Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

08.11.2019

im Heft

11/2019

Schlagworte

Compliance, Compliance-Kommunikation, Integrität, Wertekommunikation, Dieselskandal, A&B One, Hochschule Darmstadt

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Ausgabe 11/2019

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Compliance-Kommunikation

Ethischer Kompass


Compliance ist in den meisten Unternehmen Standard, dennoch scheinen sich Missstände wie der Dieselskandal zu häufen. Eine Umfrage der Agentur A&B One und der Hochschule Darmstadt zeigt: Die meisten Firmen nehmen ihre eigenen Werte nicht ernst. Das liegt auch daran, dass die Bedeutung von Compliance-Kommunikation unterschätzt wurde.


Vor Kurzem erhielt Andreas Suchanek einen Anruf aus der Führungsetage eines Dax-Konzerns.
Kurzfassung: „Die wollten wissen, was ,Ethik‘ im Unterschied zu CSR und Werten bedeutet“, sagt Suchanek. „So eine Anfrage habe ich zum ersten Mal bekommen.“

Eigentlich sollte man meinen, dass Führungskräfte häufiger mal zu dem Thema anklopfen: Suchanek ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der HHL Leipzig Graduate School of Management, hat Bücher zur Ethik in Unternehmen veröffentlicht und hält regelmäßig Vorträge über Unternehmensverantwortung und Compliance.

Doch erst jetzt – nachdem Theoretiker wie er seit Jahrzehnten über ethisches Management geredet haben – scheinen sich auch Manager dafür zu interessieren. „Da tut sich gerade etwas“, beobachtet der Wissenschaftler. Er findet die Spätzündung bedauerlich, weil einiges an Schaden hätte vermieden werden können.

Die Compliance-Szene fordert schon länger, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht nur mit detaillierten Verhaltensvorschriften gängeln sollten, damit die sich an Recht und Gesetz sowie an selbst gesetzte Regeln halten (also „compliant“ sind) – sondern dass sich die Organisation eine echte, ernst gemeinte Ethik zulegt, einen Wertekanon, der nicht nur auf dem Papier steht. 

Nun diffundiert die theoretische Erkenntnis in die Praxis, und das hat nicht zuletzt mit Volkswagen zu tun. Der Autobauer verfügte über umfassende Compliance-Systeme. Trotzdem produzierten die Wolfsburger einen der größten Betrugsskandale der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, sollen systematisch Dieselmotoren manipuliert und das Ganze dann vertuscht haben. Seit dieser Skandal bekannt geworden ist, stellt Stephan Grüninger, Leiter des Konstanz Institut für Corporate Governance (KICG), regelmäßig die provokante Frage: „Warum funktionieren unsere Compliance-Systeme eigentlich nicht?“ 

Die Antwort ist in Variationen immer die gleiche: weil die Unternehmen es nicht wirklich ernst meinen. „Wenn Compliance nicht ernsthafter Teil der Unternehmenskultur ist, scheitern alle Maßnahmen kläglich“, sagt Matthias Glötzner, Seniorberater bei der auf den Mittelstand spezialisierten Münchner Agentur Engel & Zimmermann. Er weiß: „Compliance versagt, wenn es primär um die Inszenierung nach außen geht.“

Es ist paradox, sagen deutsche Compliance-Kommunikatoren: Einerseits entdeckt die Wirtschaft gerade schmerzhaft, wie wichtig echte, ernst gemeinte Wertorientierung ist. Andererseits beobachten die Berater aber, dass die große Mehrheit ihrer Auftraggeber das Thema immer noch eher stiefmütterlich und oberflächlich behandelt. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie unserer November-Ausgabe, wie die Missstände in puncto Compliance zustandekommen und wie die Kommunikation das Thema Compliance unter dem Leitbild der Integrität neu erfinden muss.

Die prmagazin-Ausgabe 11/2019 – darin unter anderem:

Der Privatsekretär: Andreas Möller versteht sich als rechte Hand von Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller – kein ganz normaler PR-Job.

Ethischer Kompass: Die meisten Firmen nehmen ihre Werte nicht ernst – auch weil die Bedeutung von Compliance-Kommunikation unterschätzt wurde.

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