Betrüger zeichnet, basiert auf Berichten in seriösen Medien. Die Geschichte vom unschuldig verurteilten Justiz opfer findet sich in einem Blog, das sich „Der Neutrino-Krimi“ nennt. Es soll Schubart offenbar reinwaschen. Was steckt dahinter? 

Es ist nicht ungewöhnlich, dass gefallene Unternehmer versuchen, ihr öffentliches Bild zu korrigieren. In der Regel greifen PR-Strategien schon viel früher. Bei juristischen Auseinandersetzungen wird meist schon während des Prozesses versucht, „einer interessierten Öffentlichkeit die eigene Sicht der Dinge aufzuzeigen. Sie droht sonst unterzugehen“, sagt Thomas Klindt, Rechtsanwalt und Head of Legal Crisis Communication bei der Kanzlei Noerr LLP. „Es geht darum, der Öffentlichkeit eine große Erzählung zu präsentieren, die weit über den eigentlichen Prozessfall hinausgeht und diesen nur einbettet“, so der Litigation-PR-Experte.

In den Fällen Jörg Kachelmann und Cornelius Gurlitt sei das nachhaltig gelungen. Man etablierte eine Gegenerzählung zu den Vorwürfen, die im Raum standen. „Für eine solche Gegenerzählung braucht man zwei Dinge: eine konsequente Story und eine dezidierte Haltung“, erläutert Klindt. Unternehmer wie Thomas Middelhoff oder der Versicherungsbetrüger Mehmet Göker haben dicke Bücher geschrieben, um dieser Erzählung viel Platz einräumen zu können.

Neutrino-Entdecker Schubart hat sich dagegen für eine reine Online-Strategie entschieden – und zwar viele Jahre nach seinem eigentlichen Prozess. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der August-Ausgabe des prmagazins, wie diese Strategie aussieht und wer dafür verantwortlich ist.

Die prmagazin-Ausgabe 08/2019 – darin unter anderem:

Die Grenzenlose: Kristina Faßler leitet bei WeltN24 Kommunikation, Marketing und Sales aus einer Hand. Und ist zudem Sendersprecherin.

"Sehr bewegte Lage": Vodafone-Kommunikationschef Alexander Leinhos über die PR-Schlacht rund um die 5G-Lizenzversteigerung.

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