Detailinformationen

Autor

Jörg Forthmann

Geschäftsführender Gesellschafter Faktenkontor

verfasst am

22.11.2020

im Heft

09/2019

Schlagworte

#AgenturderZukunft, Jörg Forthmann, Social Listening, Künstliche Intelligenz, Kommunikationssteuerung

Das aktuelle Heft
Ausgabe 11/2020

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

#AgenturderZukunft (1)

Licht ins Dunkel mit KI

(Illustration: Happypictures/Fotolia.com)


In der prmagazin-Rubrik #AgenturderZukunft machen sich branchenbekannte Köpfe Gedanken über Themen, die die Szene bewegen: über den Wandel der Agenturwelt, notwendige Veränderungsimpulse, Agenturmodelle der Zukunft und vieles mehr. Gestartet ist die Reihe in der Printausgabe 09/2019 mit einem Beitrag von Jörg Forthmann zum Thema Social Listening. Der geschäftsführende Gesellschafter der GPRA-Agentur Faktenkontor meint: Künstliche Intelligenz krempelt die Kommunikationssteuerung um. Diesen und alle folgenden Teile der Reihe werden wir nun sukzessive online stellen.


Denken Sie bei Künstlicher Intelligenz in erster Linie an sprechende Roboter und selbstfahrende Autos? Meinen Sie, als PR-Profi betrifft Sie solch ein technischer Kram nicht? Dann muss ich Sie mit diesem Artikel leider enttäuschen. Denn im Digitalzeitalter bieten Big-Data-Analysen mithilfe von Verfahren der Künstlichen Intelligenz Unternehmenskommunikatoren quasi in Echtzeit ungeahnte Möglichkeiten der Kommunikationssteuerung. Wer die nicht nutzt, wird abgehängt.


Jörg Forthmann: Die digitale Revolution ermöglicht es, Resonanzanalysen quasi in Echtzeit durchzuführen.


Damals, als die Welt viel weniger digital war, ließen sich Pressesprecher Zeitungsausschnitte über ihre Firma regelmäßig per Post auf Papier zuschicken. Sie zählten, wie viele Veröffentlichungen es in welchen Zeitschriften und Zeitungen gab, um zumindest quantitativ im Nachgang den Erfolg – oder Misserfolg – ihrer vor Wochen geleisteten Pressearbeit zu dokumentieren. Nur begrenzt nützlich, aber es mangelte an Alternativen.

Heute sieht das anders aus: Die digitale Revolution ermöglicht Unternehmenskommunikatoren, Resonanzanalysen quasi in Echtzeit automatisiert durchzuführen. Und dabei nicht einfach nur Erwähnungen zu zählen – sondern auch Themen und Tonalitäten zu erkennen, die eigene Position mit dem Wettbewerb zu vergleichen, entscheidende Multiplikatoren zu identifizieren und sich anbahnende Kommunikationskrisen zu entdecken, bevor sie ausbrechen. Mit anderen Worten: nicht nur eine quantitative, sondern auch eine qualitative Analyse zeitnah und robust zu erstellen. Solche Analysen sind für Kommunikatoren wesentlich wertvoller für die Kommunikationssteuerung – und sie werden künftig selbstverständlich sein in gut geführten Pressestellen.

Social Listening legt das Ohr an die öffentliche Meinung

Auch wenn bedrucktes Papier sicherlich seinen eigenen Charme hat: Aus Sicht der PR ist es ein Glücksfall, dass sich die öffentliche Kommunikation schwerpunktmäßig ins Internet verlagert hat. Denn durch redaktionelle Online-Publikationen und soziale Medien, in denen sich auch andere Stakeholder direkt äußern, steht uns heute eine ungeahnt breite Datenbasis zur öffentlichen Meinung frei zur Verfügung. Diese Daten zu erfassen und auszuwerten, nennt sich „Social Listening“.

Für das Faktenkontor ist das keine Zukunftsmusik. Wir werten in Zusammenarbeit mit unserem Partner Ubermetrics fortlaufend 350 Millionen deutsche und deutschsprachige, öffentliche Online-Quellen inklusive redaktioneller Publikationen und Social Media aus und erfassen daraus sämtliche Beiträge zu 5.000 führenden Unternehmen und 20.000 Marken.

Wir belassen es aber nicht beim reinen Monitoring. Mithilfe von Verfahren der Künstlichen Intelligenz, die von den Big-Data-Spezialisten Beck et al. Services entwickelt wurden, können wir die (häufig millionenfachen) Nennungen der Unternehmen und Marken automatisiert Themenfeldern zuordnen und einer Sentimentanalyse im Hinblick auf eine positive, neutrale oder negative Tonalität unterziehen.

Mehrwert durch mehr Werte

Die Ergebnisse dieser Analyse erlauben es nicht nur, schnell zu erfassen, was welche Quellen über ein konkretes Unternehmen und sein Marktumfeld berichten. Wir können auch frühzeitig erkennen, wenn der Kunde mit potenziell kritischen Themen in Verbindung gebracht wird oder in welchen Bereichen die Öffentlichkeit das Unternehmen negativ sieht. Das erlaubt eine schnelle Reaktion und kann im besten Fall sogar Krisen stoppen, bevor sie ausbrechen. Die digitale Revolution ermöglicht es, Resonanzanalysen quasi in Echtzeit durchzuführen. Wir können auf Grundlage dieser Datenbasis auch jenseits von Krisenereignissen die Reputation von Unternehmen messen und mit der ihrer Wettbewerber vergleichen, um so konkrete Optimierungspotenziale aufzuzeigen.

Fazit

Im Digitalzeitalter weiterhin auf nur gelegentliche und rein quantitative Analysen der öffentlichen Meinung zu setzen, ist wie in einem nächtlichen Wettrennen durch einen dichten Wald ohne Taschenlampe in der Hand gegen Wettbewerber mit Nachtsichtgeräten anzutreten.


Dieser Beitrag ist zuerst in der prmagazin-Ausgabe 09/2019 erschienen. In der nächsten Folge beschäftigen sich Susanne Hencke und Stefan Hencke, COO beziehungsweise CEO der Stuttgarter GPRA-Agentur Convensis, mit Anforderungen an die Mitarbeiter in der Kommunikationsbranche heute und morgen.

Was denken Sie? Schreiben Sie uns!

Die prmagazin-Ausgabe 11/2020 – darin unter anderem:

Emotion mit Konzept:
Monika Schaller will die Deutsche Post DHL Group zugänglicher machen. Ihre direkte Art tut dem Konzern gut, sagen Beobachter.

"Solche Häme hatten wir nicht ewartet": Sigrid Dalberg-Krajewski vom Dax-Aufsteiger Delivery Hero über das schwere Wirecard-Erbe.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen