Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

04.01.2018

im Heft

01/2018

ALBA Group

Die Pflichtgestalt

Henning Krumrey hat 27 Jahre lang als politischer Journalist gearbeitet, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Dann wechselte er als Kommunikationschef zur angeschlagenen Berliner ALBA Group. Inzwischen ist das Unternehmen wieder in ruhigerem Fahrwasser. Krumrey hat sich fleißig eingearbeitet.


Fragt man Henning Krumrey, was ihn derzeit am meisten beschäftigt, umspielt ein maliziöses Lächeln seine Lippen. 
Und dann holt er richtig aus. Das Thema des ALBA-Kommunikationschefs lautet aktuell: Einige duale Systeme nehmen mehr ein, als sie eigentlich dürfen. Das ist natürlich nur die Kurzfassung. 

Die Entsorger Belland, DSD und eben ALBA sowie deren Tochter Interseroh hätten ihre „Clearing-Verträge“ gekündigt, führt er aus. Es gehe darum, dass 2017 rund 90.000 Tonnen Verpackungsabfälle abgefahren werden mussten, ohne dass dafür jemand bezahlt. Und um die Frage, wie man dem Einhalt gebieten kann.

Wenn man mit Krumrey über Themen der Umweltpolitik spricht, dann scheint der akribische Rechercheur auf, der sich tief in ein Thema einarbeitet. Dann spricht er genüsslich von „Inverkehrbringern“, vom „intelligenten Fehlwurf“ und „stoffgleichen Nichtverpackungen“. 

Krumrey kennt sich aus – und weiß: „Die Branche lebt von wunderbaren Begriffen.“ Kein Zweifel: Der ehemalige Politikjournalist beschäftigt sich gern mit der Gesetzgebung, Verordnungen und politischen Grabenkämpfen, auch wenn in seiner Abteilung ein Mitarbeiter eigens für politische Kommunikation abgestellt ist. 

Krumrey, dessen Adressbuch mehr als 4.000 Einträge umfassen soll, kennt das Geschäft. Jetzt gehe es darum, den Trittbrettfahrern einen Riegel vorzuschieben. Die Anbieter mit weißer Weste – Krumreys Arbeitgeber ALBA hat sich das unlängst von Wirtschaftsprüfern bescheinigen lassen – drängen darauf, dass die Politik handelt, bevor 2019 das neue Verpackungsgesetz in Kraft tritt.

Wie er dabei vorgeht? „Ich sage immer ganz klar, welches Interesse wir haben“, erklärt der ALBA-Kommunikationschef. „Ich bleibe sachlich und erzähle nicht irgendwelche Märchen.“ Wenn ein Entscheider in der Politik oder ein Journalist so etwas herausfände, würde der ihm künftig gar nichts mehr glauben, weiß Krumrey. „Und Glaubwürdigkeit ist nach meinem Verständnis für Journalisten wie Kommunikatoren das wichtigste Kapital.“

Das passt zu dem, was Weggefährten über den 55-jährigen, gebürtigen Berliner sagen. Krumrey gilt als äußerst pflichtbewusst, manchmal etwas förmlich, stets korrekt und präzise. Legendär ist seine Sparsamkeit. Krumrey fährt Bahn statt Taxi und findet es normal, Bier vom Discounter zu trinken, weil es dort billiger ist. 

WiWo-Redakteur Christian Schlesiger hält große Stücke auf seinen ehemaligen Chef, der ihn 2013 ins Berlin-Büro des Magazins holte. „Er ist sehr umgänglich“, sagt Schlesiger. „Einer, der Dir Freiheiten lässt.“ Auch er erwähnt, dass Krumrey die meisten Kollegen bis zuletzt siezte.

