Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

06.07.2020

im Heft

07/2020

Schlagworte

Corona-Krise, Umfrage, Agenturchefs, Wigan Salazar, MSL Germany, Alexandra Groß, Fink & Fuchs, Max Bimboese, markenzeichen, Rudolf Jeschenko, Jeschenko MedienAgentur, Eike Faecks, Styleheads, Rafael Rahn, Lewis, Hartwin Möhrle, A&B One

Das aktuelle Heft
Ausgabe 07/2020

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Agenturchefs zur Corona-Krise

Corona als Katalysator

Die Corona-Pandemie traf die Agenturen hart und plötzlich. Langfristig geplante Kundentermine, Pitches, Konferenzen – über Nacht war das alles obsolet. Das prmagazin möchte die Branche durch diese schwere Zeit begleiten. Nach der Mai- und Juni-Umfrage kommen diesmal wieder neue Agenturchefs zu Wort: Wie haben sie die Extremsituation erlebt? Wie reagierten die Kunden? Wie sieht die Rückkehr in den Büroalltag aus – und was ist das „neue Normal“?


„Ich bin müde, aber stolz“

Nach nunmehr drei Monaten im Ausnahmezustand bin ich müde, aber stolz. Müde, weil wir bei MSL nach einem ersten kurzen Schock einen unerwarteten Wachstumsschub erlebten und entsprechend härter arbeiten mussten. Stolz, weil die MSL-Mannschaft, von der ich vorher schon überzeugt war, noch einmal über sich hinauswuchs. Die ersten sechs Wochen seit Mitte März waren die intensivste, aber im Nachhinein einfachste Corona-Phase für uns. Einige unserer Kunden kürzten ihre Budgets oder froren diese ein, was in der Summe nach einem beträchtlichen Verlust aussah.


Wigan Salazar, MSL

Zur gleichen Zeit gaben andere Auftraggeber richtig Gas. Zudem schafften wir es, einige Kunden im Remote-Modus zugewinnen. Unterm Strich sind deutlich mehr Aufträge hinzuge kommen als wir verloren haben. Unser Wachstumskurs der vergangenen Jahre ist nicht nur ungebrochen, sondern hat sich verstärkt. Ich bin zuversichtlich, dass das so bleibt – deshalb suchen wir seit einigen Wochen wieder aktiv nach neuen Mitarbeitern. Die Herausforderung wuchs also an mehreren Stellen: Wir mussten ein Team zusammenhalten, das nicht mehr in vier, sondern in 90 Büros arbeitet. Wir mussten den veränderten und zum Teil intensiveren Bedarf der langjährigen Kunden auf spüren. Und wir mussten neue Kunden an Bord holen.

Als größte Herausforderung stellte sich das Onboarding neuer Mitarbeiter heraus. Die Zusammenarbeit über die Distanz hinweg funktioniert einwandfrei, wenn man sich gut kennt oder lange zusammenarbeitet – 20 Prozent unseres Teams sind länger als zehn Jahre dabei. Es ist aber sehr schwer, Neulinge an die Abläufe und die Kultur der Agentur zu gewöhnen. Langsam kommen erste Kundenanfragen nach physischen Treffen. Bei vielen Kollegen wächst das Bedürfnis, ins Büro zurückzukehren. Andere bevorzugen es, zu Hause zu bleiben. Die Moderationsaufgabe ist noch komplexer als in den ersten Wochen.

Für uns bei MSL ist klar, dass Sicherheit Vorrang hat. Mindestens bis Dezember ist Homeoffice die Regel, die Arbeit im Büro die Ausnahme. Wir haben die Arbeitsplätze in unseren Räumlichkeiten so verändert, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können. Es gelten strenge Hygiene regeln, und jeder Bürotag muss genehmigt werden. Ich glaube auch nicht, dass wir wieder zur alten Arbeitskultur zurückkehren. Viele Elemente der heutigen Phase werden bleiben – entscheidend wird aber sein, dass wir die neue Büronormalität an unseren Mitarbeitern und nicht an New-Work-Trends oder reinen Kostenerwägungen aus richten.


„Austausch mit Kunden ist persönlicher geworden“

Die Pandemie hat vor allem dafür gesorgt, der zwischenmenschlichen Kommunikation wieder mehr Raum und Zeit zu geben. Als Arbeitgeber war uns wichtig, die Ereignisse aus unserer Sicht einzuordnen, unser Führen auf Sicht zu erklären und als Gesprächspartner zur Seite zu stehen. Das war sehr intensiv, vor allem aber für die Remote-Arbeitssituation wichtig. Dass der Ad-hoc-Switch von Agentur auf Homeoffice so reibungslos funktioniert hat, liegt vor allem daran, dass wir seit eh und je flexibles und mobiles Arbeiten praktizieren. Das war ein echter Vorteil.


Alexandra Groß, Fink & Fuchs

Auch die Nähe zu den Kunden hat sich intensiviert, irgendwie sind wir enger zusammengerückt. Der Austausch ist persönlicher geworden, das Hetzen von Projekt zu Projekt steht nicht mehr so sehr im Vordergrund. Faktisch sind viele Projekte verschoben worden. Filmdrehs zum Beispiel waren aufgrund der Restriktionen nicht möglich, Events mussten abgesagt werden und konnten auch nicht alle gleich ins Virtuelle switchen. Gemeinsam nach kreativen Lösungen zu suchen und mehr aus der Situation zu machen, steht bis jetzt ganz oben auf der To-do-Liste. Die Arbeit mit den Kunden hat eine neue Facette dazugewonnen.

Die Pandemie hat aber vor allem gezeigt, wie flexibel wir alle auf Neues reagieren können. Ich wünsche mir, dass wir das noch lange so beibehalten. Wir bilden gerade eine kleine Taskforce, die die Lehren aus den vergangenen drei Monaten zusammenfasst und Ansätze entwickelt, wie wir diese in Zukunft nutzen können. Dabei geht es nicht nur um die Erfahrungen aus dem Homeoffice – das wäre zu kurz gedacht.

Dazu haben wir mit den Erfahrungen der vergangenen Wochen auch eine sehr klare Haltung entwickelt: Um in unserem Job richtig gut zu sein, braucht es Begegnung, um gemeinsam Kreativität und Energie erleben zu können. Es wird um neue Services, Arbeitsmethoden und Kollaboration gehen. Irgendwie waren wir ja – auch schon vor Corona – alle ständig im Umbruch. Nur nicht ganz so schnell. Der „sense of urgency“ hat gefehlt. Mit dem konkret Erlebten sehen wir eine große Chance, mit den Mitarbeitern viel schneller neue Wege zu gehen und Kommunikation weiterzudenken. Die Frage nach dem Warum stellt sich nicht mehr.

[...]

Diese Texte sind ein Auszug. Lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins die Statements von Max Bimboese (markenzeichen), Rudolf Jeschenko (Jeschenko MedienAgentur), Eike Faecks (Styleheads), Rafael Rahn (Lewis) und Hartwin Möhrle (A&B One).

Die prmagazin-Ausgabe 07/2020 – darin unter anderem:

Agiler Stresstest:
Das Kommunikationsteam der Direktbank ING hatte sich nach einem radikalen Umbau neu zusammengefunden – dann kam Corona.

Standpunkt: Diplomatie und Defensive genügen nicht, Firmensprecher müssen zu Diskurs und Debatten bereit sein, meint Bayer-Mann Christian Maertin.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen