Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

im Heft

5/2012

Newsrooms

Effiziente Betriebsamkeit

Unternehmen entdecken den Newsroom als Organisationsmodell für ihre Kommunikation. Die Großraumbüros nach dem Vorbild von Zeitungsredaktionen sollen helfen, crossmedial zu arbeiten, in Themen statt Kanälen zu denken – und nicht zuletzt effizienter zu werden. Ein Blick in die Schaltzentralen von Siemens, Post, Daimler, Heidelberger Druckmaschinen.

Alle um einen Tisch: Der Newsroom bei Siemens.

Die ersten Monate bei Siemens waren für Oliver Santen ein kleiner Kulturschock. „Ich bin oft durch die Gänge gerannt, Tür auf, Tür zu, und habe meine Leute gesucht“, erinnert sich der frühere Journalist. Bei Bild-Zeitung und Welt hatte er stets in Großraumredaktionen gearbeitet, alle Teammitglieder waren in Rufweite. In seinem neuen Job als Pressechef von Siemens musste er sich in den labyrinthartigen Fluren der gewaltigen Münchner Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz zurechtfinden, wo die Kollegen über mehrere Etagen verteilt saßen.

Die Laufarbeit kann sich Santen künftig sparen. Im Sommer 2011 hatte er den Job in der Unternehmenskommunikation des Technologiekonzerns angetreten – Anfang Februar dieses Jahres durfte er in eine eigens eingerichtete Nachrichtenzentrale im Siemens-Forum umziehen. In diesem „Newsroom“, einem Großraumbüro über zwei Etagen, sitzen Santen und 50 Kollegen an Schreibtisch-Inseln. Jeder kann jeden sehen, in der Mitte steht ein großer Nachrichten-Desk. „Jetzt muss ich nicht mehr für jede Besprechung eine Outlook- Einladung verschicken“, sagt er.

Seine Kollegen aus der Pressestelle sowie aus den Teams „TV + Radio“, „Online“ und „Themen“, die sich jeweils zu sechst auf vier Großarbeitstische verteilen, sind dem Vernehmen nach ebenfalls begeistert. „Selbst die größten Skeptiker sind inzwischen überzeugt von dem Konzept“, erklärt Christoph Hardt, der 2010 vom Handelsblatt zu Siemens wechselte und dort für interne und Führungskräftekommunikation verantwortlich ist.

Hardt und Santen haben den Newsroom für Siemens aufgebaut. „Das Herz des Ganzen ist die neue Kaffeeküche“, sagt Hardt und lächelt. „Rund um einen Kaffeevollautomaten ist eine halbkreisförmige Theke aufgebaut. Das ist eine richtige Informationsbörse geworden.“ Anders als in den fensterlosen Funktionsräumen, in denen sie früher ihren Brühkaffee zapften, halten sich die Mitarbeiter hier gern auf, sagt Hardt.

In Redaktionen von Medienhäusern sind Newsrooms schon länger in Mode. Jetzt entdecken immer mehr Unternehmen das Konzept für ihre Kommunikationsabteilungen. Und zwar nicht als schicken englischen Namen für einen Teil der Website oder als „Social Media Newsroom“, in dem sie online den Austausch mit Kunden, Belegschaft und Aktionären suchen. Sondern ganz handfest: Alle Mitarbeiter sitzen gemeinsam in einem Großraumbüro, in dessen Mitte oft an einem „Desk“ die Themen für alle Konzernmedien geplant und den einzelnen Sparten oder Publikationen des Unternehmens zugeteilt werden.

Nicht nur Technologiekonzern Siemens setzt auf das Konzept. Auch die Deutsche Post DHL, Autobauer Daimler und Druckmaschinenhersteller Heidelberg haben ihre Unternehmenskommunikation ganz oder teilweise als Großraumredaktion organisiert. „Das ist definitiv ein Trend und auch ein Zukunftsthema“, bestätigt Klaus Meier, Inhaber des Journalistik-Lehrstuhls an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Meier hat den Newsroom-Trend in Redaktionen beobachtet und findet es nur folgerichtig, dass nun auch PR-Divisionen nachziehen.


Den ganzen Text über den Trend Newsrooms in der Unternehmenskommunikation lesen Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins.

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