Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

08.06.2018

im Heft

06/2018

Das aktuelle Heft
Ausgabe 06/2018

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Eurowings

Hochoctan


"Die Telefone stehen seit Monaten nicht mehr still": Kommunikationschef Matthias Eberle über das rasant gestiegene Medieninteresse an Eurowings.


Drei Jahre nach ihrer Neuaufstellung befindet sich die Lufthansa-Billigtochter Eurowings weiter im Umbruch. Der frühere Handelsblatt-Journalist und Lufthansa-Mann Matthias Eberle baut seit 2016 die Kommunikation des Unternehmens auf. Das „größte Wachstums- und Integrations projekt der deutschen Luftfahrt“ (Eberle) bescherte ihm dabei einige Anlaufschwierigkeiten. 

Im fünften Stock des Zweckhauses in der Germanwings-Straße 1 am Flughafen Köln/Bonn liegt eine Handvoll Faltblätter auf dem Tisch. „Die am schnellsten wachsende Airline Europas“ steht darauf. Auf den Innenseiten präsentiert Eurowings in bunten Infografiken seine neuesten Kennzahlen: Marktanteile, Zuwächse bei Zielflughäfen, Passagierzahlen und Zahl der Flugzeuge. Auf einer Doppelseite ist die Plattformstruktur von Eurowings dargestellt –mit der zentralen Verwaltung und vielen „dezentralen Flugbetrieben“. 

Der Flyer soll Besuchern anschaulich machen, in welch dramatischer Umbruchphase sich die Lufthansa-Tochter befindet, die es in dieser Form erst seit gut drei Jahren gibt. Das gelingt in dem Plattformschaubild – allerdings nicht ganz freiwillig: In der Liste der Eurowings-Flugbetriebe findet sich auch die österreichische Airline Niki. Monatelang sah es 2017 so aus, als könne die Lufthansa die Air-Berlin-Tochter kaufen und in Eurowings eingliedern. 

„Da sind sie wieder, die Nachteile von Print“, sagt Matthias Eberle entschuldigend. „Digital könnten wir das mit einem Mausklick entfernen. Das Print-Booklet können wir nur einstampfen.“ Hier zeige sich, wie rasant sich die Luftverkehrsbranche derzeit in Europa verändert. Er habe das Booklet in einer Phase drucken lassen, in der kartellrechtlich noch nicht final entschieden war, ob Eurowings Niki übernimmt oder nicht. Ein kleines Sternchen hinter dem Logo von Niki im Schaubild deutet deshalb auf die Fußnote hin, in der steht: „vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden“. Und die sagten am Ende Nein.

Eurowings befindet sich buchstäblich im Werden. „Ich verstehe selbst oft nicht, was sich gerade wieder bei denen verändert und warum“, gibt ein Luftfahrtjournalist freimütig zu. Ein anderer bestätigt: „Ich rufe Eurowings sehr oft an, weil ich etwas erklärt haben möchte.“ 

In der zweiten Jahreshälfte 2017 beschäftigte Eberle die Frage, ob Niki ein Teil von Eurowings werden kann. Österreichische Gewerkschafter mobilisierten gegen das Unternehmen, weil die Arbeitsbedingungen für die Kabinen-Crews von Eurowings Europe aus ihrer Sicht deutlich zu wünschen übrig lassen. Und die wenigen Langstreckenverbindungen der jungen Fluglinie litten besonders am Anfang unter enormen Verspätungen. 

Zudem musste Eberle seine Abteilung parallel zum Wachstum des Unternehmens neu aufbauen. Bei seinem Antritt im April 2016 hatte er die vier Mitarbeiter des damaligen Germanwings-Kommunikationschefs Heinz-Joachim Schöttes übernommen, der zu Air Berlin wechselte. Die frühere Low-Cost-Sparte der Lufthansa kommunizierte eher reaktiv, sagen Journalisten, und mit starkem Fokus auf den regionalen, deutschen Markt.

2014 änderte der Konzern sein Vorgehen. Unter dem Dach von Eurowings bündelte er sein gesamtes Low-Cost-Geschäft. Dienstleistungen wie Vertrieb, Personal, Finanzen, Marketing oder Kommunikation wanderten in die neue Eurowings Aviation GmbH, intern „die Steckerleiste“ genannt: eine zentrale Verwaltung, an die im Zuge der laufenden Airline-Konsolidierung Flugbetriebe angedockt werden. Eberles heutigen Job in diesem Konstrukt hatte es zuvor so nicht gegeben.

2015 dann, erinnert er sich, wurde entschieden, dass Eurowings als Wachstumsplattform eine eigene Säule innerhalb des Lufthansa-Konzerns wird und einen Vorstandssitz erhält. Dennoch habe die Geschwindigkeit des Wachstums, vor allem nach dem plötzlichen Marktaustritt von Air Berlin, alle überrascht. Berichte von Journalisten lässt er weitgehend gelten, wonach es anfangs bisweilen schwierig gewesen sei, bei Eurowings jemanden zu erreichen oder an die gewünschten Informationen zu kommen. „Wir haben eine kurze Phase des Aufbaus und der Anpassung benötigt, sind heute aber bei den Reaktionszeiten signifikant besser und schneller geworden“, betont Eberle. 

Er wirbt um Verständnis: „Wir wissen, dass Airlines schon in normalen Phasen weit mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen als andere Branchen“, sagt er. „Die Telefone stehen aber seit Monaten nicht mehr still, und das rasant gestiegene Medieninteresse an Eurowings war sehr schwer planbar.“ Auch intern gibt es zahlreiche Baustellen: Er müsse mit seinem Team nun die Kommunikation von sechs Flugbetrieben steuern, die allesamt eine eigene Historie und entsprechend unterschiedliche Unternehmenskulturen mitbringen. 

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Juni-Ausgabe des prmagazins, wie Matthias Eberle mitten im Großumbau die Kommunikation zukunftsfest aufzustellen versucht, wie er aus der früheren Germanwings-Pressestelle eine digital geprägte Content-Redaktion gemacht hat und wie er die Kernbotschaft der neuen Gruppe kommuniziert: vom Wandel der klassischen Fluglinie Eurowings hin zu einem europäischen, zunehmend digitalen Unternehmen.

Die Juni-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Hochoctan: Wie Matthias Eberle mitten im Großumbau von Eurowings die Kommunikation der neuen Gruppe zukunftsfest aufstellt.

Humor zur HV: Die Finanzkommunikation erobert die sozialen Medien. Wir stellen die Strategien der Vorreiter Daimler, Infineon und Siemens vor.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen