Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Journalist

im Heft

8/2012

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IPO-Kommunikation

Exotische Nische

Während das Geschäft mit Börsengängen deutscher Unternehmen lahmt, betreten immer mehr Chinesen das Frankfurter Parkett. Die meisten engagieren zur Unterstützung die PR-Agentur Kirchhoff Consult. Auf dem kleinen, lukrativen Feld sind die Hamburger Marktführer für IPO-Kommunikation.

Der Meeresfrüchtehändler Haikui Seafood ist eine von drei chinesischen Firmen, die die Agentur Kirchhoff in diesem Jahr in den Prime Standard der Deutschen Börse begleitet. (Foto: Martin Joppen)

Das Gefühl, Marktführer zu sein, war Klaus Rainer Kirchhoff vermutlich längst abhandengekommen. Doch 2012 ist der Mann, der zu Zeiten des Neuen Markts schon einmal zu den gefragtesten Begleitern von Börsengängen gehörte, wieder ganz weit vorn: Drei von bislang vier Börsengängen dieses Jahres im Qualitätssegment Prime Standard der Deutschen Börse gehen PR-mäßig auf Kirchhoffs Konto – es geht um Unternehmen mit einem Börsenwert von insgesamt rund 350 Millionen Euro.

Abgesehen von der Lotto 24 AG, die sich beim IPO von FTI Consulting beraten ließ, haben die Hamburger den Markt für sich. Und das aus einem kuriosen Grund: Mit dem Meeresfrüchtehändler Haikui Seafood und den Kleidungsherstellern MingLe Sports und Fast Casualwear wagten sich neben der Glücksspielmarke nur kleinere chinesische Mittelständler in das am stärksten regulierte Segment der Frankfurter Börse. Und für die ist Kirchhoff eine echte IPO-Größe. Während das Geschäft im Inland fast versiegt ist, hat die Agentur seit 2007 acht Chinesen beim Deutschland-Börsengang im Prime Standard begleitet. Elf der zwölf dort notierten Firmen lassen sich von ihr bei IR und PR beraten. Dazu kommen Mandate für Erstnotizen in schwächer regulierten Segmenten des grauen Kapitalmarkts.

Die Agentur verbreitet Ad-hoc-Meldungen, schreibt Geschäftsberichte, hält Kontakt zu Analysten und fungiert in der Regel als deutsche Pressestelle. „Mit den Unternehmen haben wir das schwächere Geschäft in den Krisenjahren 2009 und 2010 gut stabilisiert“, sagt Kirchhoff- Vorstand Kay Baden. Er selbst war bisher nicht ein einziges Mal in China, zwischenzeitlich aber Pressekontakt für so unterschiedliche Firmen wie den Mobilfunkkartenanbieter Vtion, Pappenhersteller Youbisheng und den Produzenten von Stromaggregaten United Power Technology. „Das sind zwar kleinere Kunden, doch sie sind ihren Dienstleistern ungewöhnlich treu“, erzählt Baden.

Im Lauf der Jahre haben die Hamburger einen Blick für die Wünsche und Anforderungen der exotischen Kundengruppe entwickelt. Das macht es einfach, weitere Börsenneulinge zu gewinnen. „Ich hätte selbst nie gedacht, dass wir da in eine solch herausragende Position kommen“, so Baden. Zumal der Dienstleister an die ersten Aufträge eher zufällig geriet: über Kontakte zur Bank Sal. Oppenheim. Die betreute 2007 die ersten beiden chinesischen Börsengänge in Frankfurt, Zhong De Waste und Asian Bamboo – und fragte bei Kirchhoff an, ob die Hanseaten die Pflichtkommunikation stemmen wollten. „Inzwischen hat sich bei uns viel Know-how gebildet“, sagt Baden.

Das weiß die Agentur zu nutzen. Denn während die Liste der Börsenkandidaten hierzulande seit Jahren wächst, ohne dass ein größeres Unternehmen tatsächlich den Aktienverkauf einleiten würde, ignorieren die Chinesen die vergleichsweise schlechten Rahmenbedingungen – und wagen sich trotz zuletzt magerer Ergebnisse reihenweise aufs Parkett. So erlöste der erste Börsengänger des Jahres, Haikui Seafood, statt erhoffter 22,4 Millionen Euro nur rund drei Millionen Euro. Auch MingLe Sports und Fast Casualwear verfehlten ihre Ziele deutlich und konnten bisher auch keine Kursgewinne einfahren.

Für Herbst hat sich ein Schwung weiterer Börsenneulinge angekündigt, zuletzt etwa der Fußpflegefilialist China Liangtse Wellness. Für die Agentur Kirchhoff, die hoffen darf, einen Großteil der IR- und PR-Mandate einzuheimsen, bleiben die Aussichten rosig. „Die Chinesen schauen nicht so sehr auf die Erlöse“, sagt Kirchhoff. „Denn sie verbinden auch andere Ziele mit der Notierung in Deutschland.“

 

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Darin unter anderem:
Zeitenwende: Interne und externe Kommunikation verschmelzen zunehmend.
Zwitscherprofis: Ein Besuch in der Social-Media-Keimzelle der Allianz.

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