Trotz oder wegen der Wirtschaftskrise wollen Sie Ihren Kunden oder sich etwas gönnen und auf Reisen im Lieblingshotel absteigen. Leider ist das ausgebucht oder verschreckt mit prohibitiven Preisen. Also suchen Sie …
In
Berlin finden Sie etwa das Hotel de Rome (www.hotelderome.de):
gehypt, gelobt, und wer kann schon von sich sagen, dass er in „Bed
with Madonna“ war? Bei der Reservierung zeigt sich das
Fünf-Sterne-Haus unkompliziert und entgegenkommend, schließlich
nerven Sie ja auch nicht mit Sonderwünschen nach jungfräulichen
Klobrillen, wie es Madonna laut Bild tun soll. Leider hat das Hotel
vor lauter Design bisweilen den Gast vergessen. Was nützt es, wenn
Sie Ihren schwimmbegeisterten Kunden dort unterbringen, weil Sie vom
20-Meter-Pool gelesen haben, Bahnen ziehen aber nur dann ungestört
möglich ist, wenn sich niemand anders im Becken aufhält. Sonst darf
einer der beiden in kleinen Kreisen um hohe Säulen schwimmen.
So
schön eine
vier Meter hohe Zimmerdecke ist – wieso war es trotz reichlich
Platzangebot nicht möglich, das Bad so zu gestalten, dass Toilette
und Bidet nicht mitten im Raum stehen? DVD-Player und Docking
Stations fürs iPod sind prima, wenn auch fast Standard. Aber warum
steckt die Fernbedienung in einer exponierten, scheußlichen
Plastikvorrichtung? Italienisches Flair ist nett, nur sollte das 30
Euro teure Frühstück dann schon die in Deutschland übliche Auswahl
bieten. Zudem macht es als Gastgeber keinen großzügigen Eindruck,
wenn die Zahl der zu konsumierenden Frühstückseier in der Karte
explizit auf zwei beschränkt wird. Der Wellnessbereich in den
Keller- beziehungsweise Tresorräumen
der zum Hotel umgebauten Bank ist üppig gestaltet. Der Tresorraum,
in dem das Nagelstudio untergebracht ist, erinnert eher an eine
Folterkammer. Und die Preise für die – sehr guten –
Spa-Behandlungen liegen jenseits der Schmerzgrenze.
Ganz
anders folgender Vorschlag.
Auch in Paris waren die üblichen Verdächtigen nicht verfügbar, und
eine Hotelsuche in der Weltstadt an der Seine kann einem viele, viele
Stunden im Internet bescheren. Ist aber nicht nötig, wenn Sie einmal
das Hotel Résidence le Prince Régent (www.residence-le-regent.com)
um die Ecke vom Jardin du Luxembourg kennengelernt haben. In einem
gepflegten Hinterhof bewohnen Sie zum Preis eines Doppelzimmers ein
ganzes Appartment, Schlafzimmer, kleines Bad, Toilette, Flur,
Essecke, Kochecke (mit Wasch- und Spülmaschine), Wohnzimmer fernab
des französischen Plüschs. Klare Linien, Holzboden, Wasserflaschen
im Kühlschrank, Schlafsofa für zwei weitere Personen, DVD-Player
...
Sie
verzichten allerdings auf eine Rezeption,
die 24 Stunden geöffnet ist. Bei Anreise nach 18 Uhr erhalten Sie
Ihren Schlüssel über einen Code im Briefkasten. Einen
Frühstücksraum und ein angegliedertes Restaurant suchen Sie
vergeblich, aber die ganze Gegend ist voll davon. Sie können sich
ein Frühstück natürlich aufs Zimmer bestellen – doch warum
sollten Sie das, schließlich liegen die schönsten Cafés von Paris
nur einen kleinen Spaziergang entfernt. Dafür fühlen Sie sich, als
würden Sie wirklich in Paris leben, können Freunde oder
Geschäftspartner zum Aperitif ins eigene Appartment einladen und
guten Rotwein aus dem Laden um die Ecke trinken, statt saure Plörre
aus der Minibar. Zudem müsste der neueröffnete Spa-Bereich jetzt
betriebsbereit sein. Einziger Wermutstropfen:Beim Bezahlen hätte ich
mir gewünscht, gefragt zu werden, ob mir der Aufenthalt gefallen
hat. Loben macht nämlich mehr Spaß als mäkeln.