A&B One

Hartwin Möhrle

1) Auftragsinhalte:
a) Keine wesentlichen Verschiebungen in den inhaltlichen Schwerpunkten. Zunahme von Krisenmandaten zu den Themen Restrukturierung vor allem im Bereich Stahl/Automotive. 

b) Die Nachfrage nach disziplinenübergreifenden Leistungen hält an. Die Themen Content Marketing und Influencer Relations spielen eine zunehmend große Rolle. Der Trend in der Unternehmenskommunikation geht weiterhin in Richtung eigene Publishing-Strategien mit zunehmender Wirkkraft parallel zur klassischen Medienarbeit.

c) Der Umsatzanteil des Digitalgeschäfts ist gleichbleibend hoch. Die Nachfragesituation ist heterogen.
KI spielt, außer im Eigenmarketing-Sprech der Agenturen, noch keine Rolle. Echte KI ist in der PR-Praxis nicht wirklich existent. Sehr wohl aber werden zunehmend neuronale Systeme zum Beispiel zur Auswertung von großen, selbst generierten oder öffentlich verfügbaren Datenmengen genutzt. Ob damit schon das Ende der klassischen Markt-, Medien- und Kommunikationsforschung eingeläutet wird, wie der eine oder andere Agenturanbieter vollmundig behauptet, darf angesichts der zum Teil zweifelhaften Datenqualität infrage gestellt werden. Aber die Entwicklungsrichtung ist interessant.

d) Die aktuelle „Purpose“-Debatte ist zwar im Ansatz richtig, trifft aber auf ein Dilemma: Während zum Teil grotesk überkomplexe Compliance-Systeme entstehen, die integres und regeltreues Verhalten gewährleisten sollen, scheitert die Ethikfraktion der Wirtschaft seit Jahren daran, Werte wie Integrität, Verantwortung, Vertrauen usw. aus der Moralecke herauszuholen und zum handfesten Bestandteil der Wertschöpfung, sprich des Geschäftsmodells zu machen. 

Werteorientierung und Wertschöpfung gehören mehr denn je zusammen. Sowohl die bevorstehenden regulativen Herausforderungen – das in Vorbereitung befindliche Unternehmensrecht ist nur eine davon – als auch der steigende öffentliche Druck auf ethisch akzeptierbares, integres und nachhaltiges wirtschaftliches Handeln erfordern daher ein neues Wertemanagement. Ein Wertemanagement, das Werteorientierung und Geschäftsmodell zusammen denkt und kommuniziert. Und es dabei versteht, die unvermeidbaren Widersprüche aktiv und selbstbewusst zu managen. Das würde der ganzen „Purpose“-Debatte ihren eigentlichen Sinn geben. Auch eine Herausforderung für die Beraterseite. 

e) Im Digitalbereich ist die Forderung nach mehr Messbarkeit der Kommunikation 2019 lauter geworden, ansonsten eher nicht.

2) Auftragsumfang:
Umfang und Struktur der Aufträge bewegen sich auf vergleichbarem Vorjahresniveau.

3) Budgethöhe:
Die Höhe der einzelnen Kundenetats ist 2019 unterm Strich im Vergleich zu 2018 eher gleich geblieben.

4) Neukundengewinnung:
Die Neukundengewinnung ist 2019 weder einfacher noch schwieriger geworden als im Vorjahr. Wir investieren einerseits in die Entwicklung bestehender Kundenbeziehungen und forcieren andererseits in ausgewählten Bereichen die aktive Neukundenansprache. Der Fokus liegt weiterhin darauf, für unser Agenturangebot passende Kunden mit entsprechenden Anforderungen zu gewinnen.

5) Ausblick:
a) Der Trend zur Digitalisierung der Kommunikation und bestimmter Kommunikationsdienstleistungen, zum Beispiel Monitoring, Content-Plattformen und Content-Distribution, hält weiter an. Big Data hält ganz vorsichtig Einzug in die PR. Die Just-in-time-Stakeholder- und Community-Kommunikation auf der Basis digitaler Plattformen, Kanäle und Formate gewinnt an Bedeutung und differenziert sich aus. 

b) Die Hauptrolle spielen dabei die zunehmende digitale Verfügbarkeit und damit Verarbeitbarkeit von für die öffentliche Kommunikation und Meinungsbildung relevanten Daten. Siehe auch Antwort zu 1c).

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Siehe 5b)