fischerAppelt

Matthias Wesselmann

1) Auftragsinhalte:
a) Wir erlebten 2019 ganz unterschiedliche Trends und Entwicklungen. Generell war das Jahr temporeicher als das Vorjahr – und auch spannender. Auf Projektebene heißt das: weniger Vorlauf und Detailplanungen, dafür mehr Ad-hoc-Projekte und spontane Aktionen. Auffällig ist, dass Kunden immer mehr disziplinübergreifende Leistungen anfragen. Ein PR-Experte vor 20 Jahren konnte noch vieles allein machen. Heute entwickeln gerade interdisziplinäre Projekte die größten Effekte bei gleichzeitig hoher Effizienz. Zudem zeigt sich, dass unsere Fachkompetenz gerade bei komplexen, imagetreibenden Themen in den Disziplinen Healthcare, Finance, Technology sowie Mobility stark nachgefragt wird. Im Bereich FMCG & Retail konnten wir mit kreativ getriebenen Events wie beispielsweise dem Frozen Store größte mediale Aufmerksamkeit erreichen. Solche Maßnahmen belegen eindrucksvoll die Kraft integrierter Verzahnung von klassischen Medien, Social Web und auch klassischer Werbung.

b) Wir machen mittlerweile mehr als drei Viertel unseres Geschäfts integriert – die Kunden fragen dabei selten nach Disziplinen, sondern haben vielmehr eine konkrete Vorstellung der gewünschten öffentlichen Wirkung. „How do we make people care?“ ist die Frage, die wir beantworten. Unsere Spezialität ist, dies sozusagen nahtlos zu orchestrieren. Die Arbeit für unseren Kunden Merck ist dafür ein hervorragendes Beispiel.
Content Marketing als Trendthema bleibt bedeutsam, allerdings ist die Durchdringung im letzten Jahr deutlich gestiegen. Wir beobachten gerade, dass das Thema End-to-End-Customer-Experience nun auch die PR erfasst und sehen hier durch unsere große Spezialisierung in verschiedenen Disziplinen in den nächsten Jahren viel Potenzial. Der Hype um das Influencer Marketing kühlt sich ein wenig ab, und das Thema bekommt einen stärkeren Realitätsbezug. Das ist nicht schlecht, denn die Schlagkraft großer Ideen auf großen medialen Bühnen erreichen Influencer allein selten. Hier ist auch ein Umdenken in der Branche angesagt, weg vom Mikromanagement der Kanäle hin zu großen Ideen und medialen Bühnen.

c) Digitales mitzudenken, ist mittlerweile Bestandteil jedes Auftrags. Am Ende kommt es gar nicht so sehr auf den einzelnen digitalen Kanal an, sondern darauf, ein großes Thema, eine kreative Idee so zu denken und zu konzipieren, dass sie integriert durch die verschiedenen (auch digitalen) Kanäle dekliniert werden kann. Das Bespielen der Kanäle ist Pflicht, die kreative Konzeption ist die Kür, die den Wettbewerbsvorsprung ausmacht. 

d) Viele Unternehmen entdecken die Frage nach dem „Warum“ für sich, auch getrieben von den Erwartungen einer neuen Generation von Mitarbeitern. Wir haben ein eigenes Modell und System entwickelt, auf Basis dessen wir mit Kunden den Weg zum Purpose beschreiten. Haltung ist und bleibt ein Thema. Fridays for Future sorgte zum Beispiel für eine starke Bewusstseinsveränderung bei den Firmen und rückt das Thema Nachhaltigkeit in der Eigendarstellung massiv in den Vordergrund. Damit eine Marke gesellschaftlich akzeptiert wird, können Unternehmen nicht mehr nur ihre Gewinne maximieren, sondern müssen auf die Umwelt Rücksicht nehmen und das kommunikativ vermitteln.
Haltung manifestiert sich in der Kultur, und die unterschiedlichen Kulturen in unserer Agenturgruppe sind ein großes, identitätsprägendes Thema. Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut, und so wie wir ein guter Corporate Citizen sind, arbeiten wir immer und immer weiter daran, der beste Arbeitgeber im Agenturmarkt zu sein. New Work ist dabei ein großes Thema und leider vielerorts nur ein Lippenbekenntnis – hier sind wir erfreulicherweise sehr weit. Wir sind auf dem Weg zum Marktführer, aber wollen dabei gewohnt hanseatisch bescheiden bleiben.

e) Messbarkeit ist immer ein Thema – allerdings suchen unsere Kunden immer mehr auch nach neuen Metriken und KPIs in allen Disziplinen. Unsere Fähigkeit, Kampagnen auf Basis von Live-Evaluationen und Echtzeit-Dashboards agil zu steuern, wird dabei immer stärker nachgefragt – hier gab es deutliche Entwicklungen in den letzten Monaten. Dabei profitieren wir sehr von unserer eigenen Performance-Unit und unseren Kollegen von fischerAppelt,play in der Agenturgruppe. Die Kombination von PR, Content Marketing und Performance Marketing hat einige ungeheuer schlagkräftige kommunikative Produkte hervorgebracht, die wir als Content-Amplification und Binge-Watching im Markt anbieten.

2) Auftragsumfang:
Generell beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Projektgeschäft – Kunden verkleinern ihre Retainer und shiften mehr Budgets in agile Projekte. Wobei die Größe der Gesamtetats aus Retainer- und Projekt-Geschäft erfreulicherweise steigt. Im interdisziplinären Mix gewinnt die PR an Bedeutung.

3) Budgethöhe:
Ist die Höhe der einzelnen Kundenetats 2019 unterm Strich im Vergleich zu 2018 gestiegen oder gesunken? Dieses Jahr war beides zu beobachten, aber unter dem Strich geht die Tendenz eher zu größeren Etats. 

4) Neukundengewinnung:
Ist die Neukundengewinnung 2019 einfacher oder schwieriger geworden als im Vorjahr? Das hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht signifikant verändert, allerdings beobachten wir, dass die Zeit vom Pitch-Gewinn bis zum Projektstart länger wird.

5) Ausblick:
Anders als 2018 haben wir in diesem Jahr deutlich mehr und größere Pitch- und Projektanfragen zum Jahresende, mit denen es direkt 2020 losgehen soll. Zudem haben wir in den letzten Monaten einige sehr bedeutende größere Mandate gewonnen – dementsprechend rechnen wir aktuell mit einem sehr guten Start ins neue Jahr. Gleichwohl wird die projektbasierte Zusammenarbeit auch weiterhin ein großes Thema bleiben. 

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Die PR wird im interdisziplinären Mix an Bedeutung gewinnen, dieser Trend zeichnete sich 2019 ab und wird sich auch in den beginnenden Zwanzigern fortsetzen. Dabei ist es aber wichtig, dass sich die PR ihrer Rolle im Mix bewusst wird. Es geht darum, Themen groß und auf großen Bühnen zu denken, die Kanalsilos zu ignorieren und kommunikative Aufgaben integriert und ganzheitlich zu lösen. PR steuert Relevanz bei, ihr Handwerkszeug sind Narrative und Geschichten. Darin stecken große Chancen und sehr erfreuliche Entwicklungsperspektiven.