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Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

09.05.2018

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Munich Re

Ground Control


Die Munich Re versichert Flüge ins All, kommunikativ aber sorgt Andreas Lampersbach bei dem Dax-Konzern für Erdverbundenheit.


Bei der Munich Re hat sich nach dem Antritt von Kommunikationschef Andreas Lampersbach der Fokus verschoben: Es geht nicht mehr um große Weltpolitik, sondern vor allem ums Geschäft. Das ist eine Typsache – vor allem aber ein Tribut an die technologischen Umbrüche und wirtschaftlichen Herausforderungen in der Branche.


Die bisher einzigen beiden CEO-Interviews in deutschen Medien sprechen Bände.
Weniger wegen ihres Inhalts, denn Joachim Wenning, seit einem Jahr Chef der Munich Re, verkündet darin keine großen, strategischen Visionen. Vielsagender ist das Drumherum. Der führende deutsche Versicherungsjournalist Herbert Fromme beschreibt in der Süddeutschen Zeitung, wie er durch die schweren Türen das Hauptgebäude des Konzerns betritt, einen Jugendstil Palast am Englischen Garten, und durch ein unterirdisches Tunnelsystem in einen modernen Konferenzraum geführt wird.

Das Kontrastprogramm bekam Georg Meck serviert. Den Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lotsten der CEO und das Kommunikationsteam um Andreas Lampersbach in die ehemalige Pfanni Fabrik am Münchner Ostbahnhof. Das Gelände, bekannt als „Kunstpark Ost“, hat sich zum kreativen Hotspot entwickelt. Neben Start-ups, Investoren und Tech-Konzernen beherbergt es das InsurTech Hub Munich, wo Versicherer wie Munich Re und Allianz ihre Digital-Labs eingerichtet haben. Zum Interview nahm man stilgerecht an einer Tischtennisplatte Platz.

Die beiden Szenen symbolisieren die Pole, zwischen denen die Munich Re ihren Platz sucht: die alte, konservative und die neue, agile Versicherungswelt. Die Digitalisierung stellt traditionelle Geschäftsmodelle infrage, gebiert neue Konkurrenten aus der Tech-Szene und zwingt zum Aufbruch auf weithin fremdes Terrain.

Die Munich Re investiert in Start-ups und Kooperationen und engagiert sich in Digitalinitiativen, die Tochter Ergo hat mit Nexible einen reinen Digitalversicherer gegründet, der CEO unterstreicht bei jeder Gelegenheit die Bedeutung des Themas. Aber welche Gehversuche sich am Ende auszahlen? Das kann niemand mit Sicherheit sagen.

Zu erklären, warum die hohen Anfangsinvestitionen Sinn machen, gehört zu den Aufgaben von Andreas Lampersbach, seit April 2017 Leiter Group Communications der Munich Re. Auf die Frage, wie er das macht, erklärt er: „Wir haben ein sehr breites Kerngeschäft, und an den Rändern bewegt  sich was. Wenn sich der Rand verbreitert, sind wir bei solchen Trends dabei. Natürlich wird nicht jedes Digitalisierungsprojekt funktionieren, aber ein guter Teil wird funktionieren. Und wir sind so aufgestellt, dass wir mitspielen können, wenn das klassische Kerngeschäft sich verändert.“

Mit Lampersbach steht seit einem Jahr ein Mann an der Kommunikationsspitze  der Munich Re, der noch beweisen muss, dass er ins Rückversicherungsgeschäft passt. Die meiste Zeit seiner Karriere hat er in der Autoindustrie verbracht. Für den Nutzfahrzeugbauer MAN arbeitete er 14 Jahre lang in unterschiedlichen Leitungsfunktionen, zuletzt als Chef der Unternehmenskommunikation, übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem jetzigen Arbeitsplatz im Münchner Norden – die Kassiererin im Supermarkt fragte gleich, ob er die letzten zwei Jahre im Ausland gewesen sei, berichtet Lampersbach schmunzelnd.

Bei MAN war er dabei, als die Schlacht um den Rivalen Scania tobte, er überstand die große Korruptionsaffäre, die den Vorstand durcheinanderwirbelte – und blieb auch nach der Machtübernahme durch Volkswagen im Sattel. Im April 2015 holte ihn VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem in die Wolfsburger Konzernzentrale. Es wurde ein unerwartet kurzes Intermezzo. Als der im Zuge des Dieselskandals an die Spitze gespülte Hans-Gerd Bode im Herbst 2015 die Unternehmenskommunikation umbaute, ging Lampersbach.

