Detailinformationen

Autor

M.J. Morgan

London

im Heft

1/2012

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Bell Pottinger

Der Lord fürs Grobe

Mit einem Scoop sorgte der Independent Anfang Dezember in Großbritannien für Aufsehen. Reporter hatten sich als windige Auftraggeber aus Usbekistan ausgegeben und ihre vorgetäuschten Akquisegespräche mit mehreren Londoner PR-Agenturen heimlich gefilmt. Am Pranger stand vor allem Bell Pottinger – die Firma, die in Deutschland im Auftrag von Suzuki Stimmung gegen Volkswagen macht. Ein Porträt der Beratung und ihres Gründers Lord Tim Bell.

Der Independent trat den Skandal los. (Klick zum Vergrößern)

Als Anfang November 2011 durchsickerte, dass Suzuki die PR-Agentur Bell Pottinger engagiert hat, waren viele deutsche Branchenvertreter irritiert. Die Londoner unterstützen den japanischen Autobauer bei seiner Kommunikationsstrategie und Medienarbeit rund um den Streit mit Volkswagen.

Die Irritation wuchs, als die britische Tageszeitung The Independent wenige Wochen später einen Skandal um die Kommunikationsberatung lostrat. Es geht um angeblich unsaubere Praktiken und fragwürdige Auftraggeber. Was also hat es mit der Agentur Bell Pottinger auf sich? Und wer ist eigentlich ihr Gründer Lord Tim Bell?

HEIMLICH GEFILMT: Undercover-Recherche

In den 80ern, noch unter bürgerlichem Namen, war Mr. Bell der polternde PR- Star der Insel, federführend bei drei Wahlsiegen der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher und ein Mann, dem Skandale nicht fremd sind – sei es um die eigene Person oder andere. Immer wieder geriet seine Agentur in die Schlagzeilen.

Nach den jüngsten Veröffentlichungen des Independent muss der alternde Stratege seine Fähigkeit zum Krisenmanagement einsetzen, um seiner eigenen Firma zu helfen. Reporter des Bureau of Investigative Journalism, einer Nonprofitorganisation der Londoner City University, hatten sich als Investoren ausgegeben, die an besseren Beziehungen zwischen Usbekistan und Großbritannien interessiert seien.

Die Undercover-Reporter stellten sich als Mitglieder der fiktiven Azimov Group vor, die enge Beziehungen zur usbekischen Regierung pflege. Angeblich auf der Suche nach Lobbyhilfe, hatten sie sich an zehn Londoner PR-Agenturen gewandt. Wohl wegen der Zustände in Usbekistan ignorierten mehrere Firmen die Mail-Anfragen ganz. Morris International Associates und Ogilvy PR lehnten es explizit ab, um den Etat zu pitchen.

Die ehemalige Sowjetrepublik gilt als Diktatur bar jeden Respekts für Menschenrechte, die jegliche Opposition bru tal niederschlägt. Der frühere britische Botschafter Craig Murray beschrieb Usbekistan als „faschistisches Regime“ und „Kleptokratie“. Zwei mutmaßliche islamistische Extremisten wurden 2003 sogar zu Tode gefoltert. In der großen Baumwollindustrie des Landes ist Kinderarbeit an der Tagesordnung. Die EU hat deshalb Handelsbeschränkungen verhängt. Solche Skrupel plagen Bell Pottinger offenbar nicht. 

Das ganze Porträt von Bell Pottinger finden Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins.

Englische Versionen des Editorials, des Pressespiegels zum gleichen Thema sowie des Bell-Pottinger-Porträts aus der Januar-Ausgabe finden Sie hier::

Editorial: Oh, Lord ...

Press review: In the name of the Lord

Bell Pottinger: Hatchet Man

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