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prmagazin

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GPRA / Praktika

„Ein Schritt in die richtige Richtung“

Die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) hat erstmals einheitliche Mindeststandards für Praktika bei ihren Mitgliedern vorgelegt. Damit reagiert der Verband auf den nach wie vor schlechten Ruf der Dienstleister als Arbeitgeber - und empfiehlt seinen Mitgliedern eine Vergütung von maximal 700 Euro.

Das prmagazin hat einige Studenteninitiativen um eine Stellungnahme gebeten. Sie begrüßen die Standards unisono. In einigen Punkten geht ihnen der Vorstoß des Verbands jedoch nicht weit genug. So müssten auch Praktika, die länger als drei Monate dauern, sowie regionale Unterschiede in den Miet- und Lebenshaltungskosten Berücksichtigung finden.

 

Public Relations Studierende Hannover (PRSH)


Wir begrüßen die Einführung von Mindeststandards für Praktikanten in GPRA-Agenturen.
Die Standards dienen als Grundlage zur Qualitätssicherung einer praxisbezogenen PR-Ausbildung und Qualifizierung im Job. So können sich Bewerber und Arbeitgeber bereits zu Beginn des Praktikums an den formulierten Lernzielen orientieren und im weiteren Verlauf den Überblick über ausstehende Ausbildungsinhalte bewahren. Es ist wünschenswert, dass die persönliche Betreuung und die Feedbackgespräche zur Zwischen- und Endevaluation der Lernerfolge auch von einem Junior- oder Seniorberater mitbegleitet werden. Um das Potenzial der Bewerber wertschöpfend einzusetzen, sollten Agenturen ihr Praktikumsprogramm zudem an die Fähigkeiten der Bewerber anpassen. Die formulierten Mindeststandards eignen sich zwar für ein „Orientierungspraktikum” in der PR, decken aber nicht zwingend die Anforderungen und Erwartungen erfahrener Praktikanten ab. Daher empfehlen wir die Aufnahme des Punkts „Die Lernziele sind an die studienspezifische Vorbildung und berufspraktischen Vorkenntnisse der Praktikanten anzupassen” unter dem Punkt “Sonstiges”.

Sehr erfreulich ist, dass die GPRA auf Anregung der studentischen PR-Initiativen ein einheitliches Vergütungsfenster festgelegt hat, das sich nach dem BAföG-Höchstsatz richtet und somit ein kostendeckendes Praktikum gewährleistet. Vor dem Hintergrund der Nachwuchsdebatte und der vielfach geforderten ideellen und finanziellen Wertschätzung des PR-Nachwuchses ist ein Gehalt von 600 bis 700 Euro für ein dreimonatiges Praktikum in Agenturen angemessen. Aus den Mindeststandards geht jedoch nicht hervor, ob die Mitgliedsagenturen der GPRA bereit sind, Studierende außerhalb eines Pflichtpraktikums für eine längeren Zeitrum zu beschäftigen.


Leipziger Public Relations Studenten (LPRS)


1. Wie bewerten wir die Standards insgesamt, auch vor dem Hintergrund der Nachwuchsdebatte im Jahr 2013 und der Einführung des Mindestlohns?

Wir, der LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e.V., begrüßen grundsätzlich die Einführung von Mindeststandards für Praktika durch den Agenturverband der GPRA. Dies zeigt, dass sich auf Seiten der Kommunikationsagenturen offensichtlich zum Thema Nachwuchs auch tiefergehende Gedanken gemacht wurden. Weiterhin erhalten Studenten damit auch erstmals die Möglichkeit, sich an konkrete Mindestansprüche für ihre PR-Praktikantendauer zu orientieren beziehungsweise diese im Fall eines Praktikums bei einer GPRA-Mitgliedsagentur geltend zu machen. Die im Jahr 2013 angestoßene Nachwuchsdebatte, in der Themen wie eine faire Vergütung für Praktikanten und Berufseinsteiger sowie eine Kultur der Wertschätzung diskutiert wurden, spiegelt sich in einigen Punkten der GPRA-Liste wieder. Die Selbstverpflichtung zu einer Vergütung begrüßen wir.

Nach einer ersten Einschätzung scheinen die Mindeststandards vermutlich eher für Erst- und Zweitpraktika angemessen, nicht jedoch für beispielsweise einen Masterstudenten der Universität Leipzig, der, um einen Studienplatz im Master Communication Management zu erhalten, bereits mindestens sechs Monate praktische Erfahrung nachweisen muss. Zudem scheint die Empfehlung einer Praktikumsdauer auf (in der Regel) drei Monate eine Umgehung der – im Fall eines freiwilligen Praktikums – ab Beginn des vierten Monats einsetzenden Mindestentlohnung darzustellen.

2. Decken sich die GPRA-Standards mit den Anforderungen und Erwartungen von Praktikanten?

Gerade für Masterstudierende ist das eigenverantwortliche Arbeiten von zentraler Bedeutung, da bei diesen vielfach bereits sehr hohe Qualifikationen auch im praktischen Bereich existieren. Natürlich ist auch hier eine individuelle Behandlung sinnvoll.

3. Sind die Standards angesichts des digitalen Wandels zeitgemäß?

Die Standards sind ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht um die weitere Professionalisierung und einen gewissen Qualitätsstandard der Branche in Praxis und Ausbildung. Da wären ausgefeilte Curricula für Praktikanten natürlich toll. Klar ist aber auch, dass sich das Berufsbild rasant weiterentwickelt. Jedes Kommunikationsinstrument zum Standard zu erheben, wäre wenig zukunftsfähig.

4. Welche Punkte vermissen Sie?

Wünschenswert wäre esm neben den vereinbarten Lernzielen, Organisatorisches und den Anforderungen an Praktikanten auch über die Rolle des Praktikanten in der Agentur zu sprechen. Vergleichbar zu einer staatlichen Ausbildung könnten auch hier Eckpunkte zur Struktur und Beschaffenheit der Praktikantenstelle genannt werden.

5. Ist die vorgeschlagene Vergütung fair?

Über die Fairness der vorgeschlagenen Vergütung kann unseres Erachtens nicht pauschal entschieden werden. Die Orientierung am Bafög-Satz für Bachelorstudenten begrüßen wir, allerdings: In Hamburg oder München reichen 600 bis 700 Euro nicht zum Leben. Exzellente Arbeit und Ausbildung sollte auch honoriert werden, genauso wie bereits einschlägige Berufs- oder akademische Abschlüsse. Daher würden wir die Bezahlung nach dem Mindestlohn zumindest für Masterstudenten mit einschlägiger PR-Praxiserfahrung bevorzugen. Aber auch hier sehen wir die Standards als solide Grundlage für die Zukunft.


kommoguntia (Mainz)


Wie bewerten Sie die Standards insgesamt, auch vor dem Hintergrund der
Nachwuchsdebatte im Jahr 2013 und der Einführung des Mindestlohns?

Die Etablierung von Standards für Praktika in der PR sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dadurch wird garantiert, dass Praktikanten einen echten Mehrwert aus ihrem Praktikum ziehen und die Agenturen die Anliegen der Berufseinsteiger ernst nehmen.

Decken sich die GPRA-Standards mit den Anforderungen und Erwartungen
von Praktikanten?

Die vorgelegten Standards sind eine gute Diskussionsgrundlage. Ein Praktikum dient primär der Berufsorientierung. Praktikanten sollten möglichst viele Bereiche der PR-Arbeit kennenlernen können. Wer bereits Vorerfahrungen aus dem Studium und anderen Praktika mitbringt, sollte daher entsprechend seinen individuellen Fähigkeiten eingesetzt werden. Speziell unsere Mitglieder sind vermehrt an Strategie- und Konzeptentwicklung sowie der Beratungsarbeit interessiert.

Sind die Standards angesichts des digitalen Wandels zeitgemäß?

Der Umgang mit Social Media sollte zum Basisrepertoire eines professionellen Kommunikators gehören. Daher wundert es uns, dass die praktische Ausbildung in diesem Bereich aus den Mindeststandards ausgeklammert wurde.

Welche Punkte vermissen Sie?

• Die Mindeststandards sollten auch für Praktika über 3 Monate gelten.
• Zu Beginn des Praktikums sollten gemeinsame Lernziele festgelegt
werden.
• Für Praktikanten ohne entsprechendes Vorwissen sollte die Einführung in die Grundlagen strategischer Kommunikationsplanung inklusive Analyse und Controlling zum Mindeststandard gehören.

Ist die vorgeschlagene Vergütung fair?

Pflichtpraktika sollten für Studierende kostenneutral sein. Die Forderung, sich am BAföG-Höchstsatz zu orientieren, unterstützen wir. Darüber hinaus sollten jedoch auch regionale Gegebenheiten berücksichtigt werden. Beispielsweise ist eine Wohnung in München teurer als in Berlin oder Leipzig.


Campus Relations (Münster)


Wie bewerten Sie die Standards insgesamt, auch vor dem Hintergrund der Nachwuchsdebatte im Jahr 2013 und der Einführung des Mindestlohns?


Vor dem Hintergrund der Mindestlohndebatte und der Kürzung von Praktikumsstellen in vielen Agenturen stellen die GPRA-Mindeststandards eine wertvolle Leitlinie dar, anhand derer sich ein kompaktes, aber dennoch effektives Kurzzeitpraktikum realisieren lässt.

Decken sich die GPRA-Standards mit den Anforderungen und Erwartungen von Praktikanten?

Den meisten PR-Studierenden ist es vor allem wichtig, erste praktische Erfahrungen neben dem Studium sammeln zu können und theoretisch gelerntes Wissen anzuwenden. Gerade Agenturen eignen sich hierfür durch ihre vielfältigen Aufgabenbereiche. Da die meisten Studenten nur in der vorlesungsfreien Zeit Vollzeit-Praktika absolvieren können, ist es wichtig, in möglichst kurzer Zeit viele Arbeitsabläufe mitzuerleben und sich selbst praktisch ausprobieren zu können. Die in den Mindeststandards der GPRA aufgelisteten Lernziele lassen sich durchaus als deckungsgleich mit den Erwartungen von Praktikanten bezeichnen. Allerdings sieht der Agenturalltag für Praktikanten häufig anders aus. Viele Agenturen schreiben kaum Praktika unter drei Monaten aus, dabei stehen vielen Studierenden nur zwei Monate in der vorlesungsfreien Zeit zur Verfügung (sofern kein Urlaubssemester eingelegt wird).

Sind die Standards angesichts des digitalen Wandels zeitgemäß?

Die von der GPRA aufgelisteten Standards beziehen sich hauptsächlich auf allgemeine Aufgaben und Arbeitsfelder einer Agentur. Wichtig ist aber auch, den Kernbereich der spezifischen Agentur kennenzulernen, um sich selbst spezialisieren zu können. Insbesondere Kompetenzen in den Bereichen Online-Kommunikation und Social Media werden heutzutage von Bewerbern erwartet. Diese sollten nach Möglichkeit während des Praktikums gefördert werden.

Welche Punkte vermissen Sie?

Wie oben beschrieben sollte Praktikanten insbesondere die Komplexität der digitalen Kommunikation vermittelt werden. Außerdem ist das Alleinstellungsmerkmal einer Agentur - die Vielfältigkeit des Kunden- und Leistungsspektrums sowie die Pitch-Situation - hochattraktiv für Praktikanten und sollte nach Möglichkeit in das Praktikum integriert werden (zum Beispiel durch die praktische Mitarbeit an unterschiedlichen Projekten für verschiedene Kunden und die aktive Einbindung in einen Pitch).

Ist die vorgeschlagene Vergütung fair?

Für ein Kurzzeitpraktikum, in dem der Praktikant erste praktische Erfahrungen sammelt und den Agenturalltag einführend kennenlernt, scheint eine Vergütung, die sich am BAföG-Höchstsatz zwischen 600 und 700 Euro orientiert, als angebracht. Diese Regelung hat campus relations e.V. in einer Stellungnahme zur Mindestlohndebatte aus dem Jahr 2014 bereits vorgeschlagen. Allerdings sollte sich die Vergütung ebenfalls an den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten am jeweiligen Agenturstandort orientieren, um auch finanziell schwach situierten Studierenden ein attraktives Praktikum (zum Beispiel in Hamburg oder München) zu ermöglichen. Hier ist es auch möglich, den Praktikanten zusätzlich einen Wohnkostenzuschuss zu zahlen, wenn sie für das Praktikum den Wohnort wechseln müssen und dadurch mit mehr Kosten konfrontiert werden.


  Die GPRA-Standards für Praktika im Wortlaut:


 Lernziele

  • Geschäftsmodell Agentur kennenlernen (inklusive Unterschied zwischen Agentur und Unternehmen und der Antwort auf die Frage, ob Agentursystem auf die eigene Persönlichkeit passt)
  • Berufsbild kennenlernen (Ein- und Aufstiegschancen, Entwicklungsperspektiven in einer Agentur)
  • Grundlagen der PR beziehungsweise Kommunikation (inklusive Darstellung der Vielfalt des Berufsfelds, auch wenn praktische Erfahrung nicht in allen Bereichen möglich ist)
  • Grundlagen des Projektmanagements
  • Effektives Arbeiten im Team
  • Grundlagen der Medienbeobachtung inklusive erste Ausblicke auf qualitative Auswertungsmethoden
  • Grundlagen der Datenbankarbeit (Presseverteiler etc.)
  • Grundlagen der Medienarbeit (Journalistenkontakte, Blogger Relations etc.)
  • Mitarbeit an der Erstellung von Texten (kanalunabhängig)
  • Vermittlung von Recherchetechniken
  • Einführung in Büro-/Agenturorganisation
  • Selbstständig arbeiten lernen anhand eigener kleiner Projekte


  Organisatorisches

  • Zeitraum: in der Regel drei Monate
  • Besprechung über den Ablauf zu Beginn des Praktikums
  • Ein fester Betreuer für Praktikanten in der Agentur
  • (Mindestens) ein Feedbackgespräch in der Mitte und zum Ende des Praktikums
  • Vergütung: Orientierung an BAföG-Höchstsatz zwischen 600 und 700 Euro
  • Strukturierte Befragung am Ende des Praktikums zur Beurteilung des tatsächlichen Lernerfolgs


  Anforderungen an die Praktikanten

  • Abitur
  • Eingeschrieben als Student / alternative Weiterbildung
  • Umgang mit MS Office
  • Englisch-Kenntnisse


 Sonstiges

  • Fachqualifikationen wie zum Beispiel Bewegtbildkompetenz, Corporate oder Social Media sind nicht dafür geeignet, in die Liste der Mindeststandards aufgenommen zu werden. Immer mehr Agenturen haben Fachabteilungen für diese Themen, deshalb sind diese vor allem bei großen Agenturen nicht automatisch Inhalt der täglichen Arbeit aller Kommunikationsleute.
  • Welche zusätzlichen Angebote Mitgliedsagenturen machen, um sich von Mitbewerbern zu differenzieren, liegt natürlich im eigenen Ermessen jeder Agentur.

 

 

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