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Autor

Redaktion

verfasst am

05.07.2019

im Heft

07/2019

Schlagworte

Organspenden, Social Media, Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

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Ausgabe 07/2019

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Organspenden

Kleine Nuance, große Wirkung


Die Reaktionen auf drei Facebook-Posts von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigen: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.


Schon Nuancen in Wortwahl und Schwerpunktsetzung von Social-Media-Posts beeinflussen, ob User sachlich oder emotional reagieren. Das zeigen die Facebook-Beiträge von Gesundheitsminister Jens Spahn zum Thema Organspende. Eine Analyse von pressrelations für das prmagazin.

In Deutschland warten 9.400 Patienten auf ein Spenderorgan. Die Spendenbereitschaft gilt mit 84 Prozent als grundsätzlich hoch. Aber wer keinen Spenderausweis hat, kommt im Todesfall nur dann als Organspender infrage, wenn seine Angehörigen zustimmen. Folge: Es gibt viel zu wenige Spender in Deutschland.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und eine Gruppe von SPD- und Unionsabgeordneten wollen deshalb das Prozedere umkehren. Am 19. März brachten sie einen Gesetzentwurf zur Neuregelung im Transplantationsgesetz ein, der eine doppelte Widerspruchslösung vorsieht. Jeder Bundesbürger über 16 Jahre soll bis zu dreimal angeschrieben, über die Änderungen informiert und aufgeklärt werden. Wer nicht widerspricht, gilt automatisch als Spender.

Spahn setzt sich in Social Media seit Jahresanfang für den Gesetzentwurf ein. Die Reaktionen auf drei unterschiedlich formulierte Beiträge fallen ebenfalls sehr unterschiedlich aus: 

Am 17. Januar veröffentlicht Spahn in einem Facebook-Post seine Bundestagsrede, in der er den Gesetzentwurf ankündigt: „Die Debatte zur Organspende zeigt Wirkung. Die Zahlen sind gestiegen. Das ist gut, aber noch nicht gut genug. Im Bundestag habe ich heute einen Gesetzentwurf für weitere Verbesserungen bei den Abläufen in der Organspende vorgestellt.“ Sogar ein Video ist ein  gestellt. Dennoch gibt es gerade einmal 201 Likes und Reaktionen sowie 388 Kommentare. 35-mal werden die Inhalte geteilt. 

Am 1. April postet Spahn erneut und relativ kurz. Er begründet den Gesetzentwurf mit der hohen Zahl der transplantationsbedürftigen Menschen und der grundsätzlich hohen Spendenbereitschaft: „Aber nur jeder 3. Deutsche hält diese Entscheidung auch auf einem Organspendeausweis fest.“ Mit 590 Reaktionen löst er einen Peak aus: In 396 Likes erhält er mehr als doppelt so viel Zustimmung wie zu seinem Januar-Post. Aber auch die Zahl der „Wütend“-Reaktionen ist mit 151 mehr als zehnmal so hoch. Die Reaktionen in den 866 Kommentaren sind überwiegend sachlich formuliert. Spahn antwortet auf wichtige Aspekte in den Kommentaren selbst. 

Am 1. Juni, dem „Tag der Organspende“, bedankt sich Spahn in einem emotionalen Facebook-Post bei Menschen, die es durch ihre Organspende ermöglicht haben, das Leben anderer Menschen zu retten. Er erinnert daran, dass immer noch zu viele Patienten auf ein Spenderorgan warten, und plädiert erneut für den Gesetzentwurf. 

Auch die Reaktionen auf diesen Beitrag entsprechen Spahns Post in Tonalität und Schwerpunktsetzung. Er löst 502 Likes aus, mehr als dreimal so viele wie der Ankündigungs-Post vom 17. Januar.  Vermutlich motiviert von den emotionalen Worten, sprechen Befürworter in den Kommentaren von ihrer eigenen Organtransplantation und Dankbarkeit für die Spender.

Aber auch die Gegner sind in ihrer Wortwahl aufgebrachter. Bei den 1.232 Kommentaren reagiert Spahn sowohl auf Zuspruch als auch auf Kritik: Fürsprechern dankt er, Kritikern antwortet er fachlich begründet und sachlich-nüchtern. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in unserer Juli-Ausgabe, wie sich die Bundesregierung und die politischen Parteien im Social Web zum Thema Organspende positionieren und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen für den Zusammenhang zwischen Tonalität/Schwerpunktsetzung und den Reaktionen der User.


Die prmagazin-Ausgabe 07/2019 – darin unter anderem:

Netzwerken ist Emanzipation: GDW-Gründerin Tijen Onaran und Bahn-Marketingchefin Antje Neubauer über Machtspiele und Geschlechter-Stereotype.

Dritter Weg: Zwischen One-Stop-Shop und Spezialdienstleister – Matthias Wesselmann skizziert einen Bauplan für die #AgenturderZukunft.

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