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Autor

Sarah Sommer

Freie Autorin

verfasst am

09.07.2018

im Heft

07/2018

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Ausgabe 07/2018

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Blockchain

Bereit für den Hype?


Der Hype um die Blockchain-Technologie erinnert an die Dotcom-Blase. Unternehmen aller Branchen fragen sich, ob die nächste digitale Revolution im Gang ist und wollen den Anschluss nicht verpassen. 
Die Zielgruppe von Krypto-Start-ups ist sehr speziell. Wie reagiert die Agenturszene  auf den Buzz? Zieht die Kundennachfrage rund um Blockchain an? 


Alle reden über Blockchain. Die Technologie soll ganze Branchen umkrempeln und die Weltwirtschaft auf den Kopf stellen, heißt es. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung rät: "Wer Geld von Investoren haben möchte, sollte irgendwo in seinem Vortrag das Wort Blockchain einbauen." Der Hype um die Technologie ist also in vollem Gang. 

"Warum sollten wir die Welle nicht ebenfalls reiten können?", fragt sich da die Münchner Agentur PR-COM in ihrem Blog. Und verkündet: "PR-COM startet disruptives Blockchain-Projekt!" Blockchain, so die Argumentation, könnte auch die PR auf den Kopf stellen. In einem Pilotprojekt wolle die Agentur untersuchen, wie man Presseinformationen in einer Blockchain abbilden könnte. "In einer nächsten Phase könnte es sogar möglich sein, dass über Smart Contracts (ein Kind von Blockchain) automatisch Presseinformationen für die Blockchain generiert werden."

War natürlich Spaß: Die PR-Agentur nimmt in dem Beitrag den derzeitigen Blockchain-Hype auf die Schippe, der schon in die zweite Runde geht. Bekannt wurde die Technologie, mit deren Hilfe Informationen in kryptografisch verschlüsselte Datenblocks verpackt und auf Rechnern weltweit fälschungssicher und transparent gespeichert werden können, in der Finanzindustrie. Krypto-Währungen wie der Bitcoin basieren auf dezentralen Blockchain-Datenbanken. 

Das war der erste Hype – Spekulationsblase und aufgeregte Debatten über das Ende der klassischen Finanzwirtschaft inklusive. Seit Ende 2017 propagieren Anhänger der Technologie nun, dass deren Potenzial sehr viel größer sei. Nach der Finanzwirtschaft sollen Blockchain-Anwendungen die Realwirtschaft auf den Kopf stellen. 

Nahezu jede Branche und jeder Unternehmensbereich würden durch Blockchain-Anwendungen neu gestaltet, sagen Fans der Technologie. Sie versprechen sich von der Krypto-Technik nicht weniger als eine Revolution der Wirtschaftswelt und der Gesellschaft. Die Geschichten, die sie rund um die Potenziale der Technologie erzählen, klingen verheißungsvoll.

Werden Intermediäre wie Energieversorger und Plattenfirmen bald obsolet? Genauso zentrale Kontrollinstanzen wie Zentralbanken, Zentralregister, Grundbuchämter und Notare? Haben Autos künftig Krypto-Chips statt Kennzeichen? Werden Monatsabos und -verträge, zum Beispiel für Mobilfunknutzung oder für öffentliche Verkehrsmittel, durch Peer-to-Peer-Abrechnungssysteme auf Blockchain-Basis ersetzt? Werden "Datenkraken" wie Google und Facebook entmachtet, weil in der dezentralen Blockchain-Welt zentrale Plattformen nicht mehr gebraucht werden und jeder Mensch und jedes Ding eine unverfälschbare digitale Identität erhält? Wählen wir bald unsere Politiker über die Blockchain? Und: Was bedeutet das alles für Unternehmen und Organisationen, deren Geschäftsmodelle durch solche Lösungen infrage gestellt würden? 

"Längst nicht alles, was man zum Thema liest, ist fundiert und realistisch", beruhigt Rainer Doh von PR-COM. Der leitende Redakteur der Agentur hat den ironischen Blog-Beitrag zum Blockchain-Hype verfasst und ist skeptisch, ob sich hinter all den schönen Geschichten über die künftige Blockchain-Wirtschaftswelt wirklich handfestes Veränderungspotenzial verbirgt. "Wenn man genauer hinschaut, steckt hinter den Produkten und Lösungen auf Blockchain-Basis, die beschrieben werden, wenig Konkretes", konstatiert er. "Echte Produkte und Lösungen mit einem echten Mehrwert habe ich jedenfalls noch nicht gesehen." 

Sein Chef Alain Blaes, Geschäftsführer von PR-COM, beobachtet den Hype ebenfalls eher kritisch. "Wie bei vielen aktuellen Technologiethemen sehen wir, dass die Debatten rund um Blockchain sehr aufgeheizt geführt werden", sagt er. Das Spektrum der Debattenbeiträge bei Technologie-Trends wie etwa Künstlicher Intelligenz reiche von "größter Fehler der Menschheitsgeschichte" bis hin zu "größtem Segen für die Weltgesellschaft". Eine enthusiastische Blockchain-Szene mit Kurs auf die Weltrevolution steht ebenso leidenschaftlichen Gegnern der Technologie gegenüber, die hinter der Blockchain eine Technik zur Totalüberwachung durch totalitäre Staaten vermuten. 

Viele IT-Unternehmen beobachten solche moralisch und ideologisch aufgeladenen Diskussionen irritiert, berichtet Blaes. "Die sehen natürlich, dass da gerade viel Aufmerksamkeit ist, merken aber auch: In einem solchen Spannungsfeld ist es nicht ganz einfach, sich zu positionieren." Die Herausforderung für Kommunikationsprofis in Agenturen sieht Blaes darin, Kunden bei dieser Positionierung zu beraten. "Man kann bei solchen Hype-Themen auch mitreden und Kompetenz signalisieren, indem man sich als neutraler oder sogar skeptischer Beobachter positioniert." Solche ruhigen, einordnenden Stimmen seien gerade auf dem Höhepunkt eines Hype-Zyklus durchaus gefragt. 

Andere Agenturen hingegen sehen die wachsende Krypto-Szene als attraktives neues Geschäftsfeld – und positionieren sich mit einem auf die Zielgruppe in Start-ups und interessierten Konzernen zugeschnittenen Auftritt. So hat etwa die Schweizer PR- und Public-Affairs-Agentur furrerhugi eine eigene Blockchain-Marke gegründet. Unter dem Label "Narwal Blockchain PR" wollen die Schweizer Krypto-Start-ups, potenzielle Investoren, Kunden und Regulatoren beraten. 

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins mehr darüber, wie die Agenturszene auf den Hype um Blockchain reagiert.

Die Juli-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Aufbruchstimmung: Während der Autobauer im Dieselsumpf festgefahren scheint, blickt PR-Chef Josef Arweck hoffnungsvoll nach vorn.

Aufsichtsräte: Werden die Kontrolleure in die Konzernkommunikation integriert oder ausgegrenzt? Eine Dax-Umfrage.

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