Parteisprecher (2): Die Linke
Der Optimist
In den Medien hat sich Die Linke in den vergangenen Monaten vor allem mit internen Streitigkeiten hervorgetan. Ihr Sprecher Alexander Fischer glaubt trotzdem an einen Erfolg bei der Bundestagswahl 2013. Bis dahin liegt noch eine Menge Arbeit vor ihm. Teil zwei unserer Porträtserie über die Öffentlichkeitsarbeiter der Bundesparteien in Berlin.

„Mit kohärentem Auftreten, charismatischen Köpfen und zwei, drei guten Themen können wir 2013 zweistellig werden“, glaubt Alexander Fischer. (Foto: Jan Zappner)
Um halb zehn, viel später als geplant, betritt Alexander Fischer an diesem Montagmorgen das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin-Mitte. In Jeans und Jackett kommt der Sprecher der Bundespartei der Linken direkt aus dem Hauptstadtstudio des Nachrichtensenders N-tv, wo Parteichef Bernd Riexinger ein Statement zur Wahl in Griechenland abgegeben hat. „Normalerweise muss ich bei so einem Termin nicht mitgehen“, sagt Fischer. „Heute musste Riexinger aber zum ersten Mal für eine Liveschaltung zu dem Sender.“
Alexander Fischer arbeitet schon länger mit den Berliner Medien zusammen als sein Chef. Seit zweieinhalb Jahren kommuniziert der 37-Jährige für die Bundes-Linke. Riexinger und Katja Kipping sind wenige Tage vor dem prmagazin-Besuch in der Parteizentrale zur neuen Doppelspitze gewählt worden. Sie sollen die Linke zurück in die Erfolgsspur bringen.
Die vergangenen Monate sahen alles andere als rosig aus. Berichte über innerparteiliche Querelen bestimmten die Schlagzeilen, in den jüngsten Landtagswahlen büßte die Linke Wählerstimmen ein, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein verpasste sie den Einzug ins Parlament. Auch die Stimmungswerte für die Bundestagswahl im kommenden Jahr fallen dürftig aus. Mehr als sieben Prozent bekommt die Linke bei keinem Umfrageinstitut. Fischer glaubt trotzdem an den Erfolg: „Mit kohärentem Auftreten, charismatischen Köpfen und zwei, drei guten Themen können wir zweistellig werden.“
Das bedeutet viel Arbeit für die kommenden Monate: „Nach so schwierigen Personalentscheidungen mit der entsprechenden Berichterstattung ist es ein weiter Weg zurück zu den Inhalten “, sagt der gebürtige Dresdener mit leichtem sächsischen Akzent. Fischer wirkt, als stelle er sich auf einen Marathon ein. Nervös macht ihn das offenbar nicht.
Ein erster Schritt könnte die Wahl in Griechenland gewesen sein, wo Alexis Tsipras mit dem Bündnis der radikalen Linken Syriza den Wahlsieg knapp verfehlte. „Holen die Medien Statements zur Wahl bei den Parteien in Deutschland ein, ist unsere Meinung natürlich relevant“, erklärt Fischer das Interesse von N-tv. Auch die heutige Pressekonferenz der Linken, wie jeden Montag um 13 Uhr im Erdgeschoss der Parteizentrale, dreht sich um den Urnengang in Hellas.
Dass ihr griechischer Kollege Alexis Tsipras, Hauptkonkurrent von Gewinner Antonis Samaras, die Wahl nicht für sich entschieden hat, findet Fischer auch deshalb schade, weil er ihn persönlich kennt und schätzt, „aus Zeiten, als er noch nicht Führer einer 27-Prozent-Partei war, sondern einer, die viereinhalb Prozent Wählerstimmen auf seiner Seite hatte“.
Tsipras sei klug, charismatisch und moderat. Bei der Linken in Deutschland würde man ihn nicht dem radikalen Flügel zuordnen, sagt Fischer. Noch gut erinnert er sich an den Berlin-Besuch des Syriza-Chefs vor wenigen Wochen, bei dem Fischer mit ihm ein Positionspapier der Bundespartei besprach: „Die Griechen haben sich gewundert und gesagt, die Thesen seien radikaler als das, was sie in Griechenland propagieren.“
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