Palmer Hargreaves

Iris Heilmann

1) Auftragsinhalte:
In drei Bereichen nahm das Geschäft stark zu. Erstens: LinkedIn gewinnt vor allem im B2B-Bereich weiter an Bedeutung. Als Netzwerkplattform, vor allem aber als Content-Plattform. Fast jedes Unternehmen unterhält dort ein mehr oder weniger gut gepflegtes Profil, und die Konzeption, Erstellung und Vermarktung von Content für unter anderem auch diese Plattform hat uns stark beschäftigt. Insbesondere natürlich für persönliche Profile, womit ich beim zweiten Bereich bin: Corporate-Influencer-Kommunikation. Immer mehr Unternehmen setzen auf Mitarbeiter als Markenbotschafter. Für besseren Service gegenüber Kunden, für fachlichen Austausch mit Gleichgesinnten, für das Besetzen strategisch wichtiger Themenfelder oder auch das Kommentieren gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Letzteres ist immer mehr Top-Management-Sache. Gerade durch die Diskussion um die Frage, wie stark ein CEO auch Haltung oder politische Meinung äußern sollte, ist das Thema in den Unternehmen noch relevanter geworden. Fast alle haben erkannt, dass der CEO als oberster Markenbotschafter und Gesicht des Unternehmens eine hohe Wirkung hat für alle möglichen Bereiche – von der Strategievermittlung über die Reputation bis hin zum Employer Branding. Viele Corporate-Influencer-Projekte starteten bei uns bei fast Null. Und der dritte Bereich betrifft vor allem die Distribution von Inhalten. Sowohl die Ausrichtung der Themen an den Bedürfnissen der suchenden Internetnutzer für mehr organischen Traffic als auch der Einsatz gezielter Paid-Maßnahmen bei den gängigen Suchmaschinen und in den sozialen Netzwerken birgt im B2B-Geschäft noch sehr viel Potenzial. Glücklicherweise werden unsere Kunden immer mutiger und lassen sich von überraschend positiven und durchweg nachweisbaren Resultaten überzeugen. 

b) Fast alle unsere Projekte sind mittlerweile Kommunikationshybride. Content-Erstellung in Verbindung mit ihrer Vermarktung. Strategisches CEO-Branding in Verbindung mit Content-Produktion und -Distribution. Klassische Digitalprojekte wie Website- und App-Entwicklungen in Verbindung mit flankierenden Kommunikationsaktivitäten. Fast alles ist disziplinübergreifend. Die Zukunft gehört meines Erachtens deshalb auch den Agenturen, die flexibel verschiedenste Skills und Disziplinen auf hohem Niveau orchestrieren können. Und ich bin überzeugt: Kommunikationsagenturen werden langfristig die besseren Digitalagenturen sein. 

c) Etwa 80 Prozent unseres Umsatzes sind mittlerweile digitalgetrieben. Die Projekte selbst sind sehr heterogen und reichen von der Entwicklung von Websites, Landing Pages und Apps über die Content-Erstellung und -Vermarktung bis hin zu integrierten IT-Systemlösungen für Händlerportale bekannter Automarken. Ein Bereich, dem wir in der Zukunft weiteres großes Wachstumspotenzial zutrauen, sind digitale Plattformen für die interne Kommunikation von Unternehmen. Hier sind viele Unternehmen in technischer Hinsicht noch im Dinosaurier-Zeitalter unterwegs, und die Anforderungen sind sehr hoch, weil sich die Rolle der internen Kommunikation genauso wandelt wie die der externen Kommunikation. Die Komplexität steigt.
KI und VR/AR spielen in unseren Kundenprojekten nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Wir beschäftigen uns aber intensiv mit den Themen, und für 2020 planen wir erste Piloten zum Thema KI-gesteuerte Textproduktion in Zusammenarbeit mit einem Software-Unternehmen. 

d) Ich begrüße es sehr, dass Unternehmen immer mehr „Flagge“ zeigen und sich zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen äußern. Sei es über einen zentralen Markenbotschafter wie den CEO, der sich auf Twitter oder LinkedIn äußert, oder in Form einer Content-Marketing-Kampagne, die sich eines bestimmten Themas annimmt. Eine stärker werte- als rein wachstumsorientierte Strategie ist nicht nur nach außen, sondern auch nach innen ein wichtiges Signal.
Für Agenturen ist das Thema Sinndefinition langfristig überlebenswichtig. Die Grenzen unseres Wachstums sehe ich zum Beispiel nicht in der Konjunktur, sondern eher in einem Mangel an fachlich exzellenten und motivierten Mitarbeitern. „Geiler Scheiß“ ist in Agenturen immer noch wichtig, aber reicht längst nicht mehr. 

e) In den meisten Fällen beschränkt sich das Thema Messbarkeit immer noch auf die Kombination ausgewählter Output-Kennzahlen wie Teilnehmerzahlen, Reichweiten und Engagement-Raten. Komplexe Evaluationsindizes sind die Ausnahme. Der Grund dafür: Alles, was über die Abfrage von Dashboard-Ergebnissen hinausgeht, erfordert zusätzliches Budget, das lieber in die Umsetzung als die Evaluation fließen soll.

2) Auftragsumfang:
2019 war ein super Jahr für uns. Mit Deutz, EnBW und PwC haben wir drei große Marken gewonnen, und bei vielen Bestandskunden konnten wir Projekte ausbauen. Wir wachsen jetzt das siebte Jahr in Folge, und wir blicken zuversichtlich auf die kommenden Jahre. Wir haben nicht nur stark in digitale Skills investiert, sondern auch mithilfe der Einführung von Microsoft Teams und organisatorischen Maßnahmen in der Agentur agilere Strukturen etabliert. So sind wir gut gerüstet für mehr digitales und schneller drehendes Projektgeschäft, das flexibles Arbeiten in interdisziplinären Teams notwendig macht. 

3) Budgethöhe:
keine Antwort 

4) Neukundengewinnung:
Das kontinuierliche Wachstum und damit verbundene bessere Plätze in den Kommunikations-Rankings sorgen für eine höhere Sichtbarkeit am Markt – insofern ist es für uns einfacher geworden. Unseren etablierten New-Business-Prozess werden wir jedoch im kommenden Jahr modifizieren und verstärkt auch auf Salesnavigator und targeted LinkedIn-Aktivitäten setzen. Wichtig ist uns, auf unseren Corporate-Kanälen die Marke Palmer Hargreaves für Kunden wie potenzielle Mitarbeiter in ganz unterschiedlicher Art und Weise erlebbar zu machen. Und natürlich spielen unsere Mitarbeiter und ihre Kommunikation zum Agenturleben in diesem Zusammenhang auch eine große Rolle. 

5) Ausblick:
Auch wenn sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland etwas eintrübt, gehen wir von einem weiteren Wachstumsjahr aus. Weil wir von einer starken Zunahme im Bereich der C-Level-Kommunikation ausgehen, in dem wir sehr gut aufgestellt sind. Weil sich bei einigen unserer Kunden bereits größere Projekte ankündigen. Und weil wir davon ausgehen, dass die Professionalisierung und Digitalisierung von Kommunikation im B2B-Umfeld weiter zunehmen wird. Und letztlich: weil wir eine tolle Mannschaft sind, die je nach Bedarf in unterschiedlichsten Konstellationen funktioniert. 

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Ich denke, die Purpose-Debatte ist kein Trend, sondern der Anfang eines echten Mind Shifts bei immer mehr Unternehmen. Früher haben deutsche CEOs die öffentliche Parteinahme komplett gescheut. Heute kommentieren immer mehr öffentliche Debatten, sei es in Form eines persönlichen Kommentars des CEO oder einer thematischen Kampagne. Aus meiner Sicht sprechen drei Gründe für die weitere Zunahme: erstens Vorbilder wie Tim Höttges oder Joe Kaeser, die mit ihren Statements positive Effekte für ihr Unternehmen erreichten. Zweitens die Tatsache, dass Themen wie Klimaschutz, freie Handelsbeziehungen sowie sozialer Friede längst erfolgsrelevant sind, sogar an der Börse. Und drittens: ein ehrliches bürgerschaftliches Engagement angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung. Eine solche Entwicklung birgt in vielerlei Hinsicht zusätzlichen Kommunikationsbedarf.