Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

06.05.2020

im Heft

05/2020

Schlagworte

Wissenschaftsjournalismus, Nike Heinen, Welt am Sonntag, Forschungseinrichtungen, Medien, Corona

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Ausgabe 05/2020

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Wissenschaftsjournalismus

"Der Sauerstoff einer guten Recherche"


„Die Corona-Pandemie fordert nicht nur Menschenleben, sondern auch ein Stück der Pressefreiheit“, kritisiert Wissenschaftsjournalistin Nike Heinen in der Welt am Sonntag vom 5. April 2020.
(Foto: Skórzewiak/Adobe Stock)


Die Luft für Wissenschaftsjournalisten scheint dünner zu werden. Diesen Eindruck jedenfalls weckt ein Kommentar, den Nike Heinen am 5. April in der Welt am Sonntag veröffentlichte. Verweigern sich Forschungseinrichtungen den Medi
en? Das prmagazin hat in Redaktionen und bei der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK) nachgehört.


Unter dem Titel „Der Sauerstoff einer guten Recherche“ klagte Wissenschaftsjournalistin Nike Heinen am 5. April in der Welt am Sonntag über wachsende Schwierigkeiten bei der Recherche zum Thema Corona: „Zuerst vermittelte das Roland Koch-Institut keine Forscher mehr für Nachfragen. Dann blockten die Universitäten Nachfragen ab. Und seit vergangenem Mittwoch hat sich auch noch das Helmholtz-Institut für Infektionsforschung für eine höflich formulierte Recherchesperre entschieden.“ Bei Pressekonferenzen, an denen aufgrund der Lage nur wenige teilnehmen dürften, gebe es nicht einmal die Möglichkeit, auch von außen Fragen einzureichen. Zustände wie in Weißrussland, meint Nike Heinen. 

Verweigern sich die Forschungseinrichtungen den Medien? Wer verfolgt hat, wie selbst der omnipräsente Berliner Virologe Christian Drosten seine Haltung zu den Medien im Verlauf der Corona-Krise verändert hat, kann diese Befürchtung haben. Nicht nur er kritisiert öffentlich typische Medienmechanismen wie Zuspitzung, Vereinfachung und Verkürzung. 

Zögen sich die Forscher komplett zurück, wäre das indes eine fatale Entwicklung. Warum? Es genügt ein Blick auf die verwirrende Informationslage beim Thema Corona. Zwar tragen Meinungsunterschiede zwischen Forschern natürlich zu dem Informationswirrwarr bei – das lässt sich angesichts der Neuartigkeit des Virus wohl nicht ändern. Aber wer, außer den Wissenschaftlern, kann die Basisinformationen liefern, damit Journalisten sich eine zumindest halbwegs fundierte Meinung bilden können?

Erschwerend kommt hinzu: In vielen Redaktionen fehlen Journalisten, die über wirklich tiefe wissenschaftliche Kenntnisse verfügen. Auf diese Problematik wies Holger Wormer, Lehrstuhlinhaber für Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund, im Interview mit dem prmagazin hin (Ausgabe 04/2020).

Sein Umkehrschluss: Die Verantwortung wissenschaftlicher Einrichtungen mit Blick auf ihre Kommunikation wächst. Ein starker Kontrast zur tatsächlichen Situation, wenn man Kritikern wie Nike Heinen glauben darf. Fordert die Corona-Pandemie also nicht nur Menschenleben, sondern auch ein Stück der Pressefreiheit, wie die Journalistin in der WamS mahnt? 

Das prmagazin hat sich unter Wissenschaftsjournalisten umgehört, welche Erfahrungen sie aktuell bei der Recherche und der Suche nach Gesprächspartnern zu Covid-19 im Bereich der Wissenschaft machen und welche Forderungen sie gegebenenfalls an die Kommunikation wissenschaftlicher Einrichtungen stellen, um auch weiterhin qualitativ hochwertigen Wissenschaftsjournalismus gewährleisten zu können. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins, wie andere Wissenschaftsjournalisten zu der Kritik von Nike Heinen stehen und was die Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK) von den Kommunikatoren wissenschaftlicher Einrichtungen fordert.

Die prmagazin-Ausgabe 05/2020 – darin unter anderem:

Sparkasse Reloaded:
 Der DSGV hat seine Kommunikation grundlegend neu organisiert. In der Corona-Krise hat sich das bereits bewährt.

"Die Aufregung legt sich einfach nicht": Covid-19 bringt das Kommunikationsteam der Uniklinik Freiburg an die Belastungsgrenze.

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