Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

verfasst am

10.10.2012

im Heft

10/2012

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Deutsches Atomforum

Hoch belastet

Das Deutsche Atomforum galt lange als mächtige und einflussreiche Lobby der Kernkraftbranche. Mit der Energiewende ist es still geworden um die Interessenvertretung. Das Forum sei kaltgestellt, frohlocken seine Gegner. Die Stromriesen haben sich vom Thema Atomkraft längst verabschiedet und inszenieren sich als Good Guys. Steht die 1959 gegründete Organisation vor dem Aus?

Zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe fordern Kernkraftgegner bundesweit die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. (Foto: Patrick Sinkel/dapd)

Für den Unfall in einem Atomkraftwerk im Ausland war das Deutsche Atomforum gewappnet. Falls so etwas passieren würde, das war klar, würden Redaktionen die Branche sofort mit Fragen bestürmen: zur Sicherheit der Meiler hierzulande, zu technischen Details des GAUs. Rede und Antwort zu stehen und aufzuklären, ist die Hauptaufgabe des Berliner Vereins, über den die deutschen Betreiber von Kernkraftwerken ihre Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Atomkraft organisieren.

Genauso kam es, als im März 2011 im japanischen Fukushima die Reaktorkerne schmolzen. Wer sich in der Kernkraftbranche um Kommunikation kümmert, lobt die Arbeit der Berliner in diesen hektischen Tagen. Kurz darauf überraschte die Atombefürworter jedoch der zweite GAU, ein politischer nämlich. Die schwarz-gelbe Bundesregierung erklärte den Ausstieg aus der Kernkraft, ließ mehrere Meiler stilllegen. Ein Szenario, das nicht im Drehbuch des Atomforums stand. Schließlich hatte die Koalition die AKW-Laufzeiten erst 2010 verlängert.

Plötzlich war – außer Sachkommunikation rund um Fukushima – nur nochwenig von der mächtigen Atomkraftlobby zu hören. Und wenn sich die Organisation in den Monaten nach der Katastrophe doch einmal zu Wort meldete, drang das PR-Team mit seinen Botschaften nich tdurch, sagen Beobachter. Die Verunsicherung scheint groß gewesen zu sein. So gab es wenige Wochen nach dem GAU einiges Hin und Her um die Presseakkreditierungen zur Jahrestagung Kerntechnik. Kritische Autoren erhielten laut Presseberichten zuerst Absagen – mit der Begründung, dass wegen der „aktuellen Situation“ keine Medienvertreter zugelassen seien. Am Ende durften 26 Journalisten und drei Fernsehteams berichten. „So richtig Tritt gefasst hat das Atomforum nicht mehr“, urteilt Marco Althaus, Professor an der Technischen Hochschule Wildau und Experte für Public Affairs.

Erzfeinde wie Greenpeace triumphieren: „Wir nehmen das Atomforum kaum noch wahr“, sagt Tobias Münchmeyer, Vizechef der politischen Vertretung der Umweltschützer in Berlin. „Unser Eindruck ist, dass die Stromkonzerne die Kommunikation zum Thema Atomkraft übernommen haben.“ Er spricht von „Kaltstellung“: Schon in den Debatten um die Laufzeitverlängerung 2009 sei die Branchenlobby neben E.ON, RWE und Co untergegangen. „Fukushima hat den Effekt nur verstärkt.“ Wie Public-Affairs-Experte Althaus wundert sich Münchmeyer, dass es die Organisation überhaupt noch gibt: „Ich sehe weder eine Aufgabe noch eine Zukunft für das Atomforum.“ Vielleicht hoffe man bei den Mitgliedern insgeheim, dass der Ausstieg erneut rückgängig gemacht wird und halte sich das Forum vorsorglich warm, argwöhnt Münchmeyer.

 

Wie die Energieriesen und das Atomforum die Zukunft der Lobbyorganisation sehen, lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper.

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