Nur Stunden nach Bekanntwerden seines Rückzugs aus Wolfsburg – gerade hatte er seiner Frau versprochen, es mal etwas langsamer angehen zu lassen – überraschte ihn beim Spaziergang mit den Hunden ein Anruf von Christian Lawrence, damals Kommunikationschef der Ergo-Mutter Munich Re, der Lampersbach aus Münchner Zeiten kannte. Ergo suchte Ersatz für den langjährigen PR-Chef Alexander Becker. Am 1. Februar 2016 trat Lampersbach als Leiter Globale Kommunikation und Markenführung bei den Düsseldorfern an.

Es war seine erste Berührung mit der Versicherungsbranche – und Lampersbach gibt freimütig zu, dass er deren Reiz für Kommunikatoren zuvor unterschätzt hatte. Offenbar überzeugte er nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Arbeitgeber: Nach gut einem Jahr folgte der Ruf zur Mutter nach München, wo er seinen Fürsprecher Christian Lawrence ablöste, der selbst als Partner ins Münchner Büro der Kommunikationsberatung Brunswick wechselte.

Lampersbach, so scheint es, kann sich anpassen – nicht aus Opportunismus, sondern weil er das Spiel professionell beherrscht. In der PR-Branche und unter Wirtschaftsjournalisten gilt der Jurist und ehemalige Journalist als erfahren, krisengestählt und gut vernetzt. Bei Ergo arbeitete er sich dem Vernehmen nach in faszinierendem Tempo in die Versicherungsbranche ein.

An der Vita des 55-Jährigen lässt sich zudem ablesen, dass er managen und führen, sich aber auch zurücknehmen kann, ohne farblos zu wirken. Ex-Mitarbeiter und Journalisten schätzen seine Offenheit und Verbindlichkeit, die unkomplizierte Art, mit der er auch mal kurzfristig ein Treffen mit dem CEO arrangiert, wie es Matthias Kamp von der WirtschaftsWoche bei seinem Wenning-Porträt 2017 erlebt hat. Alles in allem gute Voraussetzungen für den Job an der Kommunikationsspitze eines Dax-Konzerns vom Format der Munich Re.

Lampersbach dürfte auch deshalb gut in diese Welt im Umbruch passen , weil er nicht Gefahr läuft, das Traditionsunternehmen mit überdrehten Ideen zu überfordern. Der Kommunikationsprofi ist offen für alles Neue – aber seine Sporen hat er sich eben im eher klassisch orientierten B2B-Geschäft mit Trucks und Bussen verdient. Zugespitzt formuliert: Der Mann ist kein Apostel der Digitalisierung, aber er verfügt über alle Skills, um professionell auf neue Trends zu reagieren.

Darin ähnelt er offenbar seinem Vorstandschef Joachim Wenning. FAS-Journalist Georg Meck erlebte den CEO beim Interview an der Tischtennisplatte nicht als stockkonservativ, aber als Manager, der auch nicht alles mitmachen will. Das zeigt sich schon an winzigen Details. Über den Trend, demonstrativ die Krawatte wegzuwerfen, gab sich Wenning eher belustigt, berichtet Meck. Auch Lampersbach trägt, wenn er externen Besuch erwartet, Krawatte. Ansonsten lässt er die Tageslaune entscheiden.

Auf die Unternehmenskultur mit dem Flammenwerfer loszugehen, wie Oliver Bäte es bei der Allianz vormacht, käme Wenning nicht in den Sinn. Lampersbach würde seinem Chef auch niemals zu roten Sneakers auf der Bühne raten oder zum Interview mit „Jung & Naiv“-Macher Tilo Jung. Das Duo pflegt die bewährte Zurückhaltung.

Ablesbar ist das auch daran, dass Wenning bisher nur die zwei eingangs erwähnten CEO-Interviews gab und an einigen Porträts mitwirkte – darunter ein großes im manager magazin, für das Autor Dietmar Palan den Vorstandschef schon vor dessen Amtsantritt treffen konnte. „Wir positionieren Joachim Wenning sehr dosiert und wollen kein PR-Feuerwerk erzeugen“, sagt Lampersbach.

Dieser Text ist ein Auszug. Das komplette Porträt über Andreas Lampersbach und die Kommunikationen der Munich Re finden Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins. Darin lesen Sie im Detail, wie Andreas Lampersbach seinen CEO und das Unternehmen positioniert, warum er die von seinem Vorgänger Christian Lawrence geerbte Organisation "poliert" und was er bei der Erstversicherungstochter Ergo vorhat.



Die Mai-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Ground Control: Seit Andreas Lampersbach bei dem Rückversicherer
Munich Re im Amt ist, geht es bodenständiger zu in München.

Corporate Influencer: Die eigenen Mitarbeiter sind die besseren Markenbotschafter im Netz. Wie man sie findet und führt.

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