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Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

06.08.2018

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Ausgabe 08/2018

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Führungskräftekommunikation

Es lebe die Lehmschicht


Moderne Führungskräftekommunikation kommt nicht ohne digitale Medien aus. Viel wichtiger aber ist der persönliche Austausch: zwischen CEO und Führungsmannschaft, Managern und Mitarbeitern – und nicht zuletzt der Führungskräfte untereinander.


Überall erfinden sich Unternehmen digital neu. Ob der Umbruch gelingt, hängt wesentlich von der Führungskräftekommunikation ab. Doch die ist schwieriger denn je: Das mittlere Management, an dem vieles hängt, ist oft selbst von Job- und Machtverlust bedroht. Insbesondere die großen Familienunternehmen zeigen, wie es funktioniert.


Bis vor zwei Jahren hieß „Führungskräftekommunikation“ beim Elektromotoren-Hersteller ebm-papst im baden-württembergischen Mulfingen:
Einmal pro Woche tagte die Geschäftsführung und entschied, welche Infos sie im Nachgang „top down“ an die unteren Ebenen weitergeben wollte. Viele Informationen schafften es nicht durch die Kaskade, denn die Unternehmenskommunikation unter Hauke Hannig war mit klassischer Medienarbeit beschäftigt. „Wir wollten unsere Bekanntheit erhöhen“, sagt Hannig. 

Die Führungskräfte aus der zweiten Reihe, das sogenannte mittlere Management, bekamen die Vorstände bisweilen nur beim Neujahrsempfang zu sehen. „Viel zu selten kamen Informationen bei den darunter liegenden Führungsebenen zeitnah an“, resümiert Hannig. „Oder überhaupt nicht.“

Im Frühjahr 2016 verließ CEO Rainer Hundsdörfer das Unternehmen, nach einem halben Jahr Interimslösung übernahm Stefan Brandl den Vorsitz der Geschäftsführung – und legte die neue Strategie „one ebm papst“ vor. Ziel: das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. 

Claudia Mast von der Universität Hohenheim suchte just zu dieser Zeit Unternehmen als Kooperationspartner für ein Lehrprojekt mit Master-Studenten zum Thema Führungskräftekommunikation in Zeiten des Wandels. ebm-papst-Kommunikationschef Hannig ließ die Hohenheimer eine Umfrage unter den Führungskollegen durchführen: Was brauchen sie? Ob und wie kommunizieren sie mit ihren Mitarbeitern? Kommen die Botschaften an? Fühlen sich die Kollegen selbst gut und transparent informiert? 

Ergebnis: „Die Kaskadenkommunikation funktionierte nicht“, sagt Hannig. Der Informationsfluss von oben nach unten stockte, auch drangen kaum Informationen von der Basis bis hoch zum Top-Management. „Anstelle einer gut funktionierenden Führungskräftekommunikation hatten wir einen gut ausgeprägten Flurfunk.“

Kommunikationswissenschaftlerin Claudia Mast arbeitet derzeit an gleich zwei Studien zur Fühungskräftekommunikation in deutschen Unternehmen. Die endgültigen Ergebnisse werden im März 2019 vorliegen und dann auch im prmagazin veröffentlicht. 

Dass das Thema dramatisch wichtiger wird, daran besteht schon jetzt kein Zweifel: „83 Prozent der Top-500-Unternehmen sagen, dass die Kommunikationsstrategie der Führungskräfte letztlich der Dreh- und Angelpunkt dafür ist, ob Veränderungen in einer Firma gelingen“, sagt Mast. Weil so gut wie alle Branchen von Digitalisierung und Disruption betroffen sind, rückt das Thema immer stärker in den Fokus. 

Das Problem: Viele Firmen lassen insbesondere die Abteilungs- und Gruppenleiter links liegen, kritisiert Mast. „Gerade das mittlere Management hat im Informationsfluss eine Scharnierfunktion.“ Denn in der oft als „Lehmschicht“ geschmähten dritten oder vierten Führungsebene sitzen die Manager, die tatsächlich jeden Tag mit Mitarbeitern umgehen und deren Fragen beantworten.

Auch auf tieferen Führungsebenen brauchen Unternehmen Manager, die erklären, einordnen, interpretieren und sich austauschen, weiß Mast aus ihren Forschungen. Die interne Kommunikation wächst dazu in die Rolle eines „Beraters“ oder „Unterstützers“ hinein, baut den Managern Formate, damit sie ihren Job besser machen können. Sie sieht spannende Vorbilder speziell bei den großen Familienunternehmen. „Die arbeiten nämlich mit ganz pragmatischen Lösungen, die zu ihrer Kultur passen und die andere Kommunikatoren auch nach machen können.“  [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der August-Ausgabe des prmagazins, wie die Vorreiter unter den großen Familienunternehmen strategisch vorgehen, wie sie das mittlere Management ins Boot holen und welche Formate der Führungskräftekommunikation sich als besonders hilfreich erwiesen haben.

Die August-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Ignoranz der Macht: Kanzlerin Merkel hat sich isoliert und müsste sich neu erfinden, sagt WMP-Chef Michael Inacker im Interview.

Es lebe die Lehmschicht: Wie Führungskräftekommunikation in disruptiven Zeiten gelingt, zeigen speziell die großen Familienunternehmen.

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