Pressestellentest: Verlage

Schweigen im Blätterwald

Seit einem Jahr gibt es verbindliche Richtlinien für die Bezahlung freier Journalisten. Bei einigen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen sind Vergütungsregeln aber anscheinend noch nicht angekommen. Im Pressestellentest fühlen wir den Medienhäusern auf den Zahn.

Mehr Geld für freie Journalisten – das fordern Gewerkschaften seit Jahren. Im Februar 2010 sollte endlich alles gut werden: Seitdem gelten die neuen, „angemessenen Vergütungsregeln“, auf die sich Arbeitnehmervertreter und der Bund Deutscher Zeitungsverleger zuvor geeinigt hatten. Zwischen 47 und 103 Cent pro gedruckter Zeile sollen die Freien demnach für Nachrichten und Berichte einstreichen. Reportagen, Kurzgeschichten und Glossen bringen bis zu 1,32 Euro. Bezahlt wird in erster Linie nach Auflage: Je mehr Exemplare, desto mehr Zeilenhonorar bekommt der Autor.

Wer hält sich daran, und für wen sind die Regeln nicht mehr als eine freundliche Empfehlung? Das galt es im Pressestellentest herauszufinden. Folgende Fragen sollten 13 deutsche Medienhäuser beantworten: 1) Setzt Ihr Haus die gemeinsamen Vergütungsregeln um? 2) Wenn ja: Um wie viel Prozent haben Sie deswegen Ihren Honoraretat erhöht? Wenn nein: Warum setzen Sie die Regeln nicht um? Wie wollen Sie unter diesen Umständen der von allen Seiten geäußerten Forderung nach mehr Qualitätsjournalismus nachkommen?

Schon der erste Eindruck könnte unterschiedlicher nicht sein: der Webauftritt. Während die einen gleich eine ganze Liste mit Pressesprechern, persönlichen E-Mail-Adressen, Durchwahlnummern und Fotos anbieten, geben andere nichts preis. Negativbeispiel: die Verlagsgruppe Ippen. Das Münchner Traditionshaus von Dirk Ippen ist komplett offline, es gibt nicht mal eine Homepage.

Auffällig ist, dass die Hälfte der Kandidaten überhaupt keine Aussage machen will. Eigentlich leben Verlage von Kommunikation. Aber wenn es um die eigenen Mitarbeiter geht, geben sie sich zugeknöpft. „Kein Kommentar“ ist die häufigste Reaktion auf die Frage nach der Vergütung von Freien. Zwei Kandidaten schaffen nicht mal das: Die Verlagsgruppe Madsack stellt sich nach einem Erstkontakt tot. Beim Süddeutschen Verlag war trotz mehrfachem Verbinden kein passender Ansprechpartner zu finden, Nachfragen per E-Mail gingen ins Leere.

Die Übrigen beantworteten zumindest die erste Frage: Axel Springer, Verlagsgruppe Handelsblatt und Hubert Burda Media wenden nach eigenen Angaben die gemeinsamen Vergütungsregeln an oder haben schon vorher übertariflich bezahlt. Die Verlage DuMont und Ippen lassen die Vergütung von den einzelnen Blättern dezentral regeln und haben nach eigener Aussage keinen Einblick in diesen Bereich. Die Zeitschriftenhäuser Spiegel sowie Gruner + Jahr befinden sich noch in Verhandlungen. Über die Entwicklung des Etats sprach nur der Justiziar des Ippen-Verlags – will aber unter keinen Umständen zitiert werden.

 

So haben wir bewertet:
Die Testkriterien

Der Testsieger:
Gruner+Jahr

„Gut“ bis „Akzeptabel“:
Spiegel-Gruppe, Hubert Burda Media, Verlagsgruppe Ippen

„Verbesserungswürdig“ bis „Reformbedürftig“:
Axel Springer, Verlagsgruppe Handelsblatt, M.Dumont Schauberg, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Bauer Media Group, Jahreszeiten-Verlag

„Katastrophal“:
WAZ Mediengruppe, Madsack, Süddeutscher Verlag

Aktuelle Kommentare

01.03.2011 10:20

Christoph von Gallera

Die Lage sieht im lokalen und regionalen Zeitungsmarkt ebenfalls nicht besser aus. Hinweise auf unternehmerische Vollkostenrechnung auch in freien Journalistenbüros prallen in der Regel bei Versuchen zu Neuverhandlungen über Honorare ab. Auf der anderen Seite stehen dann die Forderungen nach einem Qualtätsjournalismus. Leider muss man sagen, dass trotz bestehender Rechtslage auf Basis der gemeinsamen getroffenen Vergütungsvereinbarungen zwischen DJV und BDZV sich nicht wirklich spürbar etwas zum Positiven geändert hat. Die Antwort sind mittlerweile eine Reihe von quer durch die Republik sich gründenden Initiativen freier Journalisten.
Was bleibt ist die Tatsache, dass diese Diskussion über bessere Bezahlung freier Journalisten nachwievor eher in einer kleinen selektiven und nicht vor einer breiten allgemeinen Öffentlichkeit stattfindet.

Christoph v. Gallera, freier Journalist
Herausgeber des Mittelhessenblog

07.03.2011 09:44

Natalie Struve

Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier nur per Internet und eMail-Nachfrage recherchiert wurde...

 
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