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verfasst am

25.11.2015

Nachruf

Politisch, loyal und sozial engagiert – Die PR-Branche trauert um Manfred Harnischfeger

Manfred Harnischfeger, der sich zuletzt große Anerkennung als Kommunikationsleiter der Deutschen Post verdient hatte, ist Sonntag, den 22.11.2015 nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben.

Manfred Harnischfeger (links) wurde im Jahr 2008 als "PR-Manager des Jahres" ausgezeichnet.

Als „Political Animal“ war er während der Laudatio auf ihn im Rahmen seiner Auszeichnung als PR-Manager des Jahres bezeichnet worden. Zwar kommt Harnischfeger ursprünglich aus dem Journalismus: In Fulda ließ sich der 1944 im hessischen Lorsch geborene Harnischfeger Anfang der 1960er Jahre bei der Fuldaer Zeitung journalistisch ausbilden. 1968 ging er dann in die Politik und verdiente sich als Pressereferent der CDU-Landesgschäftsstelle in Frankfurt erste Sporen in der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Bald wurde er Pressesprecher der CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden. 1972 dann wechselte Harnischfeger in die Wirtschaft zu Bertelsmann. Sein moralisch-ethischer Kompass blieb ihm auch hier erhalten. Sein Engagement „für eine Gesellschaft, die Heimat bietet“, bedeutete auch, dass er sich gegen Ausländerfeindlichkeit und für Bildung einsetzte. 1974 übernahm Harnischfeger die Gesamtleitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Bertelsmann. Seinen Fokus legte er über die regionale Kommunikation hinaus auf den Ausbau der bundes-, europa- und weltweiten Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns. So zeichnete er sich unter anderem mitverantwortlich für die Gründung der Bertelsmann Stiftung 1977, die Gründung des Brüsseler Verbindungsbüros und den Wiederaufbau der Berliner Repräsentanz des Unternehmens.


Ohne Manfred Harnischfeger ist die Reifung unserer Disziplin von der Öffentlichkeitsarbeit zum systematischen Kommunikationsmanagement nicht denkbar. Er hat über mehr als drei Jahrzehnte den Reputationsaufbau zweier Weltunternehmen gezielt vorangetrieben und diente dabei insgesamt sieben Vorstandsvorsitzenden, die er - eine einzigartige Leistung - regelmäßig im Amt überdauert hat, bevor er sich 2009 bewusst für den Un-Ruhestand entschieden hat. Als PR-Zehnkämpfer in allen Feldern der Praxis zu Hause, hat er regelmäßig auch Impulse für die Aus- und Weiterbildung gesetzt und die Erforschung der wissenschaftlichen Grundlagen der Kommunikationsarbeit unterstützt. Viele Kollegen, die heute in verantwortlichen Positionen wirken, verdanken seiner Inspiration und Begleitung wesentliche Impulse für ihren Werdegang - so auch der Autor dieser Zeilen. Manfred Harnischfeger war ein Gigant der Kommunikationsbranche - als Fachmann, als Denker, als Mensch. Sein früher Tod nach schwerer Krankheit schmerzt unendlich.

Christof Ehrhart kannte Manfred Harnischfeger aus gemeinsamen beruflichen Zeiten.

Mitte der 80er Jahre war er darüber hinaus als Geschäftsführer der Ufa Film- und Fernseh GmbH tätig, der für die Film-, Radio- und Fernsehinteressen von Bertelsmann zuständigen Holding. Somit gilt Harnischfeger heute als einer der Mitbegründer des privatwirtschaftlichen Rundfunks. Bei Bertelsmann erlebte er in direkter Zuordnung zahlreiche Vorstandsvorsitzende, die ihm ihr Vertrauen entgegenbrachten. Reinhard Mohn holte ihn mit 27 ins Unternehmen und beförderte ihn zwei Jahre später zum Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Es folgten Manfred Fischer, Mark Wössner und zuletzt Thomas Middelhoff.


„Ich bin sehr traurig. Manfred hat auch mir viel für unser Handwerk beigebracht. Ich bin ihm dafür unendlich dankbar. Er wird für mich immer Mr. PR bleiben. Ein sehr großer Verlust für eine Branche, die sich immer mehr selbst sucht.“

Thorsten Strauß war Harnischfegers Weggefährte.


2002 wechselte er dann nach drei Jahrzehnten bei Bertelsmann als Verantwortlicher der globalen Kommunikation zum Konzern Deutsche Post World Net, wo er sich sogleich in einer anspruchsvollen Situation vorfand. Zuerst waren da die Post-Konkurrenten, die im Vorfeld der Aufhebung des Briefmonopols heftige Angriffe gegen den ehemaligen Monopolisten starteten, denen Harnischfeger sich aber mit seiner strategischen und unaufgeregten Kommunikationspolitik zu erwehren wusste. 2007 stolperte dann der Post-Chef Klaus Zumwinkel, der ihn ins Boot geholt hatte, über eine Steueraffäre und musste Frank Appel Platz machen, Manfred Harnischfeger blieb aber PR-Chef. Man schätzte seine Kompetenz und Loyalität gegenüber dem Konzern und der Person Appels.

Das kam nicht nur dem Konzern und Appel zugute. Zwar ist es nicht zuletzt Harnischfegers Arbeit zuzuschreiben, dass Appel seine Arbeit reibungslos aufnehmen konnte, auch wurde Harnischfeger im Jahr 2007 für seine glanzvolle Rolle während der Affäre „Zumwinkel“ vom prmagazin als PR-Manager des Jahres ausgezeichnet. Ins Felde geführt wurden bei der Begründung sein Engagement für den Nachwuchs der Branche, die Weiterentwicklung des Berufsstands und natürlich nicht zuletzt die hervorragende Arbeit, die ihm dies und jenseits der Branche viel Anerkennung eingebracht hat.

„Manfred Harnischfeger war ein Mann klarer Worte, er bezog Position und besaß große Disziplin. Wenn er unbequeme Fragen stellte, entsprach dies dem hohen Anspruch an sich und an seinen Gegenüber. Kommunikation hat er als strategische Managementfunktion betrachtet, integriert über verschiedene Disziplinen. Er forderte Menschen und förderte eine ganze Generation junger PR-Manager. Viele von ihnen, aus der sogenannten "Harnischfeger-Schule", verantworten heute in großen Unternehmen erfolgreich die Kommunikation. Er war zu Recht stolz darauf und hatte Freude, Talente entdeckt zu haben, die auch anderswo ihren Weg gingen. Ich habe nicht für Manfred Harnischfeger gearbeitet, aber er hat meinen beruflichen Weg seit Mitte der 90er Jahre begleitet. Daraus wurde erst viel später eine Freundschaft. Ich erlebte dann neben der beruflicher Professionalität auch den gläubigen Christen Manfred Harnischfeger, seine Liebe zur Musik - einen durch und durch feinen Menschen. Danke, Manfred, Für Deine Begleitung. Du warst mir wie vielen von uns ein  wichtiger Ratgeber und Mentor.“

Thomas Ellerbeck wurde ein Jahr nach Harnischfeger zum "PR-Manager des Jahres" ausgezeichnet.

Über seine aktive Rolle in der PR-Arbeit hinaus lernten ihn viele als freien Publizisten und langjährigen Professor am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennen.

Nachdem er 2009 in den Ruhestand gegangen war, blieb Harnischfeger seiner Wahlheimat Bonn weiterhin verbunden, wurde etwa 2010 kommissarischer Direktor des Beethovenhauses.

Aktuelle Kommentare

03.12.2015 11:32

Gerd Koslowski

Manfred Harnischfeger war eine Persönlichkeit, die angezogen, aber auch polarisiert hat. Als Chef war er streng, in Teilen konnte er pedantisch sein, manches Mal auch laut. Und dann war er wieder ein warmherziger und äußerst charmanter Mensch mit klarem Wertekanon. Je älter er wurde oder je länger man ihn kannte, desto mehr trat dieser Mensch zutage. Er wusste Vieles ("dafür habe ich meinen Bauch") und war für uns Junge ein echter Lehrer der PR. Aber zugleich hat er sich auch selbst offen gezeigt für Neues. Bei Bertelsmann haben wir seinerzeit ein Issue Management eingeführt - das kam aus den USA. Mein Titel lautet damals Leiter Corporate Issues. Manfred Harnischfeger konnte mir nicht genau erläutern, was das bedeutete. Als wir mit großen deutschen Unternehmen Vorstellungen für ein deutsches Issue Management austüftelten, hörte er sich das geduldig an und sagte dann: "Ich verstehe das nicht. Aber ich will dem auch nicht im Wege stehen." So ging es auch mit anderen Dingen: Ich erinnere mich an seine allererste E-Mail. Fruchtbar falsch! Kein Memo mehr mit drei Kopien und rot unterstrichenen Adressaten. Aber Manfred war klar, dass eine neue Zeitrechnung anbrach und er mitgehen wollte. Seine Wandlungsbefähigung reichte bis ins Private: Familiäre Veränderungen, beruflicher Wechsel, eine neue Heimat.
So ist er für mich ein Beispiel dafür geworden, wie man als Profi und als Mensch reifen kann; und mit Reifung meine ich anderes als lebenslanges Lernen. Manfred Harnischfeger hat mich wie auch die anderen Kollegen über all die Jahre stark geprägt. Nie mehr danach habe ich einen solchen Meister gefunden. Es war bezeichnend, dass viele seiner "frühen Schüler" und Weggefährten nach Bad Godesberg gekommen sind, um sich im Rahmen einer bewegenden Trauerfeier von Manfred Harnischfeger persönlich zu verabschieden.
Er geht, aber Etwas bleibt. Ich glaube, er hätte sich daran gefreut.

 
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