Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock/André Schmidt-Carré

Freie Autoren

verfasst am

08.10.2018

im Heft

10/2018

Schlagworte

China, Investoren, Unternehmenskäufer, M&A, CNC Communications & Network Consulting, Hering Schuppener, Brunswick, Kirchhoff, ConsultNingbo Jifeng, Grammer, Midea, Kuka, Leifeld Metal Spinning, Yantai Taihai, SGCC, 50 Hertz, AT&M, Cotesa,

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Ausgabe 10/2018

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Chinesische Investoren

Der tut nix


Chinesische Investoren haben es hierzulande derzeit schwer. Öffentlichkeit und Politik wittern bei der geplanten Übernahme eines deutschen Unternehmens reflexartig Technologieausbeutung und fiese Tricks aus Peking. Für die auf M&A spezialisierten Kommunikationsberater ist das ein spannender Job – zumal die Chinesen immer häufiger anerkennen, dass die Hilfe von PR-Profis tatsächlich helfen kann, Akquisitionen erfolgreich zu gestalten.


Ende August war es so weit: Der chinesische Automobilzulieferer Ningbo Jifeng übernahm die Mehrheit am deutschen Mittelständler Grammer aus dem bayrischen Amberg, ein Unternehmen mit rund 13.000 Mitarbeitern. Jifeng trat als sogenannter weißer Ritter auf. Die Chinesen, die schon lange mit Grammer zusammengearbeitet hatten, waren dem börsennotierten Mittelständler zur Seite gesprungen, um gemeinsam den aggressiven, ebenfalls an Grammer beteiligten Investor Hastor loszuwerden. Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen – und ein, gemessen an der Größe des Unternehmens, immenses Medieninteresse. 

Jifeng nutzte seine Chance und engagierte die Münchner Finanzkommunikationsberater von CNC, um sich öffentlich in gutem Licht zu präsentieren. „Unser Ziel war es von Anfang an klarzumachen, dass der chinesische Investor auch ein mittelständisches Unternehmen ist“, sagt CNC-Kommunikationsexperte Harald Kinzler, der Jifeng während er Übernahme von Grammer beraten hat. Und dass die Chinesen die Guten sind. Man darf die Strategie als gelungen bezeichnen. 

Gemeinhin werden chinesische Investitionen in Form von Beteiligungen und Unternehmensübernahmen hierzulande eher skeptisch beäugt. In den vergangenen Jahren hat die Aufmerksamkeit dafür stark zugenommen, weil immer mehr Chinesen sich nach deutschen Mittelständlern umschauen. Das Besondere im Vergleich zu Investitionen aus anderen Ländern: Die chinesischen Kaufinteressenten stehen im Verdacht, deutsches Know-how abgreifen zu wollen.

Häufig haben die Investitionen aus Fernost auch eine politische Dimension. Die chinesische Staatsführung will mit ihrer Strategie „Made in China 2025“ bestimmte Hochtechnologiebranchen fördern. Hiesige Mittelständler begreifen das als Kampfansage und wehren sich – auch mittels Öffentlichkeitsarbeit. Ergebnis: „Derzeit stehen chinesische Investoren hierzulande besonders unter Beobachtung“, sagt Phoebe Kebbel, Managing Partner bei der Kommunikationsberatung Hering Schuppener in Frankfurt. 

Für Kommunikationsprofis, die sich in den Dienst der Investoren stellen, ist die Ausgangslage also anspruchsvoll, zumal chinesische Unternehmen traditionell nur ungern mit der Öffentlichkeit reden. „Unsere größte Herausforderung war die negative Stimmung hierzulande gegenüber chinesischen Investoren“, bestätigt CNC-Berater Kinzler, der die Grammer-Übernahme aufseiten des Käufers begleitete. „Wichtig war deshalb klarzumachen, dass Jifeng kein typischer chinesischer, von staatlicher Seite unterstützter Investor ist, der es auf deutsche Hochtechnologie abgesehen hat, und unsere Transaktion aus der Generaldebatte um chinesische Investoren hierzulande rauszuhalten.“ Ein wesentlicher strategischer Vorteil für die CNC-Kommunikatoren: Grammer stand von Anfang an hinter der angestrebten Übernahme durch Jifeng. „Auch das war in der Kommunikation ein wichtiger Punkt“, sagt Kinzler.

CNC wählte deshalb den „großen Medienaufschlag“. Kinzler arrangierte Interviews mit Wirtschaftsblättern wie Handelsblatt, FAZ und FAS sowie mit der regionalen Presse. Im Schlepptau: Jifeng-Juniorchef Jimin Wang, dessen Vater das Unternehmen einst gegründet hatte. Der 32-Jährige trat bei den Terminen im Hemd und ohne Binder auf, beantwortete geduldig und freundlich sämtliche Fragen in fließendem Englisch. So gab er dem völlig unbekannten Unternehmen ein freundliches Gesicht. Herr Wang schien in Ordnung zu sein. 

CNC war es zudem wichtig, sämtliche Interessengruppen anzusprechen und auf dem Weg die Arbeitnehmer von Grammer ins Boot zu holen, sagt Kinzler. Dazu brauchte es nicht nur Worte, sondern auch inhaltliche Zusagen. Jifeng gab zum Beispiel umfangreiche Arbeitsplatzgarantien ab. Und die Berater kommunizierten früh mit sämtlichen politischen Ebenen, die mit der Sache zu tun haben würden – bevor Journalisten sie zu der Übernahme befragten. Der Oberbürgermeister am Unternehmenssitz in Amberg, der bayrische Wirtschaftsminister und der Staatssekretär im Bundeskanzleramt – sie alle bekamen eine E-Mail, die den Sachverhalt erklärte. 

Für Kinzler lieferte die Übernahme ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Einstellung chinesischer Investoren wandeln lässt – und das wirke auch nach China. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie im Oktober im prmagazin, mit welchen Strategien Kommunikationsberater Öffentlichkeit und Politik von den Ansinnen chinesischer Investoren zu überzeugen versuchen, warum Investoren aus Fernost den Nutzen von PR heute eher verstehen und wie die Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) die Kommunikation erschwert.

Die Oktober-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

The Perfect Match: Wie Ex-Reporterin Nicola Leske die diversen Interessen bei SAP managt, dem wohl globalsten Unternehmen Deutschlands.

Management-Tools: Wer will, dass Manager anderer Unternehmensfunktionen ihm zuhören, muss ihre Sprache sprechen.

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