Ende April 2015 schied Krumrey bei der WiWo aus, nach 27 Jahren als Journalist. Gut ein halbes Jahr später fing er bei ALBA an. In der Branche munkeln viele, dass er sich mit der im Oktober 2014 angetretenen Chefredakteurin Miriam Meckel überworfen habe. Krumrey erzählt eine andere Geschichte. Seine ALBA-Vorgängerin Verena Köttker habe sich selbstständig machen wollen, deshalb hätten die Firmeninhaber Axel und Eric Schweitzer einen Nachfolger gesucht – und Krumrey gefragt, ob er den Job wolle. „Ich kannte beide schon länger“, sagt Krumrey. Eric durch sein Engagement als Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer und später des DIHK, Axel von mehreren Delegationsreisen nach Asien. Dass er auch seine Vorgängerin Köttker schon kannte, nämlich aus seiner Zeit im  Focus-Hauptstadtbüro, sei dagegen „reiner Zufall“ gewesen, betont Krumrey.

Weil er mit Mitte 50 ohnehin überlegt habe, noch mal etwas anderes zu machen, und weil ALBA in einer stark politisierten Branche aktiv sei, habe er zugesagt, berichtet Krumrey. „Ich hatte zu Beginn meines Studiums mal gedacht: Unternehmenskommunikation nicht vor Mitte 50“, erklärt er. „Plötzlich war das Datum da.“ Zwischenzeitlich war ihm allerdings noch etwas klar geworden: Es musste mit Politik zu tun haben.

Zum angeblichen Zerwürfnis mit der WiWo-Chefredakteurin sagt er: Meckel habe ihn als ihren einzigen Stellvertreter nach Düsseldorf holen wollen – und als reinen Blattmacher. „Ich wollte aber weder pendeln noch das Schreiben und den Bezug zur Politik aufgeben“, sagt Krumrey. „Ich bin halt ein durch und durch politischer Mensch.“ Mit Meckel habe er sich menschlich gut verstanden – auch wenn sie journalistisch nicht immer einer Meinung gewesen seien.

Schon vor seinem Start bei ALBA arbeitete er sich in die juristischen Feinheiten des Dualen Systems und der Verpackungsverordnung ein und schaffte sich das Thema Finanzmarktkommunikation drauf. Die Tochter ALBA SE ist börsennotiert. Vorgängerin Verena Köttker wechselte Ende September 2015 in die Selbständigkeit. Bis zu Krumreys Einstieg im Januar 2016 führte die stellvertretende Abteilungsleiterin und Pressesprecherin Susanne Jagenburg kommissarisch die Geschäfte.

Dass der erfahrene Journalist bei ALBA anheuerte, sorgte bei manchen Wirtschaftsredakteuren für Stirnrunzeln.  „Wir haben uns alle gefragt: Liest der nicht das Handelsblatt?“, scherzt ein Ex-Kollege aus der Verlagsgruppe Handelsblatt. „Die haben an ALBA kein gutes Haar gelassen.“ Das Familienunternehmen wirkte zum Jahreswechsel 2015/16 angeschlagen.

ALBA hatte sich hoch verschuldet, um die Übernahme der Dreiviertelmehrheit von Interseroh im Jahr 2009 zu finanzieren. Weil im gleichen Zeitraum die Preise für Industriemetalle fielen, die ALBA mit seinen Recycling-Anlagen produziert, lief dem Unternehmen buchstäblich das Geld davon. Zeitweise sackten auch die Kurse der ALBA-SE-Aktie und einer Anleihe ab. Immer wieder berichteten Wirtschaftsmedien, die Banken verlören die Geduld. Das Unternehmen suchte dringend einen Partner für sein China- Geschäft und die Service-Sparte, hatte zu dem Zeitpunkt aber noch keinen gefunden.

„Natürlich war es eine schwierigere Zeit“, sagt Krumrey.  Die Schweitzers hätten das Thema vor seinem Wechsel von sich aus angesprochen. Sie erklärten ihm, dass die Schulden zu keinem Zeitpunkt existenzbedrohend gewesen seien oder sein würden. „Ich habe dann selbst Recherchen angestellt – als Journalist hat man ja Möglichkeiten – und fand das bestätigt“, so Krumrey. „Es war also kein Himmelfahrtskommando. Ich fand die Situation spannend und eine interessante Herausforderung.“

(...)

Dieser Text ist ein Auszug. Das komplette Porträt über Henning Krumrey und die Kommunikation der ALBA Group lesen Sie in der Titelgeschichte unserer Januar-Ausgabe. 

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