Pressestellentest: Wirtschaftskanzleien
Gute Beweislage
Die großen Wirtschaftskanzleien locken Topabsolventen nicht mehr nur mit Geld, sondern auch mit Work-Life-Balance. Wie es um die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf tatsächlich bestellt ist, soll der Pressestellentest klären.

(Foto: David Hecker/dapd)
Der Wettbewerb um hochbegabte Absolventen ist für Wirtschaftskanzleien hart. Der Personalmanager einer großen Sozietät beschreibt die Lage so: "Von 10.000 Absolventen im Jahr haben rund 1.000 zwei Prädikatsexamen, davon wollen vielleicht 500 in Wirtschaftskanzleien arbeiten. Und von denen wollen allein wir 100 einstellen."
Um die Konkurrenz auszustechen, müssen die Personalabteilungen deshalb immer stärker auf die Wünsche der Umworbenen eingehen. Und die wollen nicht mehr nur ackern, sondern auch Zeit für Partner, Kinder und Hobbys. Fachblätter wie NJW, Juve und Azur beschäftigt das Thema schon länger - mittlerweile gehen die großen Kanzleien mit dem Schlagwort "Work-Life-Balance" auch auf Nachwuchsjagd.
Im Pressestellentest sollen sich die Anwaltssprecher zum Stellenwert des Themas in ihrem Unternehmen äußern und den faktischen Beweis in Form von Zahlen gleich mitliefern.
Die Fragen:
1) Welchen Stellenwert hat Work-Life-Balance in Ihrer Kanzlei?
2) Wie beurteilen Sie den Stellenwert des Themas in anderen Großkanzleien?
3) Wie hoch ist die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter?
4) Wie sieht die Altersstruktur in Ihrer Kanzlei aus?
Die erste Frage ist für die meisten Sprecher eine willkommene Einladung, die Personalpolitik der eigenen Firma zu loben. Viele Testkandidaten haben Programme ins Leben gerufen, die beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Sie unterhalten Kinderkrippen in den Geschäftsstellen, lassen, wo es möglich ist, Eltern auf Teilzeitstellen wechseln oder vereinbaren Homeoffice-Tage. Und nicht nur das Familienleben soll profitieren. Individuelle Fortbildung zählt ebenso zur Work-Life-Balance wie Sabbaticals, etwa um eine Dissertation zu beenden oder einfach mal länger in den Urlaub zu fahren.
Eine Einschätzung zur Branche verkneifen sich manche, die meisten sehen aber, dass das Thema auch in anderen deutschen Sozietäten eine größere Rolle spielt. Deutlich sinkende Arbeitszeiten oder den Wandel zur Spaßgesellschaft erwartet in der Branche allerdings niemand. Bei den Zahlen geben sich viele Ansprechpartner bedeckt. Insbesondere die durchschnittliche Arbeitszeit wird - wenn überhaupt - nur grob geschätzt. Bei der Altersstruktur können die Kanzleien wieder etwas Boden gutmachen.
Ein großer Pluspunkt: Die Mehrzahl der Sprecher versuchte, Kontakt zu einem Personalverantwortlichen herzustellen. Die Vermittlung an eine höhere operative Ebene bringt Kürpunkte. Indes haben diese Ansprechpartner meist volle Terminkalender, was die Antwortgeschwindigkeit verzögert. Von den zwei Letztplatzierten kommen bis zum Ende der Testwoche keine Statements. Im übrigen Testfeld machen nur Kleinigkeiten den Unterschied. Die Noten reichen dort von "sehr gut" bis "akzeptabel".
Die Kriterien
Der Testsieger: CMS Hasche Sigle
Der Letzte: Görg
Den ganzen Pressestellentest lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper.
Darin unter anderem:
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