FleishmanHillard

Hanning Kempe

1) Auftragsinhalte:
a) Nichts komplett Neues. Eher Bestätigung der zunehmenden Bedeutung von digitaler Transformation und ganzheitlichem Reputationsmanagement. Dahinter steht die Frage, wie Unternehmen ihre Brands möglichst verkaufsunterstützend bei ihren Zielgruppen positionieren. Durch die Purpose-Debatte hat diese ganze Thematik zusätzlich an Dynamik gewonnen. Spielt Agenturen wie uns in die Karten, da wir immer schon versucht haben, die Bedeutung des WARUM neben der Frage des WAS & WIE bei unseren Kunden zu positionieren. 

b) Cross war bei uns schon immer stark – und ein wesentlicher Treiber unseres Wachstums in den vergangenen Jahren. Dabei geht es um die Integration von datengetriebener Intelligence, Inhalten, Kreativität und Plattformen/integrierten Medienkanälen. Diese Mischung muss nahtlos ineinandergreifen. An diesen Säulen unseres Geschäfts wird sich auch 2020 nichts ändern.

c) Ohne Digital gibt es praktisch gar nichts mehr. Und falls doch, lehnen wir solche Aufträge meist ab, da traditionelle PR wirtschaftlich nicht mehr interessant ist für uns. Diesen Bereich haben Nischenplayer übernommen. Die Begleitung beziehungsweise Gestaltung der digitalen Transformation wird wichtiger – KI und VR/AR spielen bei unseren Kunden aus dem Tech-Bereich, zum Beispiel Nvidia, eine Rolle. 

d) Die gesamte Debatte um Haltung hat zweifellos an Bedeutung gewonnen. Im Spannungsfeld von Marke und Reputation spielt die Frage nach dem Purpose inzwischen eine zentrale Rolle. Allerdings sind diese Diskussionen oftmals noch theoretischer Natur und eher eine Reaktion auf die vorherrschende gesellschaftliche Debatte um zum Beispiel Nachhaltigkeit. Ich denke, dass das kommende Jahr zeigen wird, wie nachhaltig die Diskussion um Purpose tatsächlich sein wird. Sieht für mich insgesamt aber nach einer breiteren Betrachtung des Begriffs Marke aus. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung, wurde die Frage nach der Bedeutung des WARUM in der Vergangenheit doch meist zugunsten des kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolgs vernachlässigt. Inzwischen verstehen Unternehmen aber zunehmend, dass die Haltungsfrage – wenn authentisch gelebt und kommuniziert – ganz wesentlich für die Unterscheidbarkeit einer Marke sein kann. Auch wir als Agentur haben hier Nachholbedarf. Dieses Thema steht ganz oben auf unserer internen Agenda für 2020. 

e) Die Forderung nach mehr Messbarkeit der Kommunikationsarbeit ist im Jahr 2019 auf Kundenseite nicht lauter als sie ohnehin schon waren. 

2) Auftragsumfang:
Insgesamt ist der Umfang eher gesunken und kleinteiliger mit einem steigenden Anteil von Projektgeschäft. Die Projekte selbst werden komplexer und bedürfen eines immer ausgefeilteren Projektmanagements. Die großen Retainer scheinen Vergangenheit. Denke nicht, dass sich dieser Trend wieder umkehren wird. 

3) Budgethöhe:
Im Schnitt eher gesunken. Die größeren Etats werden komplexer, mit einem höheren Anteil an Projektmanagement. Es ist eine ziemliche Herausforderung, die dazu benötigten Skills schnell in der Agentur zu bündeln.

4) Neukundengewinnung:
Keine Veränderung aus meiner Sicht. Nach wie vor die richtige Mischung aus Netzwerk, Empfehlung und Eigenmarketing entscheidend. 

5) Ausblick:
Ich sehe das gesamte Thema des Reputationsmanagements als zentrales Thema für die nächsten Jahre. Durch die Purpose-Debatte, die sich nach meiner Auffassung verstärken wird, wird es zusätzlich an Bedeutung gewinnen.

Mit Blick auf die einzelnen Etats glaube ich, dass sich immer größere Teile unserer Industrie zu einem klassischen Projektgeschäft entwickeln werden. Das bedeutet, dass wir unsere Strukturen anpassen und Mitarbeitende ausbilden beziehungsweise gewinnen müssen, die uns bei diesem Wandel unterstützen können. Damit werden die professionelle Aufstellung der Agentur und das Management von Prozessen, Personen und Accounts immer wichtiger. Qualitätsmanagement innerhalb von Agenturen gehört auf die Agenda unserer gesamten Industrie!

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Talent Development & Recruiting sind ganz entscheidende Punkte. Schließlich wird die Attraktivität des Arbeitsplatzes Agentur noch wichtiger werden im Rennen um die besten Talente und Mitarbeitenden. Dazu ist es unerlässlich, neue, flexible Arbeitsmodelle zu testen und schneller einzuführen als unsere Kunden. Nur so werden wir als Agenturen auch zukünftig in der Lage sein, erstklassige Services anzubieten.