komm.passion

Alexander Güttler

1) Auftragsinhalte:
a) Bei uns setzt sich der Trend fort, dass wir eher bei komplexen Problemen, der Begleitung von Transformationsprozessen und stark im Healthcare-Bereich nachgefragt werden. Neu hinzugekommen ist eine merklich intensivere Nachfrage nach KI-getriebener Marktforschung und Branded Entertainment.

b) Content Marketing bleibt und verbindet sich mehr mit Entertainment-Themen. Influencer Marketing wird erwachsener. Alte Silos brechen – zum Glück – immer weiter auf. Das müssen Agenturen mehr denn je abbilden. Wir tun das bekanntermaßen durch unsere amorphen Strukturen, die Kunden die nötige Agilität ermöglichen.

c) Digitales ist zu einer völlig normalen Komponente in nahezu jedem Projekt geworden. Und das ist auch gut so. Bei uns entwickelt sich das Thema der KI-getriebenen Zielgruppenforschung rasant. Hier sind wir inzwischen plattformübergreifend und international tätig. Insbesondere durch ein Großprojekt in China konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln. Daneben wächst die Bedeutung eigener Spielformate in der internen wie externen Kommunikation. Hierzu gehören auch bunte YouTube-Serien wie unsere „Beauty Summer School 2019“, in humorvoller Anlehnung an Formate à la Heidi Klum.

d) Wir stellen uns seit Jahren intensiv die Sinnfrage als Agentur und haben mit unserem agilen Modell eine eigene Antwort gefunden. Sineks „Golden Circle“ und die Frage „warum?“ helfen uns schon seit vielen Jahren sehr gut in der Kundenberatung. Was man allerdings zuletzt unter dem Buzzword „Purpose“ erleben durfte, wirkte eher wie ein leicht hysterischer Modetrend oder auch wie Realsatire. Wenn alle Unternehmen „die Welt retten“, ist das kein Differenzierungsmerkmal mehr.

e) Messbarkeit ist und bleibt ein zentrales Thema. Das hat auch mit der gewachsenen Macht der Einkaufsabteilung, über die wir seit Jahren sprechen, zu tun. Wer seine Strategien nicht in Zahlen ausdrücken kann, wird es zukünftig schwerer haben.

2) Auftragsumfang: 
Insgesamt steigt das Volumen weiter. Wir erleben jedoch einen Trend innerhalb von Rahmenverträgen, kleinteilige einzelne Projekte freigegeben zu bekommen. Dies kann durchaus die Kontrollmöglichkeiten verbessern, schafft aber auch mehr administrativen und Kalkulationsaufwand. 

3) Budgethöhe: 
Aus unserer Sicht ist die Höhe der Kundenetats eher leicht weiter gestiegen. Diese gliedern sich allerdings in mehr Einzelschritte innerhalb des jeweiligen Gesamtetats auf. 

4) Neukundengewinnung:
Neukundengewinnung ist immer anspruchsvolld das wird sich auch nicht ändern. Eine trennscharfe Positionierung erscheint uns hier weiter „the name of the game“. Die Professionalisierung der Branche schreitet sicherlich weiter voran und wird denen Probleme machen, die nicht mitgehen können oder wollen. 

5) Ausblick: 
a) Werden die Zeiten wirtschaftlich schwieriger, wächst auch der Kommunikationsaufwand. Dies kann auch im Jahr 2020 für höhere Auftragsvolumina und entsprechende Budgets sorgen. 

b) Die Kunden sind in den vergangenen Jahren immer professioneller geworden. Dies fordert Agenturen auch heraus. Es heißt nämlich, konsequent Qualität zu liefern und den „State of the Art“ wirklich abbilden zu können. In diesem Sinne wird derjenige gut Geld verdienen, der wirklich auf Augenhöhe Partner seines Kunden ist und nicht nur Erfüllungsgehilfe in Teilbereichen.

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Es mag banal klingen: Hohe Qualität, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit wird gefordert, bei gleichzeitig möglichst niedrigen Preise. Dieses Paradoxon lässt sich nicht befriedigend auflösen, wird jedoch in wirtschaftlich schwierigeren Situationen noch mehr zum Alltagsgeschäft gehören. Wir machen in dem Punkt mit unserem agilen Agenturmodell sehr gute Erfahrungen. Ich bin mir sicher, dass wir ähnliche Transformationen verstärkt im Agenturmarkt erleben werden.