Profilwerkstatt

Ralf Ansorge

1) Auftragsinhalte:
a) Die Bedeutung von Inhalten, die mit Relevanz Resonanz auslösen, wächst immer weiter. Im großen Content-Meer gehen Unternehmen sonst einfach unter. Und es gibt immer mehr Projekte, die beide Welten verbinden – Print und Digital. Das Entweder-oder-Denken wird weniger, das ist eine wirklich positive Entwicklung. 

b) Content Marketing ist kein Trendthema mehr – es ist zum Muss-Thema für Unternehmen geworden. Wenn die Betonung auf Content und nicht auf Marketing liegt. Immer wichtiger werden Kampagnen, die disziplinübergreifend inszeniert werden müssen.

c) Bei editionP – unter dieser Marke bündelt die Profilwerkstatt Corporate Books – gibt es fast keine digitalen Komponenten. Ansonsten gibt es vielleicht bei noch fünf Prozent der Anfragen am Anfang keinen digitalen Teil. Das ändert sich meistens, wenn man gemeinsam mit dem Kunden die Ziele vertieft, meistens durch Social Media, speziell LinkedIn. KI, VR/AR spielten bei uns bislang keine Rolle.

d) Menschen schauen immer mehr nach der Haltung, die ein Unternehmen zu den für sie wichtigen Themen einnimmt, bevor sie sich entscheiden – ob sie nun Kunden werden oder Mitarbeiter. Wie das wer nennt, ist eigentlich gleich, kein Unternehmen kommt darum herum, sich Sinnfragen zu stellen. Der Zweck eines jeden Unternehmens – als „Zweck“ wird Purpose ja auch übersetzt – ist schlicht: Es muss seinen Kunden nutzen. Der Nutzen allein – also z.B. Essen, Kleidung, Mobilität – ist auf dem Markt der Möglichkeiten, die Kunden nun mal haben, nicht mehr ausreichend. Also müssen Unternehmen über glaubwürdigen Content zeigen, wie sie zu den für ihre Zielgruppen relevanten Themen stehen. Ohne tiefenphilosophisch werden zu müssen, muss sich jedes Unternehmen damit fragen, wie sinnstiftend das ist, was es tut. Auch wir als Agentur natürlich.

e) Ist die Forderung nach mehr Messbarkeit der Kommunikationsarbeit im Jahr 2019 auf Kundenseite nochmals lauter geworden? Da sehe ich keine Veränderung.

2) Auftragsumfang:
Aus unserer Sicht wird das Projektgeschäft immer stärker. Und eine Tendenz, mehr inhouse zu übernehmen, ist erkennbar.

3) Budgethöhe:
Die Höhe der einzelnen Kundenetats ist 2019 unterm Strich im Vergleich zu 2018 gleich geblieben. 

4) Neukundengewinnung:
Neukundengewinnung ist jedes Jahr gleich schwer und einfach. Die Sichtbarkeit über Rankings ist wichtig. Was wir 2019 festgestellt haben: Pitches werden immer kurzfristiger terminiert, das ist eine ziemliche Herausforderung.

5) Ausblick:
Ich erwarte, dass das Thema, den richtigen Content zur richtigen Zeit für seine Zielgruppen bieten zu können und glaubwürdig zu sein, noch wichtiger wird. Gerade weil es immer mehr Content gibt. Beim Auftragsumfang bin ich mal verhalten optimistisch in die Richtung, dass er nicht einbricht. Aber große Sprünge erwarte ich nicht.
Die Hauptrolle spielt dabei die Unsicherheit, die weltweit um sich greift. Die Konturen des Jahres 2020 sind in der Glaskugel extrem schlecht zu erkennen. 

6) Weitere bemerkenswerte Trends/Entwicklungen/Herausforderungen:
Ich finde den Podcast-Trend sehr spannend und bin gespannt, ob sich das Thema wirklich im Kommunikationsmix etabliert. Und natürlich wird KI eine Herausforderung, mit der sich Agenturen befassen müssen. KI wird auch in der Content-Produktion eine sinnvolle Ergänzung werden im Agenturalltag – und Konkurrent.