achtung!

Mirko Kaminski

1) Auftragsinhalte:
a) Es geht immer weniger um Aufträge innerhalb eines bestimmten Gewerks wie zum Beispiel Werbung, PR, Social Media oder Content Marketing. Im Vordergrund steht immer öfter, eine Aufgabe effektiv und effizient – also daher in der Regel kreativ – zu lösen.

b) Kunden kaufen immer seltener ein Etikett wie PR, Werbung, Social Media oder Content Marketing. Sie wollen eher eine Aufgabe gelöst haben – erst mal ganz unabhängig von einer Disziplin oder einem Gewerk. Gefragt sind daher vor allem Strategie und Ideation. Es braucht immer eine starke, auf einem kraftvollen Insight fußende Idee.

c) Wir erfassen nicht so was wie „Dieses Projekt enthält X Gramm Digitales, Y Gramm PR und Z Gramm Paid Media“. Es gibt eigentlich keine Projekte mehr ohne Digitalanteil. Unsere Kunden sind bezüglich neuer Tech-Trends und -Themen mit uns bislang noch oft in der Experimentierphase. Wir bauen für sie und mit ihnen zum Beispiel Alexa-Skills und Chatbots und experimentieren mit AR und VR. Weil wir beobachtet haben, dass es da diesen großen Appetit auf Ausprobieren und Know-how gibt, haben wir ja den „Digital Kindergarten“ erschaffen. Am 6. Juni 2019 werden in Hamburg 2.500 Kommunikations- und Marketingentscheider erneut Roboter, KI, Voice, AR, VR & Co ausprobieren, um zu lernen.

d) Wir empfehlen Kunden schon seit Jahren, über das Thema Purpose zu sprechen, sich ein höheres Anliegen zu geben und einen höheren Marken- und Unternehmenszweck zu verfolgen. Und seit gut 12, 18 Monaten werden uns dafür massiv die Türen geöffnet. Marken sollten dieses höhere Anliegen verfolgen, auch um sich zu legitimieren, echter und wichtiger Teil des Lebens der Menschen zu sein. In einer turbulenten Welt sollten Marken heute mittels Haltung Orientierung spenden und mittels Purpose Bedeutsamkeit entfalten.

e) Kommunikation soll was erreichen. Und das ist zu messen. Viele Kunden fordern das. Richtig so! Und wenn es ein Kunde nicht fordert, dann empfehlen wir es und definieren klare KPIs. 

2) Auftragsumfang:
Der Umfang der Etats hat bei uns zugenommen. Das hängt aber sicher auch damit zusammen, dass wir als Agentur gewachsen sind – auch im Sinne von Bekanntheit und Position. 

3) Budgethöhe:
Siehe Antwort 2).

4) Neukundengewinnung:
Potenzielle Kunden werden auf achtung! aufgrund unserer Position in Umsatz- und Kreativrankings, durch unsere Cases, durch Awards und unsere Eigenkommunikation aufmerksam. Und da sind wir ganz gut im Spiel. Daher erhalten wir deutlich mehr Anfragen, als wir annehmen können und wollen. 

5) Ausblick:
Insgesamt nimmt die Nachfrage nach PR enorm zu, nur dass es nicht immer explizit „PR“ heißt. Viele dieser Anfragen kommen aus dem Marketing, sind mit größeren Budgets versehen und meinen eigentlich Lösungen und Ideen, die Earned-Media-DNA haben, aber eben auch im größeren Umfang Paid Media nutzen. Wir schauen zuversichtlich ins neue Jahr. 

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Es bleibt für Agenturen – wie übrigens auch viele andere Unternehmen – eine Herausforderung, richtig gute Leute zu finden und für sich zu gewinnen. Und diese Herausforderung dürfte noch wachsen. Ich nehme an, dass Agenturen mit weniger attraktiver Arbeitgebermarke und unterdurchschnittlichen Leistungen für Mitarbeiter künftig nicht mehr wachsen können oder sogar schrumpfen müssen. Nicht weil es an Aufträgen mangeln sollte, sondern weil es ihnen an Nachwuchs und guten Leuten fehlt.