Faktenkontor

Jörg Forthmann

Auftragsinhalte:
a) Die klassische PR ist weiter auf dem Rückzug. Leitmedien bleiben weiterhin hoch relevant, aber danach folgen jetzt klar die digitalen Medien. Den größten Bedeutungszuwachs hat das Reputationsmanagement, konkret mit drei Aspekten: Wie lässt sich Reputation messen, analysieren und steuern?

b) Die Grenzen zwischen den Kommunikationsdisziplinen verschwimmen immer weiter. Owned, Earned und Paid verflechten sich immer stärker. Dabei zeigt sich: Wer klug mit seinem Budget agiert, setzt auf nutzwertigen Content.

c) Aufträge ohne Digitalkomponente sind eine Rarität. Im Gegenteil: Digital hat klar Vorfahrt. Herausforderungen für Kunden sind Meinungsführerschaft und kritische Kommunikationssituationen im digitalen Raum.

d) „Purpose“ ist ein Modebegriff, der schnell wieder vergeht. Es geht im übergeordneten Rahmen um Reputation, also um die „License to operate“. Banken, Energieversorger und Automobilbranche zeigen, wo die Reise für Unternehmen hingeht. Wer gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, gefährdet sein Geschäftsmodell. Das wird künftig für weit mehr Branchen gelten.

e) Das Internet liefert die Gespräche und Stimmungen zu Unternehmen und Marken digital. Hier können mit Künstlicher Intelligenz sehr zeitnah tief greifende Analysen angefertigt werden, die für die operative Kommunikationssteuerung im Tagesgeschäft ebenso eingesetzt werden können wie für die Ausrichtung der Kommunikationsstrategie. Hier sind in 2019 erste Pioniere in den Pressestellen aktiv geworden. In 2020 wird dieses „Social Listening“ weiter um sich greifen. In fünf Jahren gehört dieses Zuhören, was über mein Unternehmen gerade gesagt wird, zur professionellen Pressearbeit selbstverständlich dazu. Die Frage ist nur noch, ob Pressestellen diese Analysen haben oder ob sie aus Marketing, Werbung oder Vertrieb Brotkrumen aus diesen Analysen zugereicht bekommen – und eine große Chance zur strategischen Beratung ihrer Firma aus der Hand gegeben haben.

2) Auftragsumfang:
Outsourcing von großen Aufgabenblöcken oder sogar ganzen Pressestellen wird üblicher. Bei einer schlechten Konjunktur werden derartige Überlegungen sicher noch mal verstärkt. 

3) Budgethöhe:
Die Kundenetats wachsen erfreulich, zumal immer öfter Digitalbudgets aus Marketing und Vertrieb zur Verfügung gestellt werden. 

4) Neukundengewinnung:
Der Zuspruch durch neue Kunden war im ersten Quartal 2019 noch verhalten, hat dann aber deutlich angezogen und übertrifft mittlerweile unsere Erwartungen für 2019. Das Faktenkontor wird auch in 2019 auf Wachstumskurs bleiben. Einen Gutteil unserer Neukunden können wir mit Kommunikationsanalysen für das Kennenlernen des Faktenkontors gewinnen. 

5) Ausblick:
a) Das Reputationsmanagement wird weiter eine wachsende Bedeutung haben. Kunden suchen vermehrt einen Sparringspartner, der sie in der strategischen Kommunikationssteuerung unterstützt. Hier ist das Faktenkontor mit einer Kombination aus Analysefähigkeiten und versierter Beratungskompetenz erfreulich stark nachgefragt.  

b) Wachsende Anforderungen an die PR treffen auf weniger stark wachsende Budgets. Es geht also um das Steigern der Effizienz. Dementsprechend wächst die Bereitschaft, sich fundiert aufzeigen zu lassen, in welchem Kommunikationsumfeld sich das Unternehmen bewegt und wie die Kommunikationsziele möglichst effizient erreicht werden können. Erkenntnis schlägt dabei Kreativität.

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Ein Pressesprecher sagte mir unlängst, dass die Pressestellen aufpassen müssen, bei der Künstlichen Intelligenz nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie bei Social Media vor ein paar Jahren. Damals wurde ein Gutteil der Pressestellen von den digitalen Medien überrollt. Kommunikatoren sind den Umgang mit Worten gewohnt, weniger den mit der IT und Zahlen. Trotzdem sollten sie sich demnächst den neuen technologischen Möglichkeiten öffen und mit dem Ausprobieren anfangen.