Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

im Heft

04/2018

Stada

Der Komplize


„Am schlimmsten an solchen Diadochenkämpfen ist, dass niemand mehr an die Mitarbeiter denkt“: Kommunikationschef Frank Staud über die heiße Phase bei Stada.


Aktivistische Investoren, unzählige Spin-Doktoren, ein abservierter Chef: Für den Pharmakonzern Stada glich das Jahr 2017 einer Achterbahnfahrt. Der neue CEO Claudio Albrecht holte im September seinen Duz-Freund Frank Staud als Kommunikationschef. Die beiden gelten als gutes Gespann. Sie sollen das Unternehmen umbauen und gleichzeitig Ruhe hineinbringen.


Er war beim Privatradio, hat als Chefredakteur eine der größten Tageszeitungen Österreichs geleitet und einen Boulevardtitel mitentwickelt. Frank Staud ist als Journalist mit allen Wassern gewaschen. Bis der Mann sprachlos ist, muss schon einiges geschehen. Und doch ist ihm genau das in seinen ersten Tagen bei Stada passiert.

Staud war zu einem harmlosen Antrittsbesuch bei der Bild am Sonntag in Berlin. Er hatte kaum den Small Talk abgehakt, als die Redakteure ihm ein vertrauliches Stada-Papier auf den Tisch knallten – mit der Bitte um einen Kommentar. „Dieses Papier war hoch sensibel und geheim“, erinnert sich Staud. „So geheim, dass die wenigen Exemplare im Umlauf sogar namentlich markiert waren.“ Und doch lag es da vor ihm. „Das zeigt, was in dem Unternehmen los war zu der Zeit“, sagt Staud.

Der Österreicher ist seit September 2017 Kommunikationschef von Stada. Geholt hat ihn der neue CEO Claudio Albrecht, der ehemalige Chef von Ratiopharm. Staud ist froh, dass inzwischen Ruhe eingekehrt ist, denn als er den Job übernahm, hatte der Pharmakonzern gerade anderthalb Jahre mediales Kreuzfeuer hinter sich. Großaktionäre schossen gegen den Vorstand, der Aufsichtsrat gegen die eigenen Manager. Nach unzähligen Offerten, Gegenofferten und medialen Schlammschlachten kauften zwei Private-Equity-Fonds das Unternehmen schließlich.

Stada war zuvor lange Zeit ein eher unauffälliges Unternehmen gewesen, für das sich fast nur Fachjournalisten interessierten. Hartmut Retzlaff, ein früherer Pharmavertreter, der sich bei Stada hochgearbeitet hatte, leitete die Firma seit Jahrzehnten. Er war im Jahr 1986 Leiter Marketing und Vertrieb und 1994 schließlich Vorstandsvorsitzender geworden.

Durch geschickte Zukäufe machte er aus der Apothekergenossenschaft „eine echte Story“ (Handelsblatt), und Stada wurde als Übernahmekandidat immer interessanter. Weil Retzlaff das Unternehmen Beobachtern zufolge aber mit den Jahren mehr und mehr führte, als gehöre es ihm – inklusive lukrativer Posten für den eigenen Sohn –, nahmen ihn 2016 aktivistische Investoren ins Visier.

Die Investmentfirma Active Ownership Capital (AOC) versuchte, Retzlaff und seine Seilschaften aus dem Unternehmen zu drängen – mit dem Ziel, Stada für potenzielle Käufer hübsch zu machen und den Preis hochzutreiben, sagen Beobachter. Im August 2016 schied Retzlaff aus, doch dann ging der „Sommerkrimi der deutschen Wirtschaft“ (manager magazin) erst richtig los.

