Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

24.07.2017

im Heft

07/2017

Schlagworte

Interview

VEON-Kommunikationschef Roland Sladek war vorher für Huawei in China.

VEON

"Wir wollen Vordenker sein"

Roland Sladek ist seit April Kommunikationschef von VEON in Amsterdam, einem der großen globalen Telekommunikationskonzern. Das Unternehmen ist fast ausschließlich in Schwellenländern aktiv und in Europa praktisch unbekannt. Sladek soll der Welt erklären, wie VEON Facebook und Paypal in Schwellenländern Konkurrenz machen will.

prmagazin: Herr Sladek, Sie sind seit Mai bei VEON im Amt. Das Unternehmen will sich vom Netzwerkanbieter zum digitalen „Disruptor“ entwickeln. Sie sollen die globale Kommunikation aufbauen. Stellen Sie gerade alles auf den Kopf?

Roland Sladek: Ich fange gerade erst an, Dinge grundlegend zu verändern. Bei Huawei in China habe ich gelernt, dass es besser ist, wenn man die Leute nicht gleich mit Verbesserungsvorschlägen überrumpelt. Also habe ich viel zugehört, um das Unternehmen, die Kunden und die Firmenkultur besser zu verstehen. Ein Umbau kann nur fruchten, wenn er in der Firmenkultur wurzelt und deshalb auch authentisch ist. Eins steht jedenfalls ganz oben auf der Agenda: Wir müssen die interne Kommunikation ausbauen.

Warum?

Viele unserer Mitarbeiter kommen aus dem klassischen Telco-Geschäft – und wir sind auf dem Weg, das Unternehmen neu auszurichten. Diese digitale Transformation müssen wir erklären, damit wir die Leute mitnehmen. Deshalb gibt es inzwischen jede Woche einen Call mit allen internen Kommunikatoren, um unsere internen Pläne besser zu koordinieren. Eine meiner ersten Handlungen war es, ein „digitales Bootcamp“ für unsere 100 Führungskräfte zu organisieren und dadurch den Topmitarbeitern die digitale Strategie näherzubringen.

VEON hat sich in Sachen Digitalisierung einiges vorgenommen. Sie wollen nicht mehr nur Betreiber von Mobilfunkmasten sein, sondern so etwas wie WeChat in China, also eine Mischung aus WhatsApp, Paypal und MyTaxi.

Das stimmt nur zum Teil. Mit WeChat kann man Textnachrichten und Bilder verschicken, aber auch Taxis bestellen, Hotels buchen, in Restaurants zahlen. Man kann eine Woche lang ohne Geld durchs  Land reisen, nur mit Handy und WeChat bewaffnet …

… und das soll VEON in Bangladesch oder Pakistan irgendwann auch können?

Vielleicht, aber wir haben ein etwas anderes Geschäftsmodell. WeChat entwickelt seine Dienste alle selbst. Wir entwickeln nicht alles inhouse. Und wir teilen uns die Erlöse mit Partnern wie MasterCard, Vivendi oder eben auch mit lokalen Start-ups. Das ist übrigens ein Grund, warum VEON so viele Start-up-Events in seinen Märkten organisiert. Dabei geht es immer auch darum, das nächste Uber Pakistans zu entdecken und an Bord zu holen oder das künftige Snapchat von Bangladesch. Dadurch geben wir jedoch auch den lokalen Start-ups die Chance, globale Kunden anzusprechen.

Wie weit ist VEON mit der Neuausrichtung?

VEON hat Anfang dieses Jahres in Italien einen Testlauf gestartet. Dort können rund zwei Millionen Kunden die App ausprobieren. Inzwischen sind wir auch in Russland und der Ukraine mit Pilotversuchen aktiv. Im Lauf des Jahres werden wir die App einigen Dutzenden Millionen Menschen zur Verfügung stellen. Wir hoffen, dass ein großer Teil unserer 240 Millionen Kunden das Angebot nächstes Jahr kennen und nutzen wird.

Hat Ihre Firma deshalb den Namen VimpelCom abgelegt und sich nach der Messaging-App benannt? VEON hieß früher ihr hauseigenes WhatsApp.

Ja, damit wollten wir zeigen, dass wir nicht mehr als Netzwerk-Provider wahrgenommen werden wollen, also als klassischer Telekomkonzern. Die neue Marke gibt es seit drei Monaten. Unsere Aufgabe – meine Aufgabe – ist es jetzt, der Welt zu erklären, wofür wir stehen und was wir vorhaben.

Warum erfindet sich VEON überhaupt neu? Das klassische Telekomgeschäft in Schwellenländern verzeichnet doch gute Wachstumsraten.

Langfristig werden Telekommunikations- und Netzwerkdienste zur reinen Commodity. Da sucht die ganze Branche nach Antworten. Einige kaufen sich in die Content-Produktion ein, andere erwerben Sportrechte. Der eine oder andere versucht, Services mitzuliefern, die ihn von der Konkurrenz abheben.Wir gehen noch einen Schritt weiter: Wir transformieren das ganze Unternehmen. Damit positioniert sich VEON zum Trendsetter der globalen Telekombranche. Wir wagen etwas, was sonst keiner wagt, gerade weil das Kerngeschäft gut wächst, wir Großaktionäre haben, die die Umwandlung mittragen und weil wir uns deshalb langfristig ausrichten.

Wie spielen Sie das Thema in der Kommunikation?

Indem wir genau diese Geschichte erzählen! 

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