Pressestellentest: Energiebranche

David schlägt Goliath

Von den Energieunternehmen punkten im Pressestellentest die schlank aufgestellten Ökostromanbieter. Etwas schwerer tun sich die vier Branchenriesen und einige Stadtwerke. Der fünftgrößte deutsche Versorger EWE schaltet in der Kommunikation nach einem guten Start den Strom ab. Die Testfragen drehen sich um die Folgen der Reaktorunfälle in Japan.

Die Ökostromanbieter punkten im Pressestellentest. (Foto: ddp)

Es ist ein heißes Frühjahr für die Stromversorger. Das Energiekonzept der Regierung liegt noch frisch auf dem Tisch, seit Fukushima diskutiert Deutschland heftig über Atomenergie, einige ältere Meiler mussten über Nacht vom Netz. Viel zu erklären, viel zu verteidigen für die Pressestellen der Unternehmen.

Gefragt waren Zahlen und Einschätzungen: 1) Wie wirkt sich die aktuelle Atomdebatte seit den Reaktorunfällen in Japan auf Ihre Kundenzahlen aus? 2) Wie setzt sich der von Ihnen vertriebene Strom zusammen? 3) Hat die Atomenergie noch eine Restchance als Brückentechnologie? 4) Was muss die Politik, was müssen die Unternehmen tun, um in der Bevölkerung Akzeptanz für den notwendigen Ausbau der Netze zu erreichen?

„Puh, das ist schon ein Rundumschlag“, kommentiert die Assistentin eines Energieriesen passend. Als schwierig erweisen sich erwartungsgemäß die beiden Einschätzungen. Besonders das Verhältnis der großen Energiekonzerne zur Politik ist durch das Moratorium belastet. Die Fragen sollen testen, wie professionell die Pressestellen mit heiklen Themen umgehen. Gibt es individuelle Antworten oder nur drei Sätze aus einer Pressemeldung?

Das Testfeld ist bunt: Bei den Energieriesen finden sich üppig besetzte Pressestellen, ein Ökostromanbieter gibt gleich die Durchwahl des Geschäftsführers weiter. Die regionalen Versorger ordnen sich dazwischen ein. Die Ergebnisse sind unterm Strich zufriedenstellend. Acht der 13 Testkandidaten erreichen mindestens ein „Gut“. Zwar ist manchmal ein Nachhaken notwendig, aber irgendwann kommen die Antworten – und in der Regel sind sie brauchbar.

Das kurioseste Resultat: Glaubt man den Aussagen zu den Kundenzahlen, müssen viele Deutsche ohne Strom gelebt haben. Die Ökostromer bejubeln eine tägliche Vervielfachung der Neukunden, die Energieriesen dementieren eine Wechselwelle. Insgesamt setzen sich im Test die Ökostromanbieter durch, Naturstrom ist sogar Sieger. Ihre meist schlanke Struktur sorgt dafür, dass sich die Sprecher klar äußern, ohne sich vorher auf höherer Ebene rückversichern zu müssen.

Bei RWE dauert es Stunden, bis man bei den richtigen Ansprechpartnern angekommen ist: Für die Frage zur Brückentechnologie antwortet ein Sprecher der Kraftwerkssparte, für die Kundenzahlen telefoniert man der Vertriebssparte hinterher. Dass kleine Unternehmen auch Nachteile haben können, zeigen die Elektrizitätswerke Schönau: Weil beide Chefs unterwegs sind, kann niemand Stellung nehmen.

Die Regionalen bieten alles von Hochspannung bis Stromausfall. Die Bandbreite reicht von prompten und einwandfreien Auskünften in Hannover bis zum Totalausfall in Oldenburg: EWE lässt sich die Fragen schicken – schaltet dann aber die Kommunikation ab.


Die Testkriterien: So haben wir bewertet


Den ausführlichen Pressestellentest mit Details zu allen Kandidaten lesen Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins.

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