Nicht nur traten Private-Equity-Fonds mit Übernahmeangeboten auf den Plan. Die meisten Beteiligten hatten sich auch die Unterstützung von Kommunikationsberatern für die anstehende Schlammschlacht eingekauft. AOC arbeitete Presseberichten zufolge mit Charles Barker, Stada-Aufsichtsratschef Martin Abend mit Newmark, sein späterer Nachfolger Carl-August Oetker heuerte CNC-Partner Roland Klein an. Retzlaffs Erbe als Stada-CEO, Matthias Wiedenfels, engagierte Hering Schuppener – deren M&A-Experte Sebastian Krämer-Bach wurde zeitweise sogar Kommunikationschef des Hauses.

„Da waren so viele Strippenzieher am Werk, es war Wahnsinn“, sagt ein Fachjournalist. Sven Clausen, stellvertretender Chefredakteur des manager magazins, spricht diplomatisch von der „Vielstimmigkeit der Kommunikation“, die das vergangene Jahr geprägt habe. Die einzelnen Parteien, lobt er, hätten das durchaus alle sehr professionell gemacht. Nur: „Wenn die jeweiligen Mandanten unterschiedliche Interessenlagen haben, kann es schon mal spannungsreich werden.“

Unter Retzlaff-Nachfolger Wiedenfels wurde der Weg für die Übernahme frei gemacht. Kaufinteressenten wie Permira, Advent, Bain Capital und Cinven brachten sich in Stellung, Retzlaff Junior verließ das Unternehmen kurz nach Ende der Bieterschlacht. Der neue Aufsichtsrat Oetker schasste Wiedenfels, weil der angeblich nicht gründlich genug mit dem System Retzlaff aufgeräumt hatte. Auch Kurzzeit-Kommunikator Krämer-Bach musste seinen Posten räumen.

Das erste Kaufangebot von Bain und Cinven scheiterte, wohl weil einige Stada-Großaktionäre auf einen höheren Preis spekuliert hatten. Im zweiten Anlauf bekamen die Investoren genügend Anteilseigner zusammen, die bereit waren, ihre Papiere zum vorgesehenen Kurs herzugeben. Seit Ende August gehört Stada den beiden Private-Equity-Fonds.

Ex-Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht, der die Käufer mit seiner Beratungsfirma in dem Prozess begleitet hatte, wurde CEO und brachte seinen alten Fahrensmann Frank Staud als Kommunikator mit. Der sagt auf seine unnachahmliche, österreichische Art und mit einem breiten Lachen: „Ich glaube, so positiv wurde in Deutschland noch nie über die Übernahme einer Firma durch Private-Equity-Unternehmen berichtet.“

Und er schiebt nach: „Die ganzen Berater haben hier publizistisch ordentlich umgerührt. Jetzt wollen wir für eine Beruhigung sorgen und arbeiten aktuell ohne externe Berater in der Kommunikation.“ Die Schlacht um Stada sei natürlich ein Fest für die Wirtschaftspresse gewesen. Er nimmt es den Journalisten nicht übel.

Staud richtet sich auf einen längeren Aufenthalt ein, auch wenn sein Chef und Mentor Claudio Albrecht schon angekündigt hat, das Zepter im September an den Novartis-Manager Peter Goldschmidt weiterzureichen. „Ich bin zur Stada mit der Perspektive gewechselt, langfristig hier zu arbeiten“, sagt Staud. „Sonst wäre ich nicht nach Frankfurt übergesiedelt.“ Aber wie im Fußball entscheide letztlich nur der Trainer, mit welchem Team er spielt. Er würde jedenfalls gern weitermachen.

Dieser Text ist ein Auszug. Das komplette Porträt über Frank Staud und die Stada-Kommunikation lesen Sie in der April-Ausgabe des prmagazins.


Die April-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Der Komplize: Nach der Achterbahnfahrt bei Stada soll Frank Staud den Umbau des Pharmakonzerns begleiten und für Ruhe sorgen.

LinkedIn: Das soziale Netzwerk gilt als neues Facebook für Unternehmen. Warum Firmen und Führungskräfte auf die Plattform stehen.

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