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Autor

Boris Glatthaar

Freier Autor

verfasst am

24.05.2018

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Journalisten-Events

Noch ausbaufähig


Unternehmen experimentieren mit digitalen Alternativen zu Journalisten-Events. Was halten die Medienvertreter davon? Welche Hürden gibt es? Wir haben uns zwei Beispiele näher angeschaut. Ein Blick auf Hyundai und den Deutschen Fußball-Bund.

Die digitale Pressesprecherin erscheint etwas unperfekt. Ihre Gestalt wirkt transparent und flackert. Ihre sanfte Stimme ist klar, aber bringt einen leicht blechernen Nachhall mit. Umgeben ist die Dame von schwarzem Nichts und blau leuchtenden Hologrammeffekten. Einzig Fotos und Videos vom neuen Hyundai-Modell „Kona Elektro“ wirken vollends real.

Die Präsentation des Fahrzeugs Ende Februar durch den Avatar sei „die erste rein digitale Pressekonferenz in der Automobilbranche“, jubelte Mackevision, eine Agentur für „Computer Generated Imagery“ und visuelle Effekte – ganz traditionell – in einer Pressemitteilung. Darin zitierten die Stuttgarter auch Sabine Hückmann, CEO der von Hyundai beauftragten Agentur Ketchum Germany: „Der digitale Ansatz entspricht der modernen Arbeitsrealität von Journalisten.“ Statt anreisen zu müssen, können sie am Schreibtisch vor dem Bildschirm sitzen bleiben und damit Geld und Zeit sparen. Zusätzlich hatte Hyundai eine Website freigeschaltet, auf der Journalisten mehr zum neuen Auto erfahren konnten.

Wenn man es genau nimmt, war das Online-Ereignis keine Pressekonferenz, sondern eher eine effektbeladene Präsentation – und damit eine kommunikative Einbahnstraße. Eine Auseinandersetzung mit den Journalisten, die sich  direkt auf den Verlauf der Pressekonferenz und deren Inhalte hätte auswirken können, blieb aus. „Gibt es Feedback der Zielgruppe, also der Journalisten dazu?“, twitterte Bosch-Pressechef René Ziegler als Antwort auf einen Jubel Tweet von Ketchum zur Digital-PK interessiert – der Stuttgarter Zulieferer ist bekannt für seine digitale Experimentierfreudigkeit.

Fragt man Bernhard Voß, Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit Hyundai Motor Deutschland, bekommt man folgende Antwort: An der europaweiten Online-Präsentation nahmen allein aus Deutsch- land 1.539 eingeladene Journalisten teil – das sei ein Vielfaches dessen, was mit einer Präsenzveranstaltung erreichbar sei. Unmittelbar im Anschluss an die Präsentation hätten alle großen Automedien über den Kona Elektro berichtet. 

Bei allem Erfolg solcher Online-Formate: Es ist Journalisten offenbar weiterhin wichtig, die Möglichkeit zu haben, Fragen zu stellen. Als Airbus im vergangenen Jahr ankündigte, seine Bilanzpressekonferenz online abzuhalten, war eine Sorge der Wirtschaftsredakteure, nicht mehr persönlich nachhaken zu können (siehe prmagazin 07/2017).

Egal ob online oder offline: Der Wert von Pressekonferenzen hat für Medienvertreter in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Einer Erhebung der Münchner Agentur PR von Harsdorf aus dem Jahr 2016 zufolge liegt das vor allem daran, dass die Zusammenkünfte immer mehr zu durchorchestrierten Marketing-Events geraten und die Veranstalter auf kritische Fragen nicht ausreichend antworten. Grundsätzlich habe die Befragung von 700 Medienvertretern jedoch gezeigt, dass 50 Prozent der Wirtschaftsjournalisten, 63 Prozent der IT-Journalisten und 71 Prozent der Branchenjournalisten einer digitalen PK durchaus offen gegenüberstehen – vorausgesetzt, dass sie den Namen verdient.

Dieser Text ist ein Auszug. Welche Erwartungen Journalisten noch an digitale Pressekonferenzen haben, wie Hyundai und der DFB diese zu erfüllen versuchen und warum die Events im Netz (bisher) nur als zusätzliches Angebot funktionieren, lesen Sie in unserer Mai-Ausgabe.

Die Mai-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Ground Control: Seit Andreas Lampersbach bei dem Rückversicherer
Munich Re im Amt ist, geht es bodenständiger zu in München.

Corporate Influencer: Die eigenen Mitarbeiter sind die besseren Markenbotschafter im Netz. Wie man sie findet und führt.

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