Detailinformationen

Autor

Boris Glatthaar

Freier Autor

verfasst am

08.09.2017

im Heft

09/2017

Schlagworte

Interview

Christoph Minhoff: "Die Menschen sind angesichts dieser Skandalisierungs-Tsunamis im täglichen Leben inzwischen ebenso wenig aufgeregt wie wir."

Eierskandal

„Von Gifteiern zu reden, ist extrem“

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft, kritisiert den Alarmismus von Medien und Politik in der Debatte um Fipronil-belastete Eier. 

prmagazin: Herr Minhoff, wie haben Sie von den Vorgängen um Fipronil erfahren?

Christoph Minhoff: Wir haben über die Seite lebensmittelwarnung.de der Bundesländer und des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittel­sicherheit davon erfahren. Wir waren genauso überrascht wie andere auch,
es gab keine Vorabinformationen an die Lebensmittelwirtschaft.

Welche waren dann Ihre ersten Schritte? 

Man macht sich erst mal sachkundig und schaut: Was ist in der Sache unsere Aufgabe? Und die war, hier der Mittler zwischen den Behörden und den Unternehmen zu sein. Die brauchen letztlich auch zwingend eine Information und können die nicht aus der „tagesschau“ bekommen, weil da sehr viel dranhängt. Unsere Aufgabe war also zunächst nicht, die Öffentlichkeit zu informieren, sondern wir müssen erst mal schauen, dass unsere Mitglieds­unternehmen schnell mit allen nötigen Informationen versorgt werden, weil sie handeln müssen. Da gibt es dann enge Kanäle zu den einzelnen Ministerien und den entsprechenden Behörden in Ländern und auf Bundesebene, deren Informationen wir an unsere angeschlossenen Unternehmen weiterleiten.

Ist es schwierig, sich in der internen Verbandskommunikation ganz ruhig auf die Fakten zu besinnen, während etliche Medien längst emotional und teilweise skandalisierend berichten? 

Jein. Ich glaube, dass die Menschen angesichts dieser Skandalisierungs-Tsunamis im täglichen Leben, in dem mittlerweile alles ein Skandal ist, inzwischen ebenso wenig aufgeregt sind wie wir und genau schauen, was eigentlich die Fakten sind. Die einzigen, die richtig erregt sind, sind in der Regel die Journalisten, weil das ihre Ware ist. Das verstehe ich ja auch. Bei denen zählt es, schnell zu sein, nicht unbedingt präzise, sondern möglichst emotional und laut. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass Verbraucher heute wissen: Jetzt warten wir erst einmal ab, was da wirklich dran ist. Dieser permanente Alarmismus verfängt nicht mehr – vielleicht noch bei einigen, aber längst nicht mehr bei allen. Das ist eine interessante Entwicklung. Diejenigen Journalisten, die schnell eine Headline brauchen, weil sonst der Wettbewerber eher damit raus ist, haben doch viel mehr Druck als wir.

Hört sich nach einer Umkehr an: Journalisten als von der Schlagzeile Getriebene, ein Wirtschaftsverband als Aufklärer …

Es ist doch so: Wir können nur das kommunizieren, was wir wirklich wissen. Alles andere würde die Glaubwürdigkeit der Unternehmen, für die wir stehen, massiv unter­graben. (...)

Dieser Text ist ein Auszug aus unserer September-Ausgabe.

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