Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

08.06.2020

im Heft

06/2020

Schlagworte

Corona-Krise, Umfrage, Agenturchefs, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Burson Cohn & Wolfe, Mirko Kaminski, achtung!, Alexander Brincker, ressourcenmangel, Sabine Richter, Faktor 3, Hanning Kempe, FleishmanHillard Germany, Roland Heintze, Faktenkontor, Ilan Schäfer, Weber Shandwick

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Ausgabe 06/2020

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Agenturchefs zur Corona-Krise

"Halt and Catch Fire"

Die Corona-Pandemie traf die Agenturen hart und plötzlich. Langfristig verabredete Kundentermine, Pitches, Konferenzen – über Nacht war all das plötzlich obsolet. Das prmagazin möchte die Branche durch diese schwere Zeit begleiten. Nach der ersten Umfrage im Mai-Heft haben wir diesen Monat bei anderen Dienstleistern nachgehört: Wie erleben die Agenturchefs diese Extremsituation? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie reagieren die Kunden? Wie „kümmert“ man sich in solchen Zeiten bestmöglich um seine Mitarbeiter?


„Inzwischen fühlt es sich fast schon normal an“

Als wir am 14. März (so lange ist es schon her?) als eine der ersten größeren Agenturen komplett ins sogenannte „Remote Working“ gewechselt sind, waren wir sicher, dass wir das hinbekommen, und mussten auch nichts testen vorher. Denn zum einen arbeiteten wir schon über ein halbes Jahr alle gemeinsam auf einer virtuellen Plattform.

Und zum anderen sind wir es bei BCW bei vielen Projekten bereits gewohnt gewesen, wie im Remote Working zu arbeiten. Das ist wahrscheinlich einer der Vorteile daran, dass wir seit jeher gemischte Teams über Länder und Kontinente hinweg bilden und darin geübt sind. Dadurch, dass fast alle bei uns regelmäßigen Kontakt zu Kolleg*innen in China, Italien, Spanien und Frankreich haben, war auch bei allen der Wunsch sehr groß zu tun, was möglich ist, um unseren Beitrag dazu zu leisten, die Kurve abzuflachen.


Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Burson Cohn & Wolfe


Die ersten Wochen waren trotzdem aufregend und anstrengend, und nicht alle haben es im Homeoffice so gut wie ich mit Land und Tieren und schon erwachsenen Kindern. Es ist für die meisten weniger die Arbeit, die es schwierig macht, sondern alles andere. Die Arbeit klappt super. Kund*innen, die zudem in der gleichen Situation sind, merken kaum, dass wir nicht in unseren Büros sind.

Es macht mich glücklich zu sehen, wie unsere Teams, Tisch- und Bürogemeinschaften Wege finden, die Gespräche und den Spaß an den Inseln, an denen sie zusammengesessen haben, ins verteilte Arbeiten mitzunehmen. Inzwischen fühlt es sich fast schon normal an, was wir tun. Wir haben gerade das Bedürfnis abgefragt, wieder ins Büro zurückzukehren: Viele wollen irgendwann mal wieder ab und an ins Büro. Aber es sind nur wenige, die es dringend wollen. Und für die haben wir auch zwischendurch immer Lösungen gefunden.

In den letzten Wochen habe ich selbst etwas Neues ausprobiert: Telefonieren. Nach Wochen der ununterbrochenen Videokonferenzen und Videochats ist es eine Wohltat, einmal vom Schreibtisch aufzustehen, rumzulaufen, sogar rauszugehen bei Gesprächen. Denn Bewegung kommt zu kurz. Und ich vermisse persönlich das Pendeln. Ich will nicht verhehlen, dass uns die abrupte Vollbremsung unseres Wachstumskurses hart getroffen hat.

Uns hilft, dass wir mit Health, Tech, Krise und interner Kommunikation alle Felder besetzen, die sehr stabil sind. Aber in schneller Vorwärtsbewegung anzuhalten, ist nicht einfach. Insofern bin ich dankbar, dass etliche Kund*innen weiter neue Projekte anschieben und wir auch weiter neue dazugewinnen. Und dass unsere Leute bei all dem mitziehen.


„Die Krise hat uns weiter zusammengeschweißt"

Das Foto zeigt mich auf meinem „Fehmarn-Steg“. Ein kleiner Zwischenstopp auf meinem morgendlichen Weg ins „Insel-Office“. Nachdem in der Agentur nach den ersten Wochen der Corona-Krise soweit alles geregelt war, bin ich vorübergehend auf meine Heimatinsel Fehmarn umgezogen und habe sozusagen achtung! Fehmarn eröffnet. Meine Familie und ich haben dort ein Ferienhaus.

Freunde von uns waren so lieb und haben mir im Nachbarort eine ihrer Ferienwohnungen als „Büro“ zur Verfügung gestellt. An Touristen durften sie ja ohnehin nicht vermieten. Die Wohnung hätte daher leer gestanden. Dort konnte ich – mit Blick auf die Ostsee – von der Familie ungestört und ohne die Familie zu stören – an den täglichen Videokonferenzen teilnehmen.


Mirko Kaminski, achtung!

Mein Arbeitsweg: ein Traum. Mit dem Fahrrad durch blühende Rapsfelder, dann am Deich, an Lämmern und am Strand entlang. Die Wochen zuvor waren allerdings hart gewesen. Wir waren als Agentur zwar gut vorbereitet, aber ich habe so viel gearbeitet wie wohl noch nie zuvor in meinem Berufsleben. Manchmal 16 Stunden am Tag, und das auch an den Wochenenden. Vor allem ging es da um Arbeit für Kunden.

Gut vorbereitet waren wir, weil wir als Agentur schon immer einen Schwerpunkt auf Krisenprophylaxe und -management gelegt haben. Da lernt man, Worse und Worst Case zu antizipieren und sich darauf vorzubereiten. Daher hatten wir bereits mit den Vorbereitungen begonnen und unsere Leute ins Homeoffice geschickt, als andere noch sagten: „Das wird nicht so wild!“.

Wir hatten außerdem früh mit Agenturgeschäftsführer*innen in Asien gesprochen. Auf der Basis ihrer bereits gemachten Erfahrungen konnten wir ein Phasenmodell entwickeln und viele unserer Kunden motivieren, die Kommunikation ad hoc auf empathisch, selbstlos, teilend umzustellen und dann auch bereits Konzepte für die Recovery-Phase zu entwickeln.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon meine persönliche Kommunikation umgestellt. Der Fokus lag nun voll auf intern. So habe ich zum Beispiel täglich ein internes Video zum Stand der Dinge produziert, habe Mitarbeiter angezoomt, um mich mit ihnen zu unterhalten, habe bekannte Persönlichkeiten eingeladen, an unseren Videokonferenzen mit allen Mitarbeiter*innen teilzunehmen, und so für interne Highlights gesorgt.

Ich habe das Gefühl, die Krise hat uns alle noch weiter zusammengeschweißt. Und sie hat auch eine noch größere Nähe zwischen Agentur und Kunden entstehen lassen als ohnehin schon da war. Und dafür bin ich dankbar.

[...]

Diese Texte sind ein Auszug. Lesen Sie in der Juni-Ausgabe des prmagazins die Statements von Alexander Brincker (ressourcenmangel), Sabine Richter (Faktor 3), Hanning Kempe (FleishmanHillard), Roland Heintze (Faktenkontor) und Ilan Schäfer (Weber Shandwick).

Die prmagazin-Ausgabe 06/2020 – darin unter anderem:

Die Hoffnungsträger:
Bis Anfang des Jahres kannten nur Spezialisten das Biotech-Unternehmen CureVac. Dann kam Corona – und dann Donald Trump.

Alle gegen Freshfields: Der Umgang der Kanzlei mit dem Cum-Ex-Skandal offenbart massive Schwächen der Rechtsberaterbranche in der Krisen-PR.

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