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prmagazin

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12/2014

Pressestellentest: Automobilverbände

Antworten von Automobilclub von Deutschland

1) Auto-Deutschland fährt nicht vor die Wand, aber die deutschen Autofahrer werden in den nächsten 10 Jahren merken, dass sich die internationale Einschätzung der Konfiguration eines Alltagsauto so stark vom nationalen Geschmack unterscheidet, dass die angebotenen Fahrzeuge nach den Bedürfnissen der überwiegenden, also internationalen Zielgruppe, gestaltet werden. Das merkt man derzeit schon am Design, das sich bei auf dem dortigen Markt starken Marken dem asiatischen Geschmack anpasst.

Wenn der Trend in den Hauptabsatzmärkten zu praktischen Autos mit alternativem Antrieb gehen sollte, geschehen in Deutschland zwei Dinge: 1., die weniger nachgefragten Modelle werden zwangsläufig teurer und 2., alternative Antriebssysteme werden preiswerter und damit attraktiver. Hersteller, die am internationalen Markt nicht flexibel sind, werden der Wand nahe kommen.

Aber: es kann durchaus sein, dass die Elektromobilität manchen Hersteller an die Wand fährt, weil Elektroautos schlichtweg nicht gekauft werden. Selbst Vernunftmobile wie der vom Mitsubishi i-MIev abgeleitete Peugeot haben Produktionspausen mangels Nachfrage und der sensationell gute und alltagstaugliche Opel Ampera bleibt bei den Händlern stehen. Dabei spielen die unten genannten gutenm Gründe eine wichtige Rolle.

2) Die Förderung der E-Mobilität wäre unnötig, wenn die Hersteller es schaffen würden, elektrische Produkte "sexy" und begehrenswert zu machen. Dies ist derzeit nicht der Fall. Deshalb sieht man weder Opel Ampera noch Mitsubishi MiEV oder Peugeot Zero und den neuen BMW i3 auf den Straßen - intellektueller Habitus und temporärer Chic reichen als Kaufargument nicht aus.

Die Deutschen ignorieren die Elektromobilität aber auch aus anderen Gründen:

1. zu viele Varianten an Ladesteckern und -Stationen - keiner blickt durch, nichts ist kompatibel.

2. Während viele Autofahrer noch ABS von ASR und RDS von GPS unterscheiden können und zwischen GTi, GTR, GLS, CLS, CLK X und i wählen, hat die Industrie Ihnen bezüglich Elektromobilität keinerlei griffige Informationshilfen zu bieten. Wer weiß Lithium-Ionen- von Gel-Batterien von Stacks oder Zebra-Packs zu unterscheiden, wer versteht etwas davon, wieviel Rekuperation welche Fahrmanöver bieten und was das bringt? Erstmals ist Technik nicht faszinierend! Jeder fragt nur, wie weit kommt man denn damit, obwohl er nur durchschnittlich 38 km am Tag fährt. Die Industrie ignoriert dieses Manko und schafft es nicht einmal deutlich zu machen, dass Elektrofahrzeuge im Alltagsbetrieb viel dynamischer sind, als Herkömmliche - und warum. Und weil man davon nichts versteht und jeder was anderes behauptet, lässt der Kunde die Finger davon.

3. Förderung ist falsch, so lange die Industrie sich nicht auf einheitliche Batteriepacks und Ladesysteme einigt, die den Tausch der Akkus an Ladestationen an Tankstellen ebenso einfach machen, wie einen Batteriewechsel in der Taschenlampe. Das Konzept "Better place" wollte dies einrichten, es ist an der Verweigerung der Industrie gescheitert. Vielleicht braucht man das aber überhaupt nicht, denn

4. Elektroautos sind nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Fahrzeuge, wenn man die Energie-Gesamtbilanz und die teuren Ressourcen betrachtet. Obendrein ist die Verwendung älterer Modelle als Gebrauchtwagen fragwürdig, mit großem Wertverlust verbunden und in der Entsorgung problematisch.

Deshalb gehört die Zukunft dem autarken Hybrid-Fahrzeug nach Art des Toyota-Prius und des Opel Ampera, das auch ohne die extrem teure und aufwändige Ladestation-Infrastruktur auskommt. Doch da haben die deutschen Hersteller ausser dem richtungweisenden und dennoch verschmähten Opel Ampera nur wenig zu bieten. Würde die Bundesregierung Elektroautos fördern, würde folglich ein Signal in die falsche Richtung gesetzt.

Vielmehr muss die Bundesregierung zunächst mal die Wahrheit verkünden, dass die Strompreise für Elekromobilität in den nächsten 10 Jahren so steigen werden, dass die Kosten für das Nachladen dem herkömmlichen Tanken gleichen. Schon heute werden dazu gemäß EU-Regularien in allen Haushalten Zähler installiert, die die IP-Adresse jedes angeschlossenen Gerätes registrieren und auswerten können, d.h. auf der Rechnung wird stehen, wie lange und wann man den Fön mit 300 Watt, die Waschmaschine mit 1500 Watt und das Autoladen mit 6000 Watt betrieben hat. Die EU verlangt die Kilowatt-Bilanz aller Aktivitäten und eine adäquate Abrechnung. Das ist auch das Interesse des Finanzministers, der sonst bei der 1 Million gewünschter Elektrofahrzeuge auf immense Mineralölsteuern verzichten müsste. Die bestehende Förderung der Elektromobilität über den Strompreis wird in spätestens 10 Jahren auslaufen - bei der anschließend herrschenden Kostenwahrheit wird es das Elektroauto sehr schwer haben.

Die Begründung dazu liegt in der Physik:

Eine 20 KWh-Batterie entspricht einer Leistung von 20.000 Watt. Bei Ladung binnen einer Stunde müssten die 20.000 Watt bereitgestellt werden, binnen 2 Stunden 10.000 Watt, binnen 4 Stunden 5.000 Watt und binnen 8 Stunden 2.500 Watt. Das sind die Werte für einen Kleinwagen. Mitteklasse-Fahrzeuge haben mindestens 45 KWh, d.h. bei 8 Stunden Ladung muss eine Ladestrom von bis zu 5.625 Watt pro Stunde bereitgestellt werden. Das macht in den meisten Haushalten, auch wenn ja meist nur nachgeladen wird, einen Drehstromanschluss mit 380 V notwendig.

Solange diese Fakten nicht klar ausgesprochen werden, ist bei der Elektromobilität mit keinem Durchbruch zu rechnen. 

3) Das kann man nicht pauschal beantworten. Der AvD sieht, dass etwa Toyota Prius und andere Hybrid-Fahrzeuge in der Statistik unauffällig und ebenso zuverlässig sind, wie andere Automobile. Die meisten anderen Modelle sind so wenig verbreitet, dass sich keine Aussagen treffen lassen. Vielfach werden sie durch interne Service-Übereinkommen auch direkt an die Hersteller-Werkstätten gebunden, dass klassische Mängel, wie etwa eine leere Batterie, dem AvD nicht gemeldet werden.   

4)  Der AvD unterstützt öffentliche Vorstellungen, die das Thema Elektromobilität begehrenswerter machen. Schon vor 20 Jahren versuchte er, eine E-Kart-Serie zu etablieren, was aber an der Akzeptanz der Motorsportler scheiterte. Der AvD veranstaltete Ende August 2011 die "Erprobungsschau" AvD-ECO-Gala Schwetzingen, bei der man nahezu alle Alternativen ausprobieren konnte und könnte sich vorstellen, diese Veranstaltung zu wiederholen. AvD-Moderatoren unterstützen die "Electric-Avenue" auf der "Klassikwelt-Bodensee" und die Präsentation bei anderen Events. Dabei bemerken wir aber auch, dass das Interesse des Publikums schnell nachlässt, wenn über die Kosten der alternativen Mobilität gesprochen wird.

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