Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Journalist

im Heft

11/2011

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NGO-Serie (2): WWF

Umweltschutz zum Wohlfühlen

Der WWF bezeichnet sich selbstbewusst als größte und einflussreichste Umweltschutzorganisation Deutschlands. In jedem Fall zählt die NGO mit dem Panda-Logo, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, zu den ältesten Vereinigungen ihrer Art und ist wahrscheinlich sogar die erste internationale Naturschutzbewegung überhaupt. Teil zwei unserer Serie über die mächtigsten NGOs.

Der WWF ist offen für Kooperationen mit der Wirtschaft, ein bekanntes Beispiel ist das Krombacher-Regenwaldprojekt mit Testimonial Günther Jauch.

Eigentlich hatte sich der WWF auf gute Laune eingestellt. 50 Jahre nach Gründung wollte er an seine Ursprünge als Charity-, also Spenden-Organisation erinnern. An Erfolge und den Wandel von der Notfallhilfe zur nachhaltigen Naturschutzarbeit. Doch ein Film zerstörte die schöne Stimmung, zumindest bei den deutschsprachigen WWF-Mitgliedern. Am 22. Juni lief in der ARD „Der Pakt mit dem Panda“ und löste im Netz einen veritablen Shitstorm aus.

Der Bremer Filmemacher Wilfried Huismann hatte sich die „größte und einflussreichste Umweltschutzorganisation in Deutschland“ (Selbstdarstellung) vorgeknöpft. Seine Vorwürfe: Manche Umweltschutzprojekte seien nutzlos, Lebensmittel-, Energie- und Agrarkonzerne hofiert worden, sogar mit der Gentechnikindustrie habe sich der WWF verbündet. Ein Jahr lang hatte Huismann für seine Dokumentation recherchiert, und auch wenn manche These sich als stark zugespitzt oder gar spekulativ erwies: Er traf offenbar einen Nerv.

Schließlich verfasste der WWF, der sich mit seiner Reaktion schwertat, einen siebenseitigen „Faktencheck“ zu wichtigen Aussagen, filmte eine eigene Stellungnahme, lud zum Chat ein – und konnte in den Folgewochen die Wogen glätten. „Wir haben erst lernen müssen, wie man mit einer solchen Konfrontation in sozialen Netzwerken umgeht“, sagt Pressechef Jörn Ehlers: „Die vielen heftigen Reaktionen im Netz kamen doch eher unerwartet.“

Unabhängig davon, ob der WWF klug reagiert hat, legt die Aufregung um den Film die beiden großen Angriffsflächen der Organisation frei: Erstens gehört die Partnerschaft mit Unternehmen, auf die Huismann mit seiner Kritik abzielt, zum Wesenskern des WWF. Zweitens ist er es nicht gewohnt, im Scheinwerferlicht zu stehen. Gemessen am Einfluss ist seine mediale Präsenz deutlich kleiner als die von NGOs wie Greenpeace.

GRÜNDUNG UND ZIELE

Kooperation und Diskretion rühren von den Anfängen her: 1961 starteten nicht Umweltaktivisten (die gab es damals kaum) den ersten Spendenaufruf, sondern 16 britische Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker. Sie warben für einen „World Wildlife Fund“ zum Schutz bedrohter Tierarten. Man sorgte sich um die afrikanische Tierwelt, um Elefanten, Nashörner, Affen und Antilopen. Da Briten, Franzosen und Belgier ihre Kolonien damals in rascher Folge in die Unabhängigkeit entließen, erwartete man, dass in Afrika bald nicht nur der Sinn für ein gewisses Maß an „Law and Order“ und Ressourcenschutz fehlen würde, sondern vor allem Geld für die Umwelt. Das sollte der WWF sammeln.

Die damals erdachte PR-Strategie ist bis heute aktuell: Hiobsbotschaften, schockierende Bilder von Umweltzerstörung und Bilder von unzerstörter Natur sollen Herzen und Brieftaschen für den Umweltschutz öffnen. „Die Krisensituation in der Tierwelt ist werbewirksam und lässt sich effizient zur Geldbeschaffung einsetzen“, schrieb Max Nicholson, damals Leiter der britischen Umweltbehörde und einer der geistigen Väter des WWF, an seine Mitstreiter, als der Plan aufging: Drei Wochen nach Gründung lagen 13.000 Pfund auf den WWF-Konten.

Eine weitere Woche später, der Daily Mirror hatte zuvor breit über aussterbende Tiere berichtet, stieg die Summe auf 60.000 Pfund – nach Kaufkraft entspricht das rund 2,5 Millionen Euro. Schon im Gründungsjahr kam Unterstützung aus der Industrie: Shell spendete 10.000 Pfund. 1976 wurde der frühere Shell-Chef John Loudon Präsident des WWF.

Und heute? Filmemacher Huismann: „Es gibt nach wie vor die klare Anweisung, die Schocktaktik anzuwenden. Das heißt möglichst schreckliche Bilder zu präsentieren, um Spender mit dem Versprechen ,Wir retten diese Tiere‘ anzulocken.“ Allmählich erweiterte man das Wirken über das Tierreich hinaus und benannte den WWF zum 25. Jubiläum in World Wide Fund for Nature um – inzwischen wird fast nur noch die Abkürzung WWF verwendet. Auch ein neuer Leitgedanke wurde entwickelt: Kindern einen lebendigen Planeten zu hinterlassen. Heute heißt die Mission etwas poetisch: „Der WWF will der weltweiten Naturzerstörung Einhalt gebieten und eine Zukunft gestalten, in der Mensch und Natur in Harmonie leben.“


Das komplette Porträt über den WWF lesen Sie in der November-Ausgabe des prmagazins.

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