Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

10.10.2019

im Heft

10/2019

Schlagworte

Medienbeobachter, Künstliche Intelligenz, KI, Trenderkennung, Predictive Communication

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Ausgabe 10/2019

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Medienbeobachter / KI-Trenderkennung

Menschen und Maschinen


Unser großer Beitrag zu „Predictive Communication“ in der Mai-Ausgabe stieß auf viel Interesse. Auch die klassischen Medienbeobachter nutzen verstärkt intelligente Crawler und Trendanalyse-Tools mit Künstlicher Intelligenz. Nebeneffekt: Google oder KI-Start-ups ersetzen die Agenturmitarbeiter ein Stück weit. Deshalb bauen die Dienstleister nun das Thema Beratung aus – oder werden selbst zu Software-Entwicklern.


Im Juli ist bekanntermaßen Sommerloch.
Der Medienbeobachter Unicepta aus Köln versuchte, die Saure-Gurken-Zeit mit einer neuen Ausgabe seiner Studienreihe „Impuls“ zu füllen. 18 Seiten Analyse zum Video des YouTubers Rezo, der einige Wochen zuvor die Volksparteien CDU und SPD zerlegt hatte. Bei den Europawahlen waren die Ergebnisse beider Parteien dramatisch eingebrochen. Der Anti-CDU-Film, so die Unicepta-Analyse, sei ein Menetekel für Unternehmen. Denn die neuen Meinungsmacher aus dem Netz könnten mit ihren riesigen Reichweiten künftig „vehement an Unternehmenstüren klopfen“.

Mit haufenweise Statistiken zur Social-Media-Resonanz von Klimaschutzthemen, mit Sentimentanalysen, Zahlen zu Nutzerreaktionen und grafisch aufbereiteten Empörungszyklen versuchten die Unicepta-Experten nachzuweisen, dass die Wirtschaft gut daran täte, die Sicht der jungen Netzgemeinde besser im Auge zu behalten.

Die Fingerübung sollte nicht nur neue Bedarfe bei Kunden wecken. Sebastian Rohwer, Managing Partner bei Unicepta, zieht die Rezo-Analyse auch immer wieder heran, um zu demonstrieren, wie sich der Medienbeobachter beim Thema technische Hilfsmittel aufstellt. „Die IT nimmt einen extrem wichtigen Stellenwert ein“, betont Rohwer. Die Daten für die Analysen der Rezo-Studie kamen aus der Maschine, genauer aus Algorithmen und „KI-basierten Prozessen“ – waren also auch dem Einsatz Künstlicher Intelligenz zu verdanken.

KI kommt auf mehreren Wertschöpfungsstufen der Medienbeobachtung zum Einsatz. Wenn Social-Media-Posts und Zeitungsartikel auswertbar vorliegen, gehen Suchmaschinen und sogenannte Crawler ans Werk, um gezielt nach bestimmten Begriffen zu suchen. Für fremdsprachliche Quellen bemüht man heute keine menschlichen Übersetzer mehr, sondern Übersetzungsprogramme, die Texte automatisch ins Deutsche oder Englische übertragen.

Bei Video- und Audioquellen sind es nicht menschliche Aushilfen, die stundenlang Bild- und Tonkonserven anschauen und sich Notizen machen müssen. Stattdessen generieren Algorithmen aus gesprochener Sprache in einer Tonspur automatisch Text. Bilderkennungsprogramme identifizieren wiederum Logos und Gesichter, denn nicht immer ist in den Bilddaten hinterlegt, was zu sehen ist.

Für solche Vorarbeiten greifen Medienbeobachter oft auf KI-Bausteine externer Dienstleister zurück, sagt Matthias Fank, Leiter des Master-Studiengangs Markt- und Medienforschung an der Technischen Hochschule Köln. Er gilt als ein Pionier des automatisierten Social-Media-Monitorings in Deutschland und kennt die Branche auch ganz praktisch: Fank führte lange selbst eine Datenanalysefirma.

Viele KI-Lösungen gibt es beispielsweise im Werkzeugkasten des Suchmaschinenkonzerns Google. „Google ist ein wichtiger Player“, bestätigt Unicepta-Partner Rohwer. Das US-Unternehmen stelle als Service etliche „Basis-KI-Elemente“ bereit, an die Medienbeobachter relativ einfach eigene Systeme andocken können, indem sie die offiziellen Google-Schnittstellen nutzen. Beispiel Echtzeitübersetzung: Mit dem „Google Translator“ übersetzt Unicepta Social-Media-Posts und Medienberichte aus 100 Sprachen automatisch ins Englische.

Auch die Google-Bilderkennung hat Unicepta in sein Angebot integriert, fahndet damit etwa auf Instagram nach Personen, Produkten und Logos. Als der Kunde Lufthansa kürzlich ein neues Markenzeichen einführte, untersuchten die Kölner mit dem Google-Service, an welchen Stellen im Netz noch das alte Logo auftauchte.

Dazu kommen exklusive KI Suchlösungen, die sich Unicepta durch Kooperationen mit Start-ups angeeignet hat. Die Agentur arbeitet zum Beispiel mit einem amerikanischen Partner zusammen, dessen KI die Tonspur von TV- und Radiobeiträgen abhört, in geschriebenen Text übersetzt und damit für die Volltextsuche zugänglich macht.

Auf der nächsten Stufe – der Trenderkennung – sind die Medienbeobachter unterschiedlich weit, was den Einsatz selbstlernender Algorithmen angeht. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des prmagazins, welche Technologien die klassischen Medienbeobachter bei der Trenderkennung bereits einsetzen, wie Mensch und Maschine bei der Auswertung zusammenwirken und wie die technologische Entwicklung die Geschäftsmodelle der Dienstleister verändert.

Die prmagazin-Ausgabe 10/2019 – darin unter anderem:

Die Standhafte: Stefanie Hansen hat sich bei dem Mineralölkonzern BP Europa in zwanzig Jahren an die Spitze gearbeitet.

KI-Trenderkennung: Auch klassische Medienbeobachter nutzen verstärkt intelligente Crawler und Trendanalyse-Tools mit Künstlicher Intelligenz